, July 10, 2019

Derzeit wird in Irland heiß über eine Reform des Glücksspielgesetzes debattiert. Kritiker bemängeln, dass dadurch die Einsätze an Spielautomaten um das 300-Fache steigen und damit die Spielsuchtgefahr beflügelt werden könnte.

 

Hohe Steigerung bei Einsatz und Gewinn?

Ein Bestandteil der Reform ist die Steigerung der Maximaleinsätze an den knapp 10.000 im Land aufgestellten Spielautomaten. Seit 1956 wurden diese nicht mehr erhöht und liegen noch immer bei niedrigen 3 Cent pro Spiel. Auch die auf 50 Cent je Spiel limitierten Höchstgewinne sind im Verglich zu den Gewinnmöglichkeiten in anderen Ländern verschwindend gering.

 

Deshalb will die Regierung das Limit künftig auf 10 Euro anheben und Höchstgewinne von bis zu 750 Euro erlauben. Doch diese Steigerung um das 300-Fache bei den Einsätzen und sogar 1.500-Fache bei den Gewinnen findet nicht überall Zustimmung. Ganz im Gegenteil, denn Kritiker fürchten, dass die Automaten die im Land ohnehin grassierende Spielsucht verstärken könnten.

Mit einem Umsatz von über 5 Milliarden Euro zählt Irland zu den größten Glücksspielmärkten Europas. Damit gehören die 4,3 Millionen Iren zu den spiel- und wettfreudigsten Menschen in der EU. Die hohen Umsätze haben jedoch eine Schattenseite, denn Schätzungen zufolge leiden 40.000 Iren unter einem spielsüchtigen Verhalten. Dies entspricht etwa 0,9 % der Bevölkerung. Zum Vergleich: In Deutschland sind rund 180.000 Menschen und damit lediglich knapp 0,2 % der Bevölkerung davon betroffen.

Kritiker warnen vor Erfahrungen mit britischen FOBTs

Angesichts einer derart starken Erhöhung warnen Kritiker vor “britischen Verhältnissen”. Dort war es bis Ende März 2019 möglich, an den weit verbreiteten Fixed Odds Betting Terminals (FOBTs) bis zu 100 Pfund Sterling zu setzen. Auf diese Weise konnten Spieler innerhalb einer Stunde Tausende von Pfund setzen und verlieren.

 

Um die negativen finanziellen Auswirkungen zu begrenzen und die Betroffen vor Spielsucht zu schützen, wurden die Höchsteinsätze mit Wirkung zum 1. April 2019 auf lediglich 2 Pfund Sterling begrenzt.

 

Irische Spielschutz-Organisationen und Politiker diverser Parteien laufen gegen die Reformpläne Sturm, da eine Steigerung der Maximaleinsätze an den Automaten zu ähnlich schlechten Erfahrungen wie im Nachbarland führen könne.

 

So erklärte einer der Gegner, der parteiunabhängige Senator David Norris:

Dies sind enorme und große Steigerungen. Von 3 Cent auf 10 Euro ist schon schlimm genug, aber von 50 Cent auf 750 Euro geht weit über das Spiel zum Vergnügen hinaus.

Allerdings betonen die Befürworter, dass im Zuge einer steuerlichen Neureglung des Glücksspiels auch die Bekämpfung von problematischem Spielverhalten finanziell unterstützt würde. So sollen durch die höheren Abgaben jährlich über 100 Millionen Euro für die Unterstützung von Spielsüchtigen und eine bessere Aufklärung über die Gefahren des Glücksspiels bereitgestellt werden.

 

Aktualisierung eines 63 Jahre alten Gesetzes

Hintergrund für die Aktivität der Parlamentarier ist, dass die existierende Glücksspielregelung, die Irish Gambling Control Bill, bereits 63 Jahre alt ist. Da dort moderne Spielformen wie Online Casinos keine Beachtung finden, wurde aus Sicht der verantwortlichen Behörden eine Neufassung nötig.

 

Auch die Einsatzhöhe wird dabei thematisiert. So sagte Justizminister David Stanton, einer der Befürworter der Reform:

Die 1956 festgelegten Einsätze sind inzwischen absolut unrealistisch und müssen den heutigen Zeiten angepasst werden.

Zudem gab er zu bedenken, dass Angebote wie Bingo, Rubbellose und Lotterien inzwischen sehr viel höhere Limits und Gewinne böten. Allerdings zeigte er sich “offen für Diskussionen” über die Höhe des Limits bei den Automaten.

 

Ziel der Verantwortlichen ist, dass das Glücksspiel eine Regulierung erhält, deren Umfang mit der Gesetzgebung im benachbarten Großbritannien vergleichbar ist. Dort bewegen sich die Anbieter in einem engen rechtlichen Korsett und werden von der Kontrollbehörde UK Gambling Commission streng überwacht.

 

Obwohl in Irland bereits seit dem Jahr 2013 über eine neue Regulierung debattiert wird, wurde die Reform noch immer nicht in ein abschließendes Gesetz umgesetzt. Hauptgrund dafür sind die Unstimmigkeiten in Parlament über Details der Regelung.

 

Die nun formulierten Befürchtungen hinsichtlich der gestiegenen Einsatzhöhe dürften den Prozess weiter verzögern. Einer Regelung, die die Spielsucht fördern könnte, werden sicherlich die wenigsten Parlamentarier zustimmen wollen.

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