, 02.04.2019

Seit gestern, dem 1. April 2019, gelten in Großbritannien neue Bestimmungen für die Fixed-Odds-Betting-Terminals (FOBTs). Es dürfen maximal nur noch 2 GBP statt 100 GBP gesetzt werden. Nun stehen die Betreiber der Wettbüros unter Verdacht, diese Regelungen mithilfe eines Roulette-Spiels namens „Virtual Cycling“ umgehen zu wollen, das in weniger als 48 Stunden nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes bei verschiedenen Buchmachern verfügbar war.

 

Die Glücksspiel-Unternehmen Betfred und Paddy Power führten bereits das neue Spiel ein, die Veröffentlichung eines ähnlichen Spiels soll auch vom Buchmacher William Hill geplant sein.

Wie funktioniert Virtual Cycling?

 

Das neue Spiel erscheint in den Wettshops auf einer Leinwand. Zwei Radfahrer messen sich auf einer Velodrom-Rennstrecke, auf der Zahlen von 1 – 36 abgebildet sind und die einem Roulette-Rad gleicht.

 

Roulette-Rad

Die Velodrom-Rennstrecke bei Virtual Cycling ähnelt einem Roulette-Rad. (Bild: casinoonline.de)

 

Wenn der hintere Fahrer den vorderen einholt, ist die Zahl, auf der sich beide Fahrer auf gleicher Höhe befinden, die Gewinnzahl.

 

Die Spieler können auf eine bestimmte Zahl setzen, aber auch auf Rot und Schwarz oder Gerade und Ungerade wetten. Einsätze auf eine ganze Zahlenreihe sind ebenfalls möglich.

Britische Glücksspielbehörde leitet Untersuchungen ein

Wie die UK Gambling Commission (UKGC) [Seite auf Englisch] verlauten ließ, sei sie über das neue Spiel informiert und die Untersuchungen hätten bereits begonnen.

 

Tracey Crouch, die ehemalige Sportministerin, und Tom Watson, der stellvertretende Vorsitzende der Labour Partei und Schattenminister für digitale Medien, Kultur und Sport, verurteilten die Geschäftspraktiken der Glücksspielunternehmen und bezeichneten die neuen Spiele als „FOBTs durch die Hintertür“.

 

Watson sagte auf Twitter:

„Die Glücksspielbranche scheint die neuen Regelungen mit diesen neuen Roulette-Spielen zu umgehen zu wollen. Sie haben anscheinend ihre Lektion nicht gelernt – wenn sie sich nicht selbst reformieren, wird eine Labour-Regierung dies für sie tun.“

Die amtierende Sportministerin Mims Davis sagte:

„Wir haben die Einsätze der FOBTs auf 2 Pfund Sterling gesenkt, um gefährdete Personen vor durch das Glücksspiel verursachten Schäden zu schützen. Die Betreiber sollten sowohl den wörtlichen Inhalt als auch den Sinn dieser Veränderungen respektieren.“

Sie führte aus, dass die Branche sehr genau beobachtet werde und die Regierung nicht zögern werde, wenn Anzeichnen von finanziellen Schäden bei Spielern beobachtet würden.

 

Die Glücksspielbranche geht in die Offensive  

Trotz der Proteste und umfangreicher Lobbyarbeit mussten 4.500 Wettbüros schließen, 21.000 Arbeitsplätze seien nach Angaben der Betreiber bedroht. Es hat den Anschein, als wolle die Glücksspielbranche mit den neuen Spielen in die Offensive gehen und sich Gesetzeslücken zunutze machen.

 

Wetten auf das Spiel Virtual Cycling von Betfred werden nicht an den Wett-Terminals platziert, sondern der Spieler muss einen Wettschein am Schalter des Wettbüros ausfüllen. Bis zu 500 Pfund Sterling können gesetzt werden. Dies entspricht der Einsatzhöhe an den FOBTs, bevor die Einsatzhöhe limitiert worden ist.

 

Ein Sprecher von Betfred sagte, dass die Wettscheine an der Kasse abgegeben werden müssten, so dass die Mitarbeiter mit den Kunden interagieren könnten. Es handle sich demnach nicht um Spiele mit der Maschine, sondern um „Over The Counter Wetten“.

 

Britischer Minister Tom Watson

Minister Tom Watson sieht die neuen Spiele kritisch. (Bild: wikimedia.org)

Das neue Spiel von Paddy Power heißt Pick ´n ’36 und hat einen maximalen Einsatz von 100 Pfund Sterling. Wie bei Virtual Cycling von Betfred setzen die Spieler auf Zahlen zwischen 1 und 36.

 

Auch hier sind weitere Wetten wie beim Roulette möglich. Auf einem Monitor in den Wettbüros werden die sogenannten „heißen“ oder „kalten“ Zahlen angezeigt.

 

Wie ein Mitarbeiter in einer Niederlassung von Paddy Power sagte, seien die Spiele seit Montag bereits in 320 Shops verfügbar. Die Einsätze seien zwar so hoch wie zuvor bei den FOBTs, aber anstatt alle 20 Sekunden könne jetzt nur alle drei Minuten gesetzt werden.

 

Bei William Hill wird indes ein neues Spiel namens „Wonderball“ getestet. Hierbei müssen die Spieler Kästchen auf einem Wettschein ausfüllen, die einem Roulette-Tisch gleichen. Der Höchsteinsatz soll 50 Pfund Sterling betragen.

 

Die Ziehung soll dann an einem Monitor zu verfolgen sein. Im Falle eines Gewinns können bis zu 25.000 Pfund Sterling ausgezahlt werden.

 

Ein Mitarbeiter eines William Hill Wettbüros sagte:

„Es ist genau wie beim Roulette, aber die Ziehung erfolgt auf dem Monitor. Das Spiel ist noch nicht verfügbar, wird aber wahrscheinlich bald veröffentlicht.“

Es bleibt nun abzuwarten, wie die Regulierungsbehörden im weiteren Verlauf angesichts der neuen Spiele handeln werden. Könnte dies eine neue Änderung der Richtlinien zur Folge haben?