, 22.11.2019

Medienberichten zufolge haben die maltesischen Streitkräfte (AFM) am Mittwochmorgen den Geschäftsmann und Casino-Inhaber Yorgen Fenech wegen potentieller Verwicklungen in den Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia verhaftet.

 

Nach einem fast zweitägigen Verhör jedoch hat die Polizei den Tatverdächtigen heute auf Kaution entlassen müssen. Die Ermittlungen gehen weiter.

 

Fenech als „Person von Interesse“

Die maltesische Enthüllungsjournalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia [Webseite der Journalistin auf Englisch] wurde am 16. Oktober 2017 mittels einer Autobombe ermordet. Drei Männer waren damals im Zusammenhang mit dem Anschlag wegen Mordes verhaftet worden; sie sollen die Bombe gezündet haben.

 

Die Polizei kam schnell zu dem Schluss, dass der Anschlag auf die Journalistin verübt worden war, weil diese an der Enthüllung eines großen Korruptionsskandals arbeitete. Im Zentrum des Skandals stand ein geheimes Unternehmen namens 17 Black, welches sich als Offshore Firma in Dubai herausstellte.

 

Seit November 2018 ist bekannt, dass Yorgen Fenech der Inhaber des Unternehmens ist.

 

Doch trotz der Indizien konnte der Mordfall nie vollständig aufgeklärt werden, da die Täter nie den Namen des potentiellen Auftraggebers genannt hatten. Die Verhaftung von Yorgen Fenech könnte jetzt ein neue Wendung in den Fall bringen.

Yorgen Fenech ist Geschäftsführer einer der mächtigsten Handelskonzerne Maltas, der Tumas Group. Das Familienunternehmen, welches bereits seit mehr als 50 Jahren besteht, arbeitet vorwiegend in der Glücksspiel-, Gaming- und Bau-Industrie. Neben dem Hilton Malta und dem Portomaso Business Tower stehen auch das Portomaso Casino und das Oracle Casino unter der Leitung der Tumas Group. Insgesamt betreibt das Unternehmen auf diese Weise 300 Spielautomaten und 21 Live Tische mit einem Schwerpunkt auf Pokerspiele.

Die maltesische Polizei stoppte am Mittwochmorgen die Luxusyacht „Gio“ des bekannten Geschäftsmannes, nachdem dieser kurz vor Tagesanbruch gerade den Hafen von Portomaso verlassen hatte. Die Polizei zwang die Yacht in den Hafen zurück und ließ sie von Sicherheitskräften durchsuchen.

 

Maltas Premierminister, Joseph Muscat, bestätigte noch am selben Tag die Verhaftung und sprach dabei von der Festnahme einer „Person von Interesse“.

 

Laut der Tageszeitung MaltaToday jedoch sei Fenech bereits aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Nach maltesischem Recht dürften Tatverdächtige lediglich 48 Stunden festgehalten werden. Muscat sagte über die Verhaftung:

Das hier ist ein großer Fall und ich habe volles Vertrauen in die Ermittler. Ich verstehe, dass sie mehr Zeit benötigen. Die Analyse der Zeugenaussage und der Daten, die durch den Mittelsmann bereitgestellt wurden, dauert noch an.

Die Spur zu Fenech

Während sich Muscat bezüglich Namen und Details bedeckt hielt, analysierten die maltesischen Zeitungen, dass der Hinweis auf Fenech mutmaßlich von dem inhaftierten Mittelsmann Melvin Theuma gekommen sein könnte.

 

Premierminister Joseph Muscat

Maltas Premier Muscat bot Mittelsmann Begnadigung an (Bild: Wikipedia)

Der Kredithai, der vor seiner Verhaftung offiziell als Taxifahrer gearbeitet haben soll, sei gemeinsam mit anderen Personen von Interpol wegen Geldwäsche festgenommen worden.

 

Die Polizei geht ebenfalls davon aus, dass er in die Planung des Mordes an der Journalistin involviert gewesen sein könnte.

 

Laut MaltaToday habe Ministerpräsident Muscat ihm am Dienstag eine offizielle präsidentielle Begnadigung angeboten, sollte dieser zielführende Details zur Aufklärung des Mordes an Caruana Galizia liefern.

 

Muscat sorgte mit seinem Angebot unmittelbar für großen Aufruhr. Demonstranten hatten sich nach dem Pressebericht unmittelbar vor dem Parlament in Valetta versammelt und den Rücktritt des Premiers gefordert.

 

Eine Komplizierte Beweislage

Die vorläufige Entlassung Fenechs auf Kaution zeigt, dass es noch immer keine stichhaltigen Beweise zu geben scheint, dass es sich bei ihm tatsächlich um den Auftraggeber handelt.

 

Caruana Galizia selbst hatte Fenechs Namen lediglich einmal in einem Blogpost im Jahr 2013 genannt. Damals zweifelte sie an seinen Geschäftspraktiken in Bezug auf das Bauprojekt eines Kraftwerkes, an welchem Fenech maßgeblich mitwirkte.

 

In ihren Artikeln zwischen Februar und Oktober 2017 über die besagte Firma 17 Black nannte sie Fenechs Namen nicht, bescherte dem Unternehmen aber ungewollte Aufmerksamkeit in der Skandalpresse.

 

Zu jener Zeit geleakte E-Mails zeigten darüber hinaus Verbindungen zwischen 17 Black und den Politikern Keith Schembri (Stabschef des Premiers) und Konrad Mizzi (Minister für Tourismus).

 

Ob die Ermittler die vielen Verstrickungen und die Hintergründe des Mordes klären werden können, bleibt vorerst abzuwarten.