, July 17, 2019

In Großbritannien wird momentan überlegt, das Mindestalter für Rubbellose und weitere Lotterien von 16 auf 18 Jahre anzuheben. Auf diese Weise will die Regierung den Jugendschutz beim Glücksspiel verstärken.

 

Derzeit dürfen Jugendliche bereits mit 16 Jahren Lose in Geschäften oder online kaufen sowie an vergleichbaren Glücksspielen teilnehmen, bei denen ein Sofortgewinn in Geldform lockt. An dieser Regelung stößt sich Mims Davies, die zuständige Staatssekretärin für Digitales, Kultur, Medien und Sport, in deren Bereich auch das Glücksspiel fällt.

 

Mims Davies moniert, dass durch das niedrige Alterslimit die besonders anfälligen Minderjährigen in zu hohem Maße den Gefahren des Glücksspiels ausgesetzt seien. Deshalb gab ihr Ministerium gestern bekannt, dass es untersuchen will, inwieweit eine Anhebung des Mindestalters bei Rubbellosen und anderen Lotterien [Seite auf Englisch] möglich ist.

Ein Ansatzpunkt für die Neuregelung wäre die anstehende Neuvergabe der Lottolizenz in Großbritannien. Die existierende Konzession war 2009 für 10 Jahre an den Anbieter Camelot vergeben worden. In diesem Zusammenhang werden derzeit drei mögliche Szenarien diskutiert:

  • Das Mindestalter für sämtliche Lotteriespiele beibehalten
  • Das Mindestalter für Rubbellose und andere Spiele mit Sofortgewinn auf 18 Jahre anheben
  • Das Mindestalter für sämtliche Lotteriespiele auf 18 Jahre anheben

Das Ministerium will die drei Optionen bis zum 8. Oktober bewerten und dabei die Meinung anderer Experten in die Entscheidung ebenfalls miteinbeziehen.

Ist die Split-Lösung der Favorit?

Staatssekretärin Mims Davies verhehlt nicht, dass sie die zweite Variante favorisiert. Gegenüber Medienvertretern sagte sie Anfang der Woche:

Meine Meinung basiert auf den bisher ausgewerteten Belegen, nach denen eine geteilte Lösung der beste Ansatz sein könnte. Dies berücksichtigt, dass der mit dem Spiel der National Lottery in Verbindung gebrachte Schaden der niedrigste unter allen Glücksspielarten ist.

Gleichzeitig wies sie auf das höhere Risiko der Rubbellose hin:

Aber wir wissen, dass das Schadenrisiko bei Sofortgewinnspielen etwas höher ist, als es bei auf Ziehungen basierenden Spielen wie Lotto der Fall ist.

Die Meinung von Mims Davies erhält auch Zuspruch von der Opposition. So sagte die Labour-Abgeordnete Carolyn Harris dem TV-Sender Sky News, dass die Rubbellose das Spielen “normalisierten” und deshalb ein Problem für viele Spieler seien.

 

Über ein Verbot wird schon länger debattiert

Logo National Lottery

Logo der National Lottery (Bild: national-lottery.co.uk)

Die Diskussion über ein Verbot der Rubbellose für Minderjährige ist in Großbritannien nicht neu. Schon länger fordern Spielschutz-Organisationen und Politiker diverser Parteien, das Mindestalter für das beliebte Glücksspiel anzuheben.

 

Dieser Schritt würde die Veranstalter der National Lottery empfindlich treffen. So hat die britische Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission (UKGC) in Studien ermittelt, dass annähernd 15 % aller 11- bis 16-jährigen Jugendlichen mindestens einmal pro Woche Rubbellose kaufen.

 

Damit wären die Lose bei dieser Zielgruppe neben den Arcaden-Spielautomaten die beliebteste Glücksspielart, bei der sie echtes Geld einsetzen. Dass in Großbritannien eine große Anzahl Minderjähriger regelmäßig um Geld spielt, zeigt eine weitere Untersuchung der UKGC. Demnach zocken rund 450.000 Jugendliche mehrmals im Monat um Geld. Über 10 % von ihnen weisen demnach bereits ein problematisches Glücksspielverhalten auf.

 

Dass ein hoher Gewinn nicht nur vorteilhaft für die Heranwachsenden ist, zeigt das Beispiel von Callie Rogers. Sie war 2003 mit damals 16 Jahren die jüngste Lotto Jackpot-Gewinnerin und litt anschießend trotz der gewonnenen 1,9 Millionen Pfund Sterling an Depressionen, in deren Folge sie in die Alkohol- und Drogensucht abglitt.

 

Zehn Jahre später sagte Callie Rogers zu dem Gewinn:

Auch wenn du sagst, dass sich sein Leben nicht ändern wird, dies wird geschehen.. Und das oft nicht zum Besseren.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass das angestrebte Verbot mit der hohen Anfälligkeit von Jugendlichen für die Reize des Glücksspiels begründet wird. Andere Staaten sind in diesem Punkt schon einen Schritt weiter. So regelt in Deutschland der Glücksspielstaatsvertrag den Jugendschutz äußerst streng: Lottoscheine und Rubbellose dürfen grundsätzlich erst mit 18 Jahren gekauft werden.

 

Doch auch in Großbritannien werden die Forderungen nach einem besseren Jugendschutz und für wirksame Maßnahmen zur Begrenzung des Glücksspiels immer lauter. Es ist deshalb gut möglich, dass Minderjährigen der Zugang zu Rubbellosen und anderen Spielen der National Lottery künftig gesetzlich versperrt wird.