, 19.11.2020

Auf der Pferderennstrecke im englischen Hexham hat es am Mittwoch einen Überraschungssieger gegeben. Für Schlagzeilen sorgt jedoch nicht nur die Tatsache, dass ein Außenseiter eines der Rennen für sich entschieden hat, sondern auch der ungewöhnliche Umschwung der Wettquoten am Tag des Rennens.

 

Wie die britische Tageszeitung The Guardian gestern berichtet hat [Seite auf Englisch], zweifelten Zuschauer an der Rechtmäßigkeit des Sieges von Bushypark. Der sechsjährige Wallach habe entgegen aller Erwartungen das letzte Rennen des Tages, das Handicap-Hürdenrennen, mit 11 Längen gewonnen.

Unter Handicap versteht man im Pferderennsport Rennen, bei denen den teilnehmenden Pferden auf Grundlage ihrer zu erwartenden Leistungsfähigkeit ein bestimmtes Tragegewicht zugeordnet wird. Das bedeutet, dass Pferden, die als leistungsstärker gelten und somit bessere Gewinnchancen hätten, während des Rennens mehr Gewicht tragen müssen als ihre Kontrahenten. Da in der Branche davon ausgegangen wird, dass das Tragegewicht die Leistung eines Pferdes maßgeblich beeinflussen kann, sollen so gleiche Gewinnchancen kreiert werden.

Quotenumschwung in letzter Minute

Nach einer gravierenden Verluststrähne habe Bushypark für das Rennen am Mittwoch als Außenseiter gegolten. Seine letzten vier Rennen habe er durchweg auf den hinteren Plätzen abgeschlossen.

 

Bei jedem der Rennen sei er mindestens 20 Längen hinter dem Sieger eingelaufen. Auf alle vier Rennen gerechnet habe sich der Abstand auf insgesamt 196 Längen summiert.

 

Entsprechend seiner jüngsten Niederlagen hätten die Buchmacher die Quoten auf seinen Sieg zunächst auf 26.00, später auf 16.00 festgelegt. Trotz der hohen Quoten sei bei den Buchmachern eine ungewöhnlich große Anzahl von Wetten auf den Sieg Bushyparks platziert worden.

 

In der Folge hätten die Wettanbieter die Quoten kurz vor dem Start des Rennens auf 2.75 verringert.

 

Untersuchung durch Aufsichtsbehörde gefordert

In den Augen einiger Mitglieder des Horseracing Bettors Forum (HFB), einer Vereinigung, die die Interessen von Wettkunden im Pferderennsport repräsentiert, sei der Überraschungssieg in Kombination mit dem Wettmuster überaus verdächtig. Der Vorsitzende des Verbandes, Colin Hord, erklärt:

Es wurden sehr viele Wetten auf das Pferd platziert und es hat so einfach gesiegt. Das Problem dabei ist, dass es für die Wettkunden frustrierend ist, wenn sie derartige Sieger nicht ausfindig machen können – und in diesem Fall wäre es auf Grundlage der Statistik sehr schwierig gewesen, den Gewinner zu bestimmen.

Um die Frage zu klären, ob es sich in diesem Fall möglicherweise um Wettbetrug gehandelt haben könnte, habe das HFB nun eine Überprüfung des besagten Rennens und der dazugehörigen Wetten durch die britische Regulierungsbehörde für den Pferderennsport (BHA) gefordert.

 

Ob die Behörde dieser Forderung nachgehe, sei ungewiss. So gebe die Behörde im Vorfeld ohnehin grundsätzlich keine Auskunft über laufende Ermittlungen.