, 24.04.2021

Das größte Casino Europas, das Casinò di Campione, bereitet sich auf seine Wiedereröffnung vor. Vor vier Jahren hatte die prunkvolle Spielbank in der italienischen Exklave Campione Insolvenz angemeldet und seine Gemeinde damit in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt. An eine Wiedereröffnung war lange Zeit nicht zu denken.

 

Wie die italienischen Medien in dieser Woche berichtet haben [Seite auf Italienisch], könnte Campione dennoch in diesem Jahr erneut zum alpinen Glücksspielparadies avancieren. Demnach gebe es konkrete Pläne, die hochverschuldete Spielbank bereits im September wieder in Betrieb zu nehmen.

Das Casinò di Campione ist nicht nur das größte Casino Europas, sondern auch das älteste Italiens. Die Geschichte des Casinos und das Sonderstatut seiner Gemeinde sind einzigartig. Campione befindet sich geographisch gesehen gänzlich in der Schweiz, genauer gesagt am Luganer See im Schweizer Kanton Tessin.

 

Unternehmen und Einwohner zahlen ihre Steuern an den Schweizer Staat, als Währung werden Schweizer Franken genutzt. Nichtsdestoweniger gehört Campione auf Grundlage des Testaments des damaligen Herrschers Toto von Campione seit dem Jahr 777 zur italienischen Provinz Como und heute sowohl zur Europäischen Union als auch seit dem 1. Januar 2020 zum Zollgebiet der EU.

Doch diesmal solle alles anders laufen. Um einem erneuten Scheitern des Casinos vorzubeugen, solle es ohne Abhängigkeiten von Dritten in die Zukunft starten. Das bedeute, dass keine Finanzierung oder Kreditvergabe von privaten Investoren zugelassen werde.

 

Die Schulden, die sich Schätzungen zufolge auf 130 Mio. Euro beliefen, solle die Spielbank „von innen heraus“ durch erfolgreiche Glücksspielgeschäfte selbst tilgen.

Nach Prognose der Gemeinde könnten auf diesem Wege alle Schulden bis Ende 2027 beglichen werden.

 

Neue Blütezeit in fünf Jahren?

Die auf September angesetzte Wiedereröffnung solle zunächst mit 170 Angestellten beginnen. Die Zahl der Mitarbeiter solle dann Jahr und Jahr leicht erhöht werden. Bis zum Jahr 2026 solle das Casino dann zirka 270 Personen beschäftigen.

 

Vor seiner Insolvenz im Jahr 2018 habe das Casinò di Campione insgesamt 500 Mitarbeiter beschäftigt. Durch weniger Angestellte sollen weitere Kosten gespart werden. Gleichzeitig solle die Effizienz der nur fast halb so großen neuen Belegschaft optimiert werden.

 

Auch die Abgaben an die Gemeinde sollen zunächst deutlich geringer ausfallen als in der Vergangenheit. Eine erneute finanzielle Abhängigkeit der Gemeinde vom Casino gelte es zu vermeiden.

Die Gemeinde Campione sah sich vor vier Jahren gezwungen, sich allein wegen des Scheiterns seiner Spielbank für zahlungsunfähig zu erklären. Erst durch einen Kredit über 5,5 Mio. Euro von der italienischen Regierung konnte Campione anschließend seine Schulden an den Kanton Tessin zurückzahlen. Seither musste sich die Gemeinde ohne ihren ehemals größten Geldbringer finanziell neuorientieren.

Gespart werden solle auch bei anderen zu erwartenden Fixkosten, insbesondere im Bereich Restaurant und Catering. Die Betreiber sollen hier externe Zulieferer finden, die zu einem fest vereinbarten Budget mit der Spielbank zusammenarbeiten. Überraschungskosten könnten so ausgeschlossen werden.

 

Während die Pläne der Casino-Betreiber laut der italienischen Presse vielversprechend seien, bedürfe die Wiedereröffnung der Zustimmung des Gerichts der Stadt Como. Eine Anhörung sei für den 3. Mai geplant.