, 01.09.2018

Sportwetten sind bei Profi-Sportlern besonders beliebt. Aber dürfen sie überhaupt wetten, um Befangenheit im Spiel und gezielte Spielmanipulation zu verhindern?

 

Sportler haben einen Hang zum Glücksspiel

Michael Jordan, Wayne Rooney, Didi Hamann, Ulrich Borowka, die Liste der Profisportler mit einer bekanntgewordenen hohen Affinität zum Glücksspiel ist lang.

 

Der ehemalige St.Pauli Profi Rene Schnitzler schreibt in seinem Buch „Zockerliga“ ganz offen darüber, welch ein Wett-Wahn unter den Fußball-Profis in Deutschland besteht. Der ehemalige deutsche Nationalspieler und Trainer Ulrich Borowka schreibt in seinem Buch über die jungen Profis:

„Gewettet wird in der Kabine, auch auf Reisen. Ständig haben die Profis ihr Smartphone am Start und können eigentlich überall zocken. Ob beim Online-Poker oder bei Sportwetten. Überall werden Sie ihr Geld los.“

Warum haben Sportler eine hohe Affinität zum Glücksspiel?

 

„Eine Triebfeder des Wettens besteht in der Sportbegeisterung, die damit einhergehende
Herausforderung und Emotionalität, verbunden mit der hohen Ereignisfrequenz bei bestimmten Wettformen. Dazu kommt, dass die Einsatz- und Gewinnmöglichkeiten variabel

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Wer selbst aus dem Sport kommt, hält sich oft für einen Wett-Experten. Bildquelle: dfb.de

und die Spiele leicht verfügbar sind. Das sind Emotionen pur, die will man wieder erleben“, sagt der Diplom-Psychologe Dr. Tobias Hayer von der Universität Bremen.

 

Auch der Fakt, dass die Spieler selbst aus dem jeweiligen Sport stammen, sich daher für Experten halten, lasse Spieler vermehrt wetten. Dies sei ein verbreiteter Irrtum. Eine Studie, die Experten, Amateure und Laien auf Spielausgänge bei der Europameisterschaft 2008 hatte wetten lassen, zeige zweifelsfrei, dass man Experten-Wissen nicht zu Geld machen könne. Mehr dazu auch in unserem Artikel über Flüchtlinge und Sportwetten.

 

Fußballer wetten besonders gerne auf Fußball. Dürfen Sie das?

„Kommt ganz darauf an wo“, antwortet der Anwalt für Sportrecht Christoph Wolf. „In England nein, da geht das nicht mehr, in Deutschland prinzipiell erst einmal ja, wobei sie hier sehr gut aufpassen müssen, worauf sie wetten.“

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In manchen Ländern dürfen Sportler wetten, in anderen nicht. Bildquelle: dfb.de

Seit 1. August 2014 gibt es in Großbritannien den sogenannten Sportwettenbann.

 

Er besagt, dass alle Personen mit Beziehungen zu Mannschaften in der Premier League, der Football League, der National League, der Women’s Super League, der Northern, Southern und Isthmian Leagues und allen weiteren Ligen von Sportwetten ausgeschlossen sind.

Diese Personen, also Spieler, Schiedsrichter, Trainer, Teamverantwortliche, Manager und ähnliche Mitarbeiter dürfen auf kein Fußballspiel, egal wo dieses in der Welt stattfindet, wetten.

 

Das Verbot gilt nicht nur für den Ausgang der Spiele, sondern auch für Wetten, die in Zusammenhang mit den Spielen stehen. Dies können zum Beispiel Wetten auf Spielertransfers, Mannschaftsaufstellungen oder Personal in der Führungsriege der Vereine sein. Außerdem dürfen die Spieler keine Informationen weitergeben, die für Wettzwecke verwendet werden könnten.

 

In Deutschland ist das Wetten von Profis erlaubt

In Deutschland gibt es dieses Verbot nicht. Sportwetten sind für Spieler völlig legal. Allerdings verbieten zum Teil die Verbände ihren Athleten das Wetten auf die jeweiligen Partien. So untersagt der DFB, der Deutsche Fußball Bund, seinen Spielern zum Beispiel das Wetten auf die Spiele seines Vereins oder seiner Spielklasse. Dasselbe gilt für den Nachwuchs der Vereine. Talentierte Spieler der Jugendmannschaften erhalten Förderverträge, die dieselben Paragraphen enthalten.

