Samstag, 01. Oktober 2022

Britische Glücksspiel­aufsicht auf dem Prüfstand: Vergabe der Lotterie-Lizenz in Gefahr?

The National Lottery

Die britische Glücksspielaufsicht (UKGC) soll einen Parlamentsausschuss angesichts aktueller Untersuchungen angeschrieben haben. Der Ausschuss untersuche derzeit die Rolle der UKGC bei der Vergabe der Lizenz der britischen National Lottery. In ihrem Brief habe die UKGC die Parlamentsmitglieder laut Exklusivberichten der Financial Times vom Donnerstag dieser Woche gewarnt, den Vergabeprozess zu gefährden.

Julian Knight, Mitglied des britischen Parlaments, habe der Financial Times einen Brief vorgelegt, in dem Andrew Rhodes, Chief Executive at Gambling Commission, erklärt habe:

Es würde ein erhebliches Risiko für die Integrität des Wettbewerbs darstellen, wenn die Glücksspielkommission, einer der Antragsteller oder eine anderweitig am Wettbewerb beteiligte Person Beweise für die Untersuchung in dieser sensiblen Phase des Wettbewerbs vorlegen müsste.

Druck auf die britische Glücksspielaufsicht wächst

Die UK Gambling Commission stehe derzeit unter massivem Druck, da sie von Parlamentariern aktuell hinsichtlich ihrer Effektivität geprüft werde. Bereits im Februar hatte das National Audit Office, das die Leistungsfähigkeit öffentlicher Stellen überwacht, die Glücksspielbehörde massiv kritisiert.

Wie unter anderem die Zeitung The Guardian [Seite auf Englisch] berichtet hatte, habe das National Audit Office der Glücksspielaufsicht vorgeworfen, sich nicht an die technischen Änderungen des Marktes angepasst zu haben. Die Glücksspielaufsicht sei durch eine unflexible Finanzierung und mit ihr verbundene beschränkte Mittel behindert. Damit sei sie, so der Vorwurf, nicht in der Lage, Verbraucher effektiv vor durch Glücksspiel verursachten Schäden zu schützen.

Im Juli hatte Knight angekündigt, dass auch die Rolle der UK Gambling Commission bei der Überwachung der National Lottery untersucht werde. Allerdings hätten Glücksspielanbieter, die sich für die Lotterielizenz bewerben, eine strenge Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet.

Strikte Vertraulichkeit von Bewerbern um Lotterielizenz gefordert

So sei es Bewerbern nicht erlaubt, den aktuellen Lizenzinhaber zu kritisieren. Alle öffentlichen Kommentare hinsichtlich des Vergabeprozesses müssten vorab mit der Glücksspielkommission abgestimmt werden. Verstöße gegen die Verschwiegenheitsvereinbarung würden sofort zum Ausschluss des Bewerbers führen.

In einem Statement habe die Glücksspielaufsicht gegenüber der Financial Times erklärt, sie respektiere, dass eine Überprüfung für notwendig erachtet werde. Sie werde jedoch sämtliche Bewerber, unter ihnen der tschechische Glücksspielanbieter Sazka und der italienische Lotterie-Anbieter Sisal, schriftlich an ihre Pflicht zur Verschwiegenheit erinnern.

Derart strikte Vertraulichkeitsprotokolle seien erforderlich, um die Integrität und die Fairness im Wettbewerb um die Lizenz der britischen National Lottery zu gewährleisten.