, 05.09.2017

Der Abgeordnete Philip Davies bei einer Veranstaltung

Philip Davies von der Conservative Party hat im letzten Jahr 15 Zuwendungen von Ladbrokes Coral erhalten. (Bildquelle)

Britische Parlamentarier haben im letzten Jahr vermehrt Zuwendungen von Glücksspielunternehmen erhalten. Dies zeigt das „Register of Members’ Interests“, ein jährlicher Bericht über Werbegeschenke, Spenden und andere finanzielle oder materielle Vorteile, von denen Abgeordnete in Großbritannien profitieren. Ab einem Wert von 300 Pfund aufwärts pro Jahr sind die „Members of Parliament“ (MPs) verpflichtet offenzulegen, welche Geschenke sie angenommen haben. Auf der Liste der Spender belegen die britischen Glücksspielunternehmen die vorderen Plätze. In insgesamt 58 von 187 Fällen nahmen Parlamentarier Zuwendungen von Sportfirmen entgegen, weitere 19 stammen von Buchmachern. Ladbrokes Coral zeichnet für 15 der 19 Spenden verantwortlich, die sich ausschließlich an vier Abgeordnete gerichtet haben. Mit einem Gesamtwert von 7.475 Pfund liegt der Buchmacher jedoch nur auf dem 7. Rang verglichen mit Gönnern aus anderen Branchen.

 

Pferderennen, Fußballspiele und Galadinner

Wie aus dem Register of Members’ Interests für dieses Jahr hervorgeht, befinden sich unter den Zuwendungen vor allem Einladungen zu Sportveranstaltungen. In der Liste finden sich unter anderem die folgenden Zuwendungen:

 

  • 3 Tickets zum Community Shield im Wembley Stadium im Wert von jeweils 45 Pfund
  • 2 Einladungen zum Ladbrokes Dinner auf dem Parteitag der Conservative Party im Wert von jeweils 100 Pfund
  • 2 Tickets inklusive Bewirtung beim Cheltenham Race im Wert von je 350 Pfund

 

Die Empfänger der Aufmerksamkeiten beschränken sich auf einen Kreis von vier Abgeordneten, darunter Phillip Davies aus Shipley, der Vorsitzende des Glücksspielausschusses der All-Party Parliamentary Group, einer Vereinigung von Politikern verschiedener Parteien. Zu den übrigen Abgeordneten gehören Laurence Robertson aus Tewkesbury, Thérèse Coffey aus dem Wahlkreis Suffolk Coastal sowie Conor McGinn aus St Helens North. Sie bilden als Mitglieder des britischen Unterhauses, dem House of Commons, zusammen mit dem House of Lords und der Queen das Parlament des Vereinigten Königreiches. Der Gesamtwert aller Zuwendungen an die genannten vier Politiker beträgt 7. 475 Pfund und bleibt damit weit hinter den Summen von Gönnern aus anderen Branchen zurück.

 

Ladbrokes und Davies spielen mit offenen Karten

Sowohl Philip Davies als auch Ladbrokes haben auf die Neuigkeiten reagiert und ein Statement veröffentlicht, in dem sie ihr Verhalten als gängige Praxis erklären. Entgegen des Verdachts der unerlaubten Einflussnahme auf die Politik, betonen sowohl Davies als auch Ladbrokes, dass ihre Beziehung zueinander von ehrlichen Motiven geprägt und keineswegs ungewöhnlich sei. Seitens Ladbrokes heißt es:

„Wir beschäftigen über 25.000 Arbeitnehmer, sind in fast jeder Hauptstraße der britischen Wahlkreise vertreten und zahlen rund 55 Millionen Steuern pro Jahr an den britischen Fiskus. Es ist nur selbstverständlich, dass wir den Kontakt zur Politik suchen, denn wir wollen sicherstellen, dass Entscheidungen, die unsere Mitarbeiter betreffen, mit dem nötigen Hintergrundwissen getroffen werden.“

Der begünstigte Philip Davies äußerte sich gegenüber BBC so:

„Ich bin der gewählte Vorsitzende des Glücksspielausschusses der All-Party Parliamentary Group und außerdem selbst ehemaliger Buchmacher. Natürlich treffe ich mich da mit anderen Buchmachern. Es wäre sogar seltsam, wenn ich es nicht täte.“

Der Zeitpunkt der Listenveröffentlichung kommt dennoch denkbar ungelegen. So zeigte die Ende August publizierte Studie „Gambling Behaviour in Great Britain 2015“, dass Spielsucht immer noch ein Problem innerhalb der Bevölkerung darstellt. Hinzu kommt, dass die UK Gambling Commission erst letzte Woche eine Rekordstrafe in Höhe von 7,8 Millionen Pfund gegen 888 Holdings verhängt hat. Grund war der Verstoß gegen Kunden- und Spielerschutzrichtlinien.

Similar Guides On This Topic