 

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Das Internet bietet eine erhöhte Anonymität zum Wetten. Bildquelle: caspoint.de

„Willkürliches Tippen auf die eigenen Spiele wäre den Spielern sowieso nicht zu raten, selbst wenn es Ihnen der Verband nicht untersagt“, sagt Wolf.

 

„Seit dem 19. April 2017 gibt es in Deutschland den Straftatbestand des Sportwettbetrugs. Sportler, Trainer und Schiedsrichter müssen mit bis zu drei, in schweren Fällen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe rechnen, wenn sie Wettkampfergebnisse zugunsten eines Wettbewerbsgegners und zur Erlangung von Vorteilen beeinflussen.“

 

Das habe zur Folge, dass man sich schnell verdächtig machen könne, wenn man auf ein Spiel tippe, mit dem man in Zusammenhang stehe. Selbst der geringste Verdacht könne tiefgreifende Schäden am Image des Sportlers verursachen. Um dies zu verhindern, verbieten die Verbände ihren Spielern die jeweiligen Wetten.

 

Doch nicht immer ist Sportlern klar, was sie nun eigentlich dürfen und was nicht. Um diese Unsicherheiten für Sportler aus dem Weg zu räumen, hat die Organisation EU Athletes [Seite auf Englisch] in Kooperation mit einigen anderen Institutionen einen Leitfaden für Sportler zur Thematik herausgegeben. Er ist etwas strikter als das deutsche Gesetzeswerk, aber wenn die Athleten sich daran halten, können sie sich auf der sicheren Seite wähnen.

Die Kernpunkte des Leitfadens sind:

 

1. Die Sportler sollen sich mit den Regeln vertraut machen, sprich darüber informieren, wie die jeweiligen Regeln für Sportwetten in Ihrer Sportart und Ihrem Land sind.

 

2. Die Sportler sollen grundsätzlich niemals Wetten über Spiele abschließen, an denen Sie oder Ihre Mannschaft beteiligt sind.

 

3. Die Sportler sollen grundsätzlich nicht auf Ihre eigene Sportart wetten – Auch Wetten auf Spiele in Ihrer Sportart, an denen die Sportler nicht selbst teilnehmen, können regelwidrig sein, da davon auszugehen ist, dass die Athleten mit vielen Sportlern Ihrer Sportart bekannt oder befreundet sind. Daher ist ein grundsätzlicher Verzicht empfehlenswert.

 

4. Die Sportler sollen achtsam mit vertraulichen Informationen umgehen, denn sie verfügen über Informationen, die der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich sind – zum Beispiel dass der Star Ihrer Mannschaft verletzt ist oder der Trainer einen angeschlagenen Mittelfeldspieler einsetzt. Dieses Wissen wird als vertrauliche oder Insider-Informationen angesehen und kann wertvoll für den Abschluss von Wetten sein.

 

5. Spielmanipulation ist ein absolutes Tabu – Sportler sollten nie, aus welchem Grund auch immer, den Spielverlauf in irgendeiner Weise zu beeinflussen.

 

6. Die Spieler sollten Alarm schlagen, wenn sie unlautere Angebote erhalten – sprich sollte jemand mit dem Angebot an sie herantreten, ein Spiel oder Teile eines Spiels zu manipulieren, kontaktieren Sie unverzüglich Ihr Team und/oder Ihren Verband. Dasselbe gilt dann, wenn Ihnen jemand für Insider-Informationen Geld oder sonstiges Entgelt anbietet.

 

Welches er für die bessere Lösung hält, darauf möchte Wolf sich nicht festlegen.

 

„ Aber mit der Zunahme der Sportwettenangebote und der damit in Zusammenhang stehenden Anonymität der Bietenden, kann es durchaus sein, dass in den nächsten Jahren der Ruf nach einer ähnlichen Gesetzesregelung wie in England auch in Deutschland laut werden wird.“

 

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