, March 25, 2019

Nachdem am Wochenende mehr als eine Millionen Menschen in London für ein zweites Brexit-Referendum auf die Straße gingen und gleichzeitig über fünf Millionen Personen eine Petition gegen den Artikel 50 unterzeichneten, wird eines deutlich: Der Unmut der Briten über den chaotischen Austritt aus der Europäischen Union wächst unaufhörlich.

 

Theresa May am Tisch

Für Theresa May könnten die letzten Wochen ihrer Amtszeit begonnen haben. (Quelle: Wikipedia)

Zur selben Zeit erhöht sich der Druck auf Premierministerin Theresa May (62), die wie Sky News (Link auf Englisch) berichtete, schon in Kürze von ihrem eigenen Kabinett zum Rücktritt gezwungen werden könnte.

 

Unter Berücksichtigung des Umstands, dass sich das Vereinigte Königreich und der Europäische Rat am letzten Donnerstag lediglich auf eine Verlängerung der Brexit-Deadline bis zum 12. April 2019 verständigen konnten, scheinen sich die Negativ-Schlagzeilen in ihrer Häufung also geradezu zu überschlagen.

 

Doch in der unübersichtlichen Situation, in der die britische Politik offenbar ratlos vor den Konsequenzen ihres eigenen Handelns steht, macht eine Berufsgruppe aus der Not eine Tugend: die Buchmacher.

 

Je mehr politische Verwerfungen es auf der Insel zu geben scheint, umso mehr kuriose Wettangebote werden von den Quotenmachern offeriert.

 

Bleibt Theresa May im Amt?

 

Die Meldungen um einen möglichen Kabinetts-Putsch gegen Theresa May sind noch keine 48-Stunden alt, da haben die englischen Buchmacher pünktlich zum Wochenstart bereits die ersten Wetten für einen Rücktritt der Premierministerin im Angebot.

 

Dass die Parteiführerin der Konservativen nach dem Brexit-Wirrwarr noch im Jahre 2019 von ihrem Posten abtreten wird, scheint in den Augen der Wettanbieter beschlossene Sache zu sein. Für einen Rückzug der Regierungschefin werden aktuell Quoten zwischen 1.10 und 1.40 aufgerufen. Nur beim genauen Zeitpunkt der Resignation variieren die Zahlen.

Die häufigsten Wetten zum Brexit im März 2019

  • Bleibt Theresa May im Amt?
  • Wer wird nächster Premierminister?
  • Wird es ein zweites Brexit-Referendum geben?
  • Wird es einen „No Deal“-Brexit geben?

So werden beim Buchmacher Ladbrokes für einen Rücktritt Mays im März 2019 Quoten von 3.50 angeboten, für den April 4.00 und für den Mai 13.00.

 

Jessica Bridges, Public Relations-Beauftragte des britischen Traditionsbuchmachers, äußerte bereits zum Jahreswechsel, dass der Konzern nicht an eine politische Zukunft Mays glaube. In einem Statement auf der unternehmenseigenen Website ließ sie wissen:

„In der Politik ist eine Woche lang, ganz zu schweigen von einem Jahr. Die Wettchancen deuten stark darauf hin, dass das Jahr 2019 Theresa Mays letztes Jahr als Premierministerin sein wird.“

Wer wird Mays politisches Erbe antreten?

 

Auch was das politische Erbe Theresa Mays angeht, hat man sich bereits Gedanken über mögliche Nachfolger und deren Erfolgsaussichten gemacht.

 

Als heiße Kandidaten für den Premierminister-Posten werden bei den britischen Buchmachern im Augenblick Michael Grove (52), David Lidington (62), Boris Johnson (54) und Jeremy Corbyn (69), der Parteivorsitzende der Oppositionspartei Labour, gehandelt.

 

Als aussichtsreichster Anwärter für die Stelle des Interims-Premierministers ist im Falle von Mays Rücktritt David Lidington. Der Vizeparteichef der Tories gilt als politisch gut vernetzt und soll im britischen Parlament hohes Ansehen genießen.

 

Für eine Regierungsübernahme Lidingtons präsentieren die Buchmacher gerade Quoten zwischen 3.75 und 7.00.

 

Wird es ein zweites Referendum geben?

 

Eine der drängendsten Fragen zum Brexit ist, ob es womöglich ein zweites Referendum geben könnte, welches zu einem Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union führen könnte.

 

Brexit Wagen

Bei Massenprotesten in London wird sich auch satirisch mit dem Brexit befasst. (Quelle: Wikipedia)

Erst am 14. März 2019 stimmten die Mitglieder des britischen Parlaments mit 334 zu 85 Stimmen gegen ein zweites Referendum und ließen die Erfolgsquoten für all jene Wettliebhaber, die eine EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs befürworten, sinken.

 

Bei den Buchmachern werden für den Fall eines zweiten Referendums Wettquoten von 3.5 angeboten. Sollte Großbritannien durch das Referendum tatsächlich in der EU verbleiben, würden die Wettanbieter das 3- bis 5-fache des Wetteinsatzes auszahlen.

 

Deal or No Deal?

 

Viele Diskussionen drehen sich darum, ob Großbritannien mit oder ohne Vertrag mit der EU aus dem Staatenbund ausscheiden wird.

 

Grundlage für einen „Deal“ ist, dass die Parlamentsvertreter im Unterhaus dem Vertrag, den May mit den Vertretern der europäischen Staaten vereinbart hat, bis zum 12. April 2019 zustimmen.

 

Sollte dies nicht der Fall sein, würde es nach jetziger Lage zu einem „No Deal“-Brexit kommen, dessen ökonomische Folgen bisher kaum abzusehen sind.

 

Der Buchmacher Betway geht aktuell noch davon aus, dass sich May mit der EU und ihren Parlamentskollegen einigen wird und setzt die Quoten für einen „No Deal“-Brexit bei 7.00 an. Die Quote für einen geregelten Austritt aus der EU liegt bei dem Buchmacher bei 1.07.

 

Es läuft für die Buchmacher

 

Auch wenn in der Schlussrunde des Brexit noch keine neuen Zahlen zum Wettvolumen der britischen Spieler bekannt geworden ist, ist zu erwarten, dass sich der Brexit für die britischen Wettanbieter lohnen wird.

 

Laut Schätzungen aus dem Jahre 2016 wurden bis zu 20 Millionen US-Dollar (ca. 17.7 Millionen Euro) auf das Ereignis gesetzt.

 

Diese Summe könnte sich in der Zwischenzeit deutlich vergrößert haben.