, December 22, 2015

 

Englischer Buchmacher William Hill

Die FOBTs gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen der britischen Buchmacher! (Bildquelle: Wikipedia.org)

In Großbritannien tobt schon seit längerer Zeit ein Streit um die sogenannten „Fixed-odds betting terminals“, kurz FOBTs, die seit 1999 in vielen britischen Wettbüros zu finden sind. In Deutschland kennt man die FOBTs als Videospielautomaten, auf denen Glücksspiele wie Roulette, Bingo, virtuelle Pferderennen, Videopoker oder Slots gezockt werden können. Die FOBTs sind britischen Politikern und Suchtbekämpfungsorganisationen schon seit längerem ein Dorn im Auge, da sie besonders die Spielsucht fördern sowie Spieler finanziell und sozial komplett ruinieren können. Das Labour-Parlamentsmitglied Brian Donohue verglich sie sogar mit der Droge Kokain. Nun kam von der Stadtverwaltung des Londoner Stadtteils Newham der erneute Gesetzesvorschlag, dass die Maximal-Einsätze an den FOBTs von 100 Pfund auf 2 Pfund pro Dreh begrenzt werden sollen.

Antrag vom Juli 2015 wurde abgelehnt

Die FOBTs hätten der lokalen Wirtschaft im Bezirk Newham das Blut ausgesaugt, behaupten Vertreter der Stadtverwaltung. Schon im Juli 2015 hatte Newham einen Antrag auf Reduzierung des Einsatzmaximums pro Dreh eingereicht. Damals war der Antrag aber abgelehnt worden. Nun der nächste Versuch. 25 Prozent der englischen Regierungsbehörden sollen den Vorschlag inzwischen unterstützen. Newham kämpft so sehr gegen die FOBTs, da die Dichte an Wettbüros in dem Stadtteil höher als sonst irgendwo in Großbritannien ist. Alleine in der Newhamer High Street befinden sich 18 Wettbüros. Jedes Wettbüro darf bis zu vier FOBTs aufstellen.

Die Vereinigung der britischen Buchmacher versteht natürlich nicht, warum wieder Zeit und Geld für einen Antrag verschwendet werden soll, der schon einmal abgeschmettert wurde. Warum solle dieses Mal ein anderes Ergebnis herauskommen? Beim ersten Versuch argumentierten die Antragsteller, dass das Gesetz zum Wohle der Nachhaltigkeit des Gemeinwesens geändert werden müsse. Die Wettbüros mit den Spielautomaten seien schlecht für die Wirtschaft eines Stadtteils wie Newham. Vor dem neuen Antrag gab es nun wohl Gespräche der Stadtverwaltung Newham mit der Local Government Association (LGA), der Kommunalverwaltung, die inzwischen auch der Meinung ist, dass die Regierung ihre damalige Entscheidung noch einmal überdenken sollte. Dazu sollen in den nächsten sechs Monaten Gespräche zwischen der Regierung und der LGA stattfinden.

1,6 Milliarden Pfund Gewinn pro Jahr

Für die Buchmacher wäre die Einsatz-Beschränkung auf maximal 2 Pfund pro Dreh ein harter Schlag. Durch die FOBTs machen die Buchmacher jährlich etwa einen Gewinn von 1,6 Milliarden Pfund. Vor drei Jahren lag der Gewinn noch bei 1,3 Milliarden Pfund. Aktuell gibt es im Vereinigten Königreich knapp 35.000 FOBTs in den zahlreichen Wettbüros. Der maximale Gewinn pro Spiel an einem solchen Automaten liegt bei 500 Pfund.

Laut der Stadtverwaltung von Newham können Spieler an solchen Automaten alle 20 Sekunden 100 Pfund, also in einer Stunde bis zu 18.000 Pfund verlieren. Zu Beginn des Jahres gab es schon eine Gesetzesnovellierung, die besagte, dass jeder Spieler, der an den FOBTs mehr als 50 Pfund setzen möchte, dies bei dem Personal des Wettbüros beantragen müsse oder ein offizielles Konto bei dem Buchmacher anlegen müsse. Dadurch sollte das Personal das Spielverhalten und eventuelle Anzeichen von Spielsucht besser beobachten können. Auch müssen Kunden beim Spiel dieser Automaten inzwischen Zwangspausen einlegen und werden durch regelmäßig auftauchende Mitteilungen auf dem Bildschirm vor zu großen Verlusten gewarnt. Ein Sprecher der Regierung bestätigte, dass man die Wirksamkeit der Gesetzesänderung weiterhin verfolge und wenn nötig, auch weitere Maßnahmen ergreifen werde.

Bürgermeister Sir Robin Wales kämpft weiter

Der Bürgermeister von Newham, Sir Robin Wales, ist aber noch längst nicht zufrieden. Die unzureichenden Gesetze hätten in seinem Stadtteil zu einem verstärkten Aufkommen von Buchmachern geführt. Inzwischen gibt es 83 Wettbüros allein im Londoner Stadtteil Newham.

„Nur wenn wir die Gewinne durch die FOBTs reduzieren, werden die Buchmacher gezwungen, sich Gedanken über die große Anzahl ihrer Wettbüros zu machen. Die Regierung muss jetzt hinhören. Sie darf nicht die Anliegen von 93 Räten, die 23 Mio. Menschen repräsentieren, vernachlässigen“, bekräftigte Wales.

Ein Sprecher der Vereinigung der britischen Buchmacher sieht den Fall natürlich ganz anders: „Die Regierung hat in diesem Fall erst vor sechs Monaten eine Entscheidung gefällt. Sie hat betont, dass die Behörden vor Ort ausreichende Befugnisse haben, um selbst die Anzahl der Wettbüros im Griff zu behalten. Die Vereinigung der britischen Buchmacher und ihre Mitglieder werden aber weiterhin mit den lokalen Behörden und der LGA an der Entwicklung wichtiger Zukunftsinitiativen für die lokale Wirtschaft in Stadtteilen wie Newham arbeiten.“ Von der LGA gab es nur zu hören, dass man sich auf die Gespräche mit der Regierung zu diesem Thema freue, die im nächsten Jahr beginnen sollen.