Donnerstag, 30. Juni 2022

Niederlande: Anstieg von Spielsucht und mangelhaftes Selbstausschluss-System

Holland Casino Außenansicht Aufgrund eines Fehlers im Spielersperrsystem soll ein Spielsüchtiger trotz Sperre bei Holland Casino gespielt haben (Bild: Flickr/Marco Verch/CC BY 2.0)

Niederländische Suchtkliniken haben in den letzten Monaten einen starken Anstieg von Spielsucht-Patienten verzeichnet. Experten zufolge könnte die Zahl der Problemspieler seit der Legalisierung des Online-Glücksspiels im Oktober 2021 um bis zu 50 % angestiegen sein. Dies berichtete am Donnerstag der niederländische Nachrichtensender Radar [Beitrag auf Niederländisch].

Spielsüchtige immer jünger und höher verschuldet

Auffällig sei die starke Altersverschiebung der Personen, die sich aufgrund problematischen Glücksspiels an die Suchhilfen wandten. Wie Fred Steutel, der Leiter der Suchtklinik Hervitas, gegenüber Radar erklärt, hätten sich in den letzten Monaten vermehrt Problemspieler zwischen 22 und 35 Hilfe gesucht. In den Vorjahren habe der Altersdurchschnitt der Hilfesuchenden deutlich höher gelegen.

Die Spielsucht der jüngeren Menschen basiere in der Regel auf exzessivem Online-Glücksspiel. Besonders problematisch daran sei, dass Spieler in Online-Casinos deutlich schneller hohe Geldsummen verlören als in terrestrischen Spielbanken. Schulden von mehr als 50.000 Euro seien bei den jüngeren Patienten daher keine Seltenheit.

Die Suchtklinik befürchte, dass sich das Problem weiter zuspitzen werde. Mitarbeiter Leroy Snippe kommentiert:

Das ist erst der Anfang, denn Suchterkrankungen entwickeln sich schleichend über einen längeren Zeitraum. Aber bereits jetzt sehen wir, dass es einen Anstieg gibt. Je mehr Glücksspiel-Produkte zur Verfügung stehen, desto mehr wird auch gespielt und desto höher ist die Zahl der Spielsüchtigen.“

Auch die vor kurzem vom Forschungsinstitut Ipsos veröffentlichte Studie stütze die Beobachtung. Zwar habe die Studie ergeben, dass es seit der Legalisierung des Online-Glücksspiels keine merkliche Zunahme der Spieler gegeben habe. Gleichzeitig jedoch hätten die lizenzierten Online-Casinos ihre Umsätze steigern können, was darauf hindeute, dass der einzelne Spieler höhere Einsätze tätige.

Problemspieler von Spielersperren nicht aufgefangen

Während die Kliniken einen Anstieg von Patienten registrierten, scheinen andere Hilfsmittel mitunter zu versagen. So erklärt ein Spielsüchtiger gegenüber Radar, dass er trotz seines Eintrags im nationalen Spielersperrregister CRUKS weiterhin habe am Glücksspiel teilnehmen können.

Der Mann, der sich nach eigener Aussage seiner Spielsucht schäme und daher anonym bleiben wolle, habe nach seiner Selbstsperre im November 7.000 Euro verspielt. Gespielt habe er auf den Online-Glücksspiel-Webseiten von Holland Casino und BetCity.

Nach dem Verlust seiner Einsätze trotz Selbstsperre habe er beide Anbieter kontaktiert. Holland Casino habe daraufhin erklärt, seinen Namen beim Abgleich mit CRUKS nicht gefunden zu haben. Laut BetCity hingegen sei das Datum der Registrierung nicht sichtbar.

Radar-Journalist Fons Hendrik hat daraufhin die Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit besucht. Im Gespräch bestätigte KSA-Abteilungsleiterin Geraldine Huijssoon, dass CRUKS im Oktober zunächst „Startschwierigkeiten“ gehabt habe. Erst Mitte November und damit nach der Registrierung des Betroffenen seien alle Probleme behoben worden.

Da es eine automatische Kontrolle war, kann es sein, dass es bei der Überschreibung der Daten von dem einen in das andere System einen Fehler gegeben hat. Dadurch gab es keine Übereinstimmung und der Spieler war aus Sicht des Anbieters nicht als gesperrter Spieler gekennzeichnet.“

Auf die Frage, wer letztendlich für den Fehler und die dadurch entstandenen Konsequenzen verantwortlich sei, sagte Huijsson, sich dazu nicht öffentlich äußern zu können. Die Behörde habe aber eine interne Untersuchung gestartet.

Die in den Fall verwickelten Glücksspiel-Unternehmen hätten dem Mann die 7.000 Euro mittlerweile „aus Kulanz“ zurückerstattet.