, 12.06.2021

Die International Betting Integrity Association (IBIA) hat in einer neuen umfangreichen Marktanalyse [Seite auf Englisch] die weltweit attraktivsten Märkte für Sportwetten-Anbieter gekürt. Deutschland befindet sich dem Wettverband zufolge auf Platz 11 und damit im mittleren Bereich.

 

Für den Vergleich der verschiedenen Märkte wurden fünf Kategorien bestimmt und geprüft. Ausschlaggebend waren mit absteigender Wichtigkeit die Faktoren Regulierung, Besteuerung, Produktauswahl, Integrität und Werbung.

 

Deutschland: 76 von 100 Punkten

Am besten schnitt Deutschland in der Sparte Regulierung ab und erhielt 25 der möglichen 30 Punkte. Punkten konnte der deutsche Markt vor allem damit, dass es keinerlei Limits in Bezug auf die Vergabe von Sportwetten-Lizenzen gibt. Die IBIA hob dabei vor allem die den Anbietern entgegenkommende Übergangsphase für Online-Buchmacher seit Anfang 2020 hervor.

Am nächsten heran an die Bezeichnung Glücksspiel-Paradies kommt laut der IBIA-Liste Großbritannien. Das Land erhielt 91 von 100 möglichen Punkten und überzeugte den Verband vor allem mit der nahezu unbegrenzten Produktauswahl sowie der erfolgreichen Bewahrung der Integrität. Die restliche Top 10 bestritten Malta (89 Punkte), Dänemark (86 Punkte), der US-Bundesstaat Nevada (86 Punkte), Schweden (93 Punkte), der US-Bundesstaat New Jersey (82 Punkte), Spanien (79 Punkte), Italien (77 Punkte) und die Niederlande (77 Punkte).

Die Lizenzgebühren in Deutschland seien zudem mit 0,6 bis 2 % des Gesamtumsatzes verhältnismäßig gering. Was jedoch andere Kosten für die Anbieter anbelangt, scheint Deutschland deutlich weniger attraktiv zu sein als andere Märkte. Für den Bereich Besteuerung vergab die IBIA nur 11 von möglichen 20 Punkten.

 

Nicht nur müssten die Buchmacher eine 5 %-Steuer auf ihre Umsätze zahlen, sondern auch mehrere zusätzliche Steuern: 15 % gingen an den Bund, 30 – 33 % an die Gemeinde und 19 % entfielen auf die Mehrwertsteuer.

 

Während Deutschland in puncto Integrität mit 13 von 15 Punkten gut abschnitt, kritisierte die IBIA den Bereich der Produktvielfalt. Nur 14 von möglichen 20 Punkten wurden vergeben, weil Live-Wetten begrenzt, Pool-Wetten nur bei Pferdewetten erlaubt und Wettbörsen und Wetten auf nicht sportliche Events verboten sind.

 

Was müsste Deutschland anders machen?

Der ideale Markt für Sportwetten-Anbieter stützt sich laut der IBIA auf 10 „Pfeiler“. Einige von diesen lassen sich mit der derzeitigen deutschen Gesetzgebung nicht vereinbaren. Um das Utopia der Sportwetten zu werden, muss ein Land demnach:

  • landbasierte und Online-Sportwetten anbieten
  • einen Steuersatz von 15 – 20 % auf die Bruttoeinnahmen festlegen
  • auf umständliche zusätzliche Steuern verzichten
  • keine Obergrenze für Sportwetten-Lizenzen haben
  • Wetten mit fester Quote und Pool-Wetten erlauben
  • auf Restriktionen bei der Art von Wetten verzichten
  • Wetten strikt, aber realistisch regulieren
  • die Integrität von Sportwetten überwachen und protokollieren
  • Werbung und Sponsoring mäßigen, aber nicht zu stark einschränken

Während Deutschland somit im Sportwetten-Bereich durchaus Potenzial zu haben scheint, bleibt offen, wie gut es in Bezug auf andere Glücksspiele abschneiden würde. Gemäß den Vorstellungen der IBIA kommt es dabei vor allem auf die richtige Balance aus Attraktivität und Integrität an.

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