, 21.07.2020

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf problematisches Spielverhalten werden voraussichtlich mit zeitlicher Verzögerung erst im späteren Verlauf des Jahres sichtbar werden. Dies geht aus einem neuen Bericht der schwedischen Glücksspielbehörde Spelinspektionen (Seite auf Schwedisch) hervor.

 

Nach Einschätzung des Nationalen Verbands der Spielsüchtigen (Spelberoendes Riksforbund) werde erst im Herbst 2020 oder im Frühjahr 2021 feststellbar sein, ob die Corona-Krise zu einer Zunahme von Spielsucht geführt habe.

 

Weniger Hilfesuchende bei Stödlinjen und Spelpaus

 

Schon jetzt sei zu beobachten, dass viele Spieler mehr Zeit mit einer größeren Auswahl an Glücksspielen verbrächten. Aufgrund der Absage von Sportveranstaltungen weltweit seien viele Spieler von Sportwetten auf andere Glücksspielformen ausgewichen, so der Verband.

 

Das schwedische Glücksspiel-Hilfstelefon, Stödlinjen, habe im Mai währenddessen weniger Anrufe von Hilfesuchenden erhalten. Insbesondere für den Bereich Sportwetten hätten weniger Menschen Hilfe gesucht.

 

Auch die Zahl derjenigen Spieler, die sich für das schwedische Selbstauschluss-Programm Spelpaus registriert hätten, sei im Juli geringer angestiegen als in der Zeit vor der Pandemie (von 52.026 im Juni auf 53.122 im Juli).

 

Die Median-Ergebnisse des Selbsttests des Hilfsangebots, mit dem Spieler ihren Problem Gambling Severity Index (PGSI) ermitteln können, hätten sich seit Beginn der Pandemie jedoch nicht verändert.

 

Glücksspielbranche unterschiedlich von Corona-Auswirkungen betroffen

 

Neben den Erkenntnissen zu problematischem Spielverhalten in Schweden zeige der Halbjahres-Bericht der Behörde auf, wie die verschiedenen Glücksspiel-Sparten unterschiedlich von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen seien.

 

Die Umsätze aus Online-Glücksspiel hätten im Mai demnach um 6 % höher gelegen als im Vorjahr. Im April seien die Umsätze um 3 % im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Diese Zahlen seien vor allem dem Pferdewetten-Anbieter AB Trav och Galopp (ATG) zuzuschreiben.

Der Pferdewetten-Sektor sei kaum von den Auswirkungen der Pandemie betroffen gewesen, da Pferderennen weiterhin stattfinden durften und Pferdewetten von den temporären Einsatzlimits ausgeschlossen waren.

Der schwedische Glücksspielanbieter Svenska Spel habe im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 9,6 % auf 3,7 Milliarden SEK (rund 358,4 Millionen Euro) erlebt. Die Umsätze des Lotto-Angebots Tur seien dabei um 3,8 % gestiegen, während Sportwetten und Casinospiele um 17,2 % eingebrochen seien.

 

Durch das Angebot neuer Online-Spiele und digitaler Lotto-Spiele habe sich der Anbieter während der Pandemie dennoch behaupten können, so Svenska Spel-Chef Patrik Hofbauer:

Trotz der Tatsache, dass Covid-19 in vielerlei Hinsicht einen signifikanten Einfluss hatte und trotz der Tatsache, dass [die Pandemie] noch nicht vorbei ist, sieht die Zukunft besser aus.

Das Unternehmen habe die Auswirkungen der Pandemie gut bewältigt und befinde sich wieder auf dem Weg nach oben, so Hofbauer.