, 20.10.2020

Auf der Gaming in Germany Conference 2020 hat Dr. Holger Jakob, Anwalt bei Rechtsanwälte Melchers, gestern zur rechtlichen Situation von Wetten auf den E-Sport in Deutschland gesprochen. Deren Legalität sei ihm zufolge eine Frage der Definition von E-Sport und der erfolgreichen Lizenzierung der Anbieter.

 

Wetten auf den E-Sport – eine Nische mit Erfolgsaussichten

 

Wie Dr. Jakob auf der Gaming in Germany Conference ausführte, hätten die E-Sport-Wetten im Jahr 2019 weltweit schätzungsweise 220 Mio. US-Dollar umgesetzt. H2 Gambling Capital schätze, dass die Umsätze bereits im Jahr 2023 auf über 700 Mio. Euro steigen würden.

 

Damit handele es sich bei den Wetten auf den E-Sport um einen wachsenden Nischenmarkt, der sich in Deutschland jedoch in einer rechtlich unsicheren Situation befinde, denn nur Wetten auf den Sport seien hier legal. Andere Wettformen, beispielsweise auf den Ausgang von Wahlen, sind in Deutschland nicht erlaubt.

 

Ob Wetten auf den E-Sport legal seien, hinge somit davon ab, ob E-Sport als Sport angesehen werde oder nicht.

Der eSport-Bund Deutschland e. V. [ESBD] definiert E-Sport als den unmittelbaren Wettkampf zwischen menschlichen SpielerInnen unter der Nutzung von geeigneten Video- und Computerspielen an verschiedenen Geräten und auf digitalen Plattformen unter festgelegten Regeln. Aus Sicht des ESBD handele es sich um eine Sportart mit verschiedenen Disziplinen, die sich an den unterschiedlichen Videospielen ausrichteten.

Während sich der ESBD dafür ausspreche, E-Sport als wettkampffähigen Sport zu definieren, habe sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) anders positioniert. Er sehe nur „virtuelle Sportarten“ anschlussfähig an Vereine und Verbände. Nach einem Gutachten des Rechtsanwaltes Prof. Dr. Peter Fischer erfülle E-Sport, wie der DOSB ausführt,

…aus rechtlicher Sicht nicht die Voraussetzungen, um als gemeinnützig anerkannt zu werden.

In jedem Fall sei laut Dr. Jakob der regulatorische Kontext entscheidend, in dem E-Sport als Sport angesehen werde. Für die Frage, ob E-Sport Sport und damit Wetten auf ihn legal seien, sei somit der Glücksspielstaatsvertrag von Bedeutung.

 

Legales Anbieten von E-Sport-Wetten abhängig von erfolgreicher Lizenzierung

 

Dem Glücksspielstaatsvertrag entsprechend bedürfe es für das legale Anbieten von Sportwetten einer Lizenz. E-Sport-Wetten seien darin nicht ausdrücklich geregelt. Es obliege somit der Behörde, im Zuge des Erlaubnisverfahrens zu entscheiden, ob die beantragten Wetten auf die jeweiligen E-Sport-Titel genehmigt würden.

 

Für das Lizenzierungsverfahren sei es Sport- und E-Sport-Wettanbietern daher zu empfehlen, die Erlaubnis für spezifische E-Sport-Wetten zu beantragen, deren Zulassung realistisch sei. Dazu würde beispielsweise bei League of Legends die Wette auf den Pentakill eines Spielers gehören, bei dem ein Spieler innerhalb eines Zeitrahmens fünf Gegner besiegen muss.

 

Vollständig vom E-Sport und von Wetten hierauf auszuschließen seien Wetten auf virtuelle Sportereignisse, bei denen es sich um reine Computersimulationen handelt und wo keine realen Spieler gegeneinander antreten.

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