, 04.04.2018

Mann spielt an einem Spielautomaten

Das Jahrbuch Sucht 2018 liefert Zahlen und Fakten zum Thema Spielsucht. (Bild: sat1nrw.de)

Das Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) liefert jedes Jahr die aktuellsten Zahlen zum Thema Suchterkrankungen. Neben den Themen Alkohol, Tabak und Drogen gehört auch pathologisches Glücksspiel zu den Forschungsschwerpunkten des Vereins. Im Vergleich zum Vorjahr sind Erkrankungen im Zusammenhang mit Glücksspiel annähernd gleich häufig aufgetreten.

 

Glücksspielsucht rangiert auf den hinteren Plätzen

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen listet Glücksspielsucht und andere mit Glücksspiel verwandte Störungen weit hinter anderen Suchterkrankungen. Probleme mit Alkohol oder Nikotin sind jedoch im Vergleich zum Thema Glücksspiel gesellschaftlich wesentlich stärker akzeptiert. Laut der DHS handelt es sich bei den Spitzenreitern um die folgenden Bereiche:

„Nach wie vor sind die legalen Drogen Alkohol, Tabak und Medikamente für den größten Teil der Suchtproblematik in Deutschland verantwortlich.“

Die Zahlen im Bereich Spielsucht sind seit 2009 konstant rückläufig. Für 2017/2018 ermittelte die DHS für das sogenannte „problematische Spielverhalten“, eine Vorstufe zur Spielsucht, einen Anteil von 0,56 % der bundesdeutschen Bevölkerung. Dies entspricht ungefähr 326.000 Menschen. Von „pathologischem Spielverhalten“, einem ernstzunehmenden Krankheitsbild, das auch als Spielsucht bekannt ist, sind hingegen 0,31 % der Deutschen betroffen. Dies entspricht ca. 180.000 Menschen. Zum Vergleich: 1,77 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Alkoholsucht.

 

Beratungsangebote werden häufiger wahrgenommen

Jahrbuch Sucht 2018

Jahrbuch Sucht 2018 (Bild: dhs.de)

Die Häufigkeit, auch Prävalenz genannt, mit der Spielsucht in Deutschland auftritt, ist nach Erkenntnissen des Jahrbuchs Sucht annähernd stabil. Die Zahl der Personen, die an einem pathologischen Krankheitsbild leiden, ist im Vergleich zum Vorjahr (2017: 215.000 Menschen) sogar um rund 35.000 Betroffene gesunken.

 

Trotz dieser Entwicklungen konnte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen einen leichten Anstieg bei der Inanspruchnahme von Beratungsangeboten zum Thema Glücksspielsucht feststellen. Bei den Personen, die 2017/2018 eine Beratungsstelle aufsuchten, handelte es sich bei 72,3 % um Personen, die an Spielautomaten spielten. Sie stellen damit nach wie vor die größte Gruppe dar.

 

Der Anstieg an Personen, die ein Hilfs- oder Beratungsangebot wahrnehmen, ist ein wichtiger Indikator für den Erfolg der Bemühungen von Politik, Branchenverbänden und Betreibern. Sie alle engagieren sich im Bereich des verantwortungsvollen Spielens. Gemeinsam bemühen sie sich, dass leicht anfälligen Spieler ein Katalog an Hilfestellungen an die Hand gegeben wird. Mit Hilfe von Präventionsmaßnahmen, Informationstagen und Kampagnen kann verhindert werden, dass eine Suchterkrankung zum Ausbruch kommt.

 

Jeder dritte Deutsche hat schon ein Glücksspiel gespielt

Lebenslang betrachtet, haben 75,3 % der Deutschen in ihrem Leben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen. Darunter erfasst sind auch das einmalige Ausprobieren, Hobbyspiele im Privaten und insgesamt unauffälliges Spielverhalten. Auf die letzten 12 Monate gerechnet, haben 37,3 % der Bundesbürger an einem Glücksspiel teilgenommen.

 

Wie eine Studie der Fachstelle für Suchtprävention Berlin im Herbst 2017 herausfand, haben selbst Kinder und Jugendliche oft schon Erfahrung mit dem Thema Glücksspiel. So fanden die Forscher heraus, dass bereits jeder dritte Berliner Schüler in seinem Leben bereits an einem Glücksspiel im Internet teilgenommen hat.

 

Alkohol ist die Volksdroge Nummer 1 in Deutschland

Das mit Abstand größte Suchtproblem in Deutschland ist laut DHS immer noch Alkohol. DHS Geschäftsführer Raphael Gaßmann sagte dazu:

„Alkohol ist mit Abstand das massivste Problem.“

Zwar sei der Pro-Kopf-Verbrauch um 1,25 % auf 133,8 Liter gesunken, befinde sich jedoch immer noch auf einem extrem bedenklichen Level, wie die DHS warnte. Im Untersuchungszeitraum waren rund 3,38 Menschen von Problemen im Zusammenhang mit Alkohol betroffen. 1,77 Millionen Personen leiden dabei unter einer Alkoholabhängigkeit. Pro Jahr kommt es auf diese Weise zu rund 74.000 Todesfällen.

 

Der Konsum von Tabak ist im Vergleich zum Vorjahr um 3 % gestiegen. Bei der Rubrik Medikamentenabhängigkeit bestehen die meisten Probleme im Zusammenhang mit Schlafmitteln. Zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Menschen leiden hier an einer Sucht. Im Bereich der illegalen Drogen führt Cannabis die Liste an.