, 11.07.2020

Im August kommen auf die Nutzer des chinesischen Microblogging-Dienstes Sina Weibo weitere Einschränkungen zu. Wie das Unternehmen in dieser Woche angekündigt hat, sollen künftig alle externen Links verboten werden, die sich nicht auf der neuen offiziellen Whitelist des Dienstes befänden.

 

Wie der Nachrichtendienst Caixing Global am Freitag berichtet hat [Seite auf Englisch], wolle Sina Weibe insbesondere verhindern, dass Nutzer Links zu Webseiten mit pornographischen Inhalten oder zu Glücksspielwebseiten posteten.

 

Die Maßnahme diene zudem der Vorbeugung von betrügerischen Aktivitäten. Dazu zählten gefakte Gewinnspiele oder Betrugsmaschen nach dem Schneeballsystem.

Der Microblogging-Dienst Sina Weibo wurde im August 2014 gegründet und ist in seiner Aufmachung und Funktionsweise am ehestem mit der US-Plattform Twitter zu vergleichen. Da Nutzer gemäß der Internetzensur in der Volksrepublik nur „regierungsfreundliche“ Inhalte posten und einsehen dürfen, wird der Nachrichtendienst durch die Regierung überwacht. Mithilfe von Algorithmen werden unerwünschte Stichworte aufgespürt und die betreffenden Beiträge anschließend entfernt.

Auf der neuen Whitelist sollen sich ausschließlich die Webseiten der Regierung, lizenzierter Medienhäuser, namhafter Online-Portale und vereinzelter zugelassener Unternehmen befinden.

 

Als Begründung für die erweiterte Zensur gab das Unternehmen die Sicherheit der 500 Millionen registrierten Nutzer an. So heißt es unter anderem:

Sie [die Links zu externen Webseiten; Anm. d. Verf.] haben die Ordnung in unserer Community maßgeblich gestört und die Erfahrung unsere Nutzer beeinträchtigt.

Viele Nutzer hätten mit Besorgnis auf die Ankündigung des Unternehmens reagiert. So erschwere die Whitelist es vielen kleineren Firmen oder Einzelhändlern elektronischen Handel zu betreiben und über Sina Weibo für ihre Produkte zu werben.

 

Auch steige das Risiko von Korruption, da finanziell gut gestellte Unternehmen sich die Aufnahme in die Whitelist erkaufen könnten.

 

Der ultimative Schlag gegen das Glücksspiel?

Dass Sina Weibo sehr strikt gegen Glücksspiel-Inhalte vorgeht, ist nicht neu. Bereits im Januar hatte der Dienst bekannt gegeben, mit Erfolg mehr als 360.000 Links zu Webseiten mit Glücksspielen und anderen verbotenen Inhalten entfernt zu haben.

 

Das Unternehmen kündigte damals an, im Laufe des Jahres noch intensiver gegen die unerwünschten Inhalte vorzugehen. Mittlerweile, so die Verantwortlichen, stünden ihnen hierfür noch bessere technologische Mittel zur Verfügung.

 

Für die chinesische Regierung, die seit Jahren vermehrt gegen das Glücksspiel vorgeht, dürften dies gute Nachrichten sein. Ob alle Nutzer die neue Zensur jedoch klaglos hinnehmen werden, bleibt abzuwarten.

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