, 11.02.2021

Die Bundesregierung soll in dieser Legislaturperiode keine Förderung des E-Sports in Deutschland mehr vorsehen. Dies geht aus der Beantwortung der Frage der Bundestagsabgeordneten und Leipziger Stadträtin Monika Lazar (BÜNDNIS 90/Die Grünen) hervor, berichtete der Focus am Mittwoch.

 

Nach Angaben der Deutschen Presseagentur, der die Antwort auf die schriftliche Anfrage Lazars vorliege, gebe es derzeit keine gesetzgeberischen Maßnahmen in der Frage der Gemeinnützigkeit des E-Sports mit Anspruch auf Förderung.

 

Lazar reagiert enttäuscht und kritisiert das mangelnde Engagement der Bundesregierung, zumal sich Union und SPD 2018 im Koalitionsvertrag darauf geeinigt hätten, „E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht“ anzuerkennen“.

 

Dass die Bundesregierung trotz der vollmundigen Versprechen des Koalitionsvertrages in Sachen E-Sport keine weiteren Maßnahmen plane, grenze an Arbeitsverweigerung, kommentiert Lazar.

Laut dem Innenministerium lasse sich die Gemeinnützigkeit bereits über Jugendhilfe und Bildung erreichen. Die Entscheidung, ob E-Sport als Sport zähle, obliege dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

 

Da der DOSB sich aber klar gegen eine Anerkennung positioniert, scheinen die Fronten derzeit festgefahren. Einzig Sportsimulationen wie FIFA oder Evolution Soccer könnten als Sport anerkannt werden und hätten damit einen Anspruch auf Förderung, Spiele wie Dota 2 und Counter-Strike jedoch nicht. Letztere machen jedoch den Großteil des E-Sport-Markts aus.

Heftige Kritik seitens der Verbände

Nach Bekanntgabe der Entscheidung reagiert die Branche enttäuscht. Der Branchenverband Game erklärt, dass die Bundesregierung ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag gebrochen habe. Damit werde das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen in den Vereinen torpediert.

 

Martin Müller, Vizepräsident beim eSport-Bund Deutschland e.V. (ESBD) und Abteilungsleiter Breitensport, erklärt:

Die Vorschläge des Bundesinnenministeriums, die Gemeinnützigkeit für E-Sportvereine über Jugendhilfe oder Bildung zu erreichen, sind in der behördlichen Praxis nachweislich unbrauchbar. Nahezu jedem E-Sportverein wird die Gemeinnützigkeit über diese Wege verwehrt.

Angesichts der steigenden Anzahl an E-Sport-Vereinen in Deutschland brauche es eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Die seitens der Regierung unterbreiteten Lösungsvorschläge seien fernab der gelebten Realität, sagt Müller weiter.

 

ESBD-Präsident Daniel Luther betitelt es als schweres Versäumnis, den Versprechen des Koalitionsvertrags keine Taten folgen zu lassen. Die Aufteilung des E-Sports in förderungswürdige Sportsimulationen und nicht förderungswürdige Spiele, wie es der DOSB vorgeschlagen habe, sei für den ESBD nicht akzeptabel.

 

Es müsse auch darum gehen, den Anschluss an andere Länder nicht zu verlieren. Das Potenzial sei vorhanden, doch die Bundesregierung scheine sich, bis auf wenige Ausnahmen, nicht für die Millionen E-Sportlerinnen und E-Sportler zu interessieren, sagt Luther.