Dienstag, 28. Juni 2022

Insiderbericht: Verlieren Wettbüros ihren schlechten Ruf?

Tresen

Im zweiten Teil seiner exklusiven Reportage hat ein Insider der BILD-Zeitung am Montag weitere Einblicke in die Sportwetten-Branche gewährt. Der frühere Besitzer mehrerer Wettbüros in Deutschland berichtete, wie viel der Einstieg in das Wettgeschäft kostet und warum die Branche zunehmend ihren negativen Ruf verliert.

Der Insider erzählte im ersten Teil seines Exklusiv-Berichts, dass im Jahre 2005 eine Investition von rund 10.000 Euro ausgereicht habe, um ein Wettbüro zu eröffnen. Dies sei heute anders.

Da die Ansprüche der Kunden gestiegen und die Auflagen heutzutage strenger seien, müssten rund 100.000 Euro in ein neues Wettbüro investiert werden. Die Höhe der Investitionen hänge beispielsweise davon ab, mit welchem Anbieter kooperiert werde.

Tipico ist Marktführer in Deutschland und Österreich

Marktführer mit rund 1.000 Standorten in Deutschland und Österreich sei der Glücksspiel- und Sportwetten-Anbieter Tipico, gefolgt von tipwin mit etwa 400 Wettbüros. Weitere führenden Betreiber seien bet3000, tipobet und tipster. Die meisten Wettbüros gebe es derzeit im Ostteil Berlins und im Ruhrgebiet.

Der Investitionsbetrag richte sich zudem danach, an welchem Standort das Geschäft eröffnet werden solle und ob es bestimme Vorschriften gebe, zum Beispiel der Einbau einer Lüftungsanlage.

Von der verrauchten Spelunke zum Treffpunkt für junge Menschen

In der Branche habe sich im Laufe der Zeit viel geändert, so der Insider. Wettbüros seien früher verraucht gewesen und es sei Alkohol ausgeschenkt worden. Dies habe auf viele Menschen abschreckend gewirkt. Heute böten die Locations ein anderes und vor allem sauberes Bild.

Zudem seien Sportwetten viel breiter aufgestellt. Früher sei viel auf Pferderennen gesetzt worden. Doch diese Kunden seien im Laufe der Zeit „weggestorben“, unter anderem, weil sie keinen besonders gesunden Lebensstil gepflegt hätten.

Das waren Leute, die eher wenig soziale Kontakte außerhalb hatten. Sie hatten zwar einen Job, aber eben kein soziales Umfeld und haben im Pferdewetten-Büro ihren Abend verbracht. Das kann man jetzt bewerten wie man will, aber da war die Wettbude der soziale Treffpunkt.

Auch habe sich die Klientel geändert. Jugendliche hätten kaum mehr Berührungsängste. Sie besuchten das Wettbüro, gäben am Automaten ihren Tipp ab und verließen den Laden, ohne sich lange dort aufzuhalten.