Montag, 03. Oktober 2022

Schweden plant erneute Corona-Regeln für Online-Casinos

Schwedische Kronen Geldscheine Schweden berät über die Wiedereinführung von wöchentlichen Einsatzlimits für Online-Casinos (Quelle:pixabay.com/ChristiohMeinersmann)

Schweden erwägt die erneute Einrichtung eines wöchentlichen Einzahlungslimits für Online-Casinos. Die Maßnahme solle den besonderen Ansprüchen an den Spielerschutz während des aktuellen Pandemiegeschehens gerecht werden, so Ardalan Shekabari, Schwedens Minister für Sozialversicherung, in einem gestern veröffentlichten Statement. Der