, 26.10.2020

In Großbritanniens erster Klinik für die Behandlung von spielsüchtigen Minderjährigen werden Patienten betreut, die bis zu 100.000 Pfund verspielt haben. Recherchen der Zeitung Sunday People zufolge seien in der vom staatlichen Gesundheitssystem National Health Service (NHS) betreuten Einrichtung bereits 13 Jahre alte Jugendliche, die aufgrund ihrer Spielsucht massive Schulden aufgebaut hätten.

 

Zehntausende Pfund verspielt

Wie Sunday People berichtet, seien durch das spielsüchtige Verhalten der Minderjährigen bereits ganze Familien in den Ruin getrieben worden. So wird der Fall eines 13-Jährigen geschildert, der seinem Vater zur Finanzierung seiner Wettsucht innerhalb von sechs Jahren 60.000 GBP gestohlen habe, woraufhin die elterliche Firma Insolvenz habe anmelden müssen.

 

Dass sich die hohen Verluste nicht nur über Jahre anhäuften, zeige ein weiterer Fall. Dabei habe ein 12-Jähriger mit der Kreditkarte seines Vaters innerhalb einer Nacht beim Online-Roulette 20.000 GBP durchgebracht.

 

Dr. Henrietta Bowden-Jones, Direktorin der National Problem Gambling Clinic [Seite auf Englisch], die die Jugendlichen betreut, betonte, wie schwerwiegend die behandelten Fälle seien:

Wir sprechen von schwerem, schwerem Glücksspiel in einer Bevölkerungsschicht junger Menschen, die es sich eindeutig nicht leisten kann.

Die Ärztin erklärte, dass knapp ein Fünftel ihrer Patienten im Alter von 13 bis 25 Jahren zwischen 20.000 und 100.000 GBP verspielt hätte. Zudem hätten weitere 18 % zwischen 5.000 und 20.000 GBP für das Glücksspiel ausgegeben. Lediglich 25 % der Patienten hätten wegen des Glücksspiels keine Schulden gemacht.

Die National Problem Gambling Clinic für Kinder wurde vom NHS im Herzt 2019 in London eröffnet. Sie ist die bisher einzige Einrichtung ihrer Art, die sich auf die Behandlung von Minderjährigen spezialisiert hat. Grund für Eröffnung sind Schätzungen, dass rund 55.000 britische Jugendliche ein Glücksspielproblem haben.

Wie gravierend die Spielsucht teilweise sei, zeige sich auch an den Ausgaben der jungen Spieler. Diese lägen durchschnittlich bei 194 GBP pro Tag, an dem gespielt werde. Bei etwa 13 Tagen im Monat kämen die Jugendlichen auf monatliche Glücksspielausgaben von 2.800 GBP.

 

Viele der Patienten würden bereits im Alter von acht Jahren Bekanntschaft mit dem Glücksspiel machen. Ursache dafür seien Spiele wie Fortnite, bei denen die umstrittenen Lootboxen zum Einsatz kämen. Nicht selten entwickle sich daraus ein problematisches Glücksspielverhalten oder gar eine Spielsucht.