, 23.11.2018

Irische Buchmacher können aufatmen – wenn auch nur momentan. Denn der Plan von Finanzminister Paschal Donohoe, die Wettsteuer auf Sportwetten von 1 % auf zwei 2 % zu erhöhen und damit 50 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinahmen zu generieren, wurde zwischenzeitlich ausgesetzt.

Irische Flagge

Wettanbieter fühlen sich unter irischer Flagge gerade unwohl. (Quelle: Wikipedia)

 

Grund ist eine neu in Auftrag gegebene Studie, die vorläufig prognostizieren soll, wie sich das Besteuerungsvorhaben auf die Sportwettenindustrie auswirken könnte.

 

Beobachter gehen nicht davon aus, dass der Report vor dem 1.1.2019, dem eigentlichen Datum der Steuererhöhung, abgeschlossen sein wird.

 

Eine Steuererhöhung verunsichert den irischen Wettmarkt

 

Das Vorhaben der Regierungspartei Fine Gael verunsichert schon seit Anfang Oktober die irischen Wettbetreiber. Die Irish Bookmakers Association (IBA) sieht die drohende Verdopplung der Wettsteuer, die auf jede Einzelwette erhoben wird, als einen existenziellen Angriff auf die Branche.

 

Gegenüber dem Irish Examiner (Seite auf Englisch) bewertete die Sprecherin der IBA, Sharon Byrne, die Auswirkungen auf Wettbüros als verheerend:

„Die ganze Branche ist bis ins Mark erschüttert. Wir haben 450 Wettbüros in den letzten acht Jahren verloren, und jetzt, wo eine Stabilisierung eintrat, wird diese durch die Verdoppelung der Steuer zunichte gemacht (…). Es gibt derzeit in ganz Irland nur noch 850 Wettbüros, von denen mindestens 300 schließen werden. Es gibt viele Haushalte, Familiengeschäfte und Menschen, die ihr ganzes Leben für ihr Wettbüro gegeben haben und jetzt ihre Arbeit verlieren.“

Nicht nur kleine Wettbüros sind betroffen

 

 Paschal Donohoe

Finanzminister Paschal Donohoe im Jahre 2012. (Quelle: Wikipedia)

Doch nicht nur die kleinen Wettbüros wären von der Steuererhöhung betroffen. Auch große Sportwettenbetreiber wie Tully Bookmakers, eines der umsatzstärksten Branchenunternehmen Irlands, befürchten die Auswirkungen, die die neue Steuer haben könnte.

 

Paul Tully, Chef des Sportwettenbetreibers, sieht durch den Vorstoß die gesamte Industrie in Gefahr. Wettbüros seien schlichtweg nicht mehr rentabel, sollte die Steuer verdoppelt werden.

 

Der Buchmacher rechne damit, dass allein seine Firma nach der Erhöhung der Steuer 18 Wettbüros schließen und 70 Mitarbeiter entlassen müsse.

 

Der englische Traditionsbuchmacher Ladbrokes, der bereits seit den 1980er-Jahren in Irland operiert, kündigte unterdessen an, acht Wettbüros auf Pferderennstrecken schließen zu wollen, sollte die Steuererhöhung eintreten.

 

In den letzten drei Jahren hatte das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen ohnehin schon 60 seiner irischen Wettbüros geschlossen.

 

Die Angst nötigt zum Handeln

Die Angst der Wettbürobetreiber ist seit der Ankündigung der Steuererhöhung in Aktionismus gemündet. So wurde letzte Woche über die IBA ein alternativer Steuerplan an die irischen Parlamentarier gereicht, der eine Besteuerung von 10 % auf alle Bruttoeinnahme der landbasierten Buchmacher und 20 % auf die der Online-Buchmacher vorsieht.

 

Die IBA geht davon aus, dass der Staat dadurch mehr als die angepeilten 50 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen verdienen könnte. Der Plan, der auch von Oppositionspolitikern unterstützt wird, soll nun vom Finanzministerium geprüft und abschließend beurteilt werden.

 

Sollten die Buchmacher die Prüfer mit ihrem Vorschlag nicht überzeugen können, wäre der Entschluss des Finanzministeriums unter Führung von Paschal Donohoe wohl kaum noch abzuwenden.

Ladbrokes

Ist ein britischer Buchmacher mit Sitz in London. Das Unternehmen wurde im Jahre 1886 gegründet und ist seit 1967 an der Londoner Börse vertreten. Ladbrokes bietet traditionell Wetten auf Pferderennen, Hunderennen und Sportwetten an. Mittlerweile offeriert das Unternehmen aber auch Wetten im Internet, ein Online-Casino und Online-Poker.

Beschwerden auf hohem Niveau

 

Auch wenn die existenziellen Sorgen der irischen Wettanbieter ernst genommen werden müssen, bleibt darauf hinzuweisen, dass das irische Steuersystem die Unternehmen in den letzten Jahrzehnten durchaus geschont hat.

 

Ladbrokes

Ladbrokes zieht sicher immer stärker aus Irland zurück. (Quelle: David Hawgood, Creative Commons)

So sind die Wettsteuern seit dem Jahre 1986 kontinuierlich gefallen. Während 1986 noch üppige 20 % Wettsteuer erhoben wurden, waren es im Jahre 1999 nur noch 10 %. Bis zum Jahre 2002 fiel die Steuerrate sogar auf 5 %, nur um bis 2006 weiter auf 2 % zu sinken. Die derzeitige Wettsteuer in Höhe von 1 % stellt somit eine historische Mindestgröße dar.

 

Im europäischen Vergleich kann sich eine Wettsteuer in Höhe von 1 % durchaus sehen lassen. So lag die Wettsteuer nach Angaben des irischen Finanzministeriums im Jahre 2016 in Frankreich bei 15.5 %, in Spanien bei 12 %, in Polen bei 10 % und in Deutschland immerhin bei 5 %. In Großbritannien wird seit 2001 keine Wettsteuer mehr verlangt, dafür aber eine Bruttoumsatzsteuer von bis zu 25 %.

 

Hinzu kam, dass nach Verabschiedung der EU-Richtlinie 2006/1122/EC, alle Mitgliedsstaaten der EU selbstständig entscheiden durften, für welche Formen des Glücksspiels Umsatzsteuerbefreiungen erteilt werden.

 

In Irland wurde der Sportwetten-Sektor von der Umsatzsteuer befreit, sodass die Anbieter über Jahre hinweg hohe Profite erzielen konnten. Irische Betreiber von Spielautomaten kamen nicht in den Genuss einer vorzughaften Behandlung.

 

Ob die irische Politik den Forderungen der Wettbranche trotzdem nachgeben wird, wird sich letztlich wahrscheinlich erst dann entscheiden, wenn die in Auftrag gegebenen Einflussstudie vorliegt.

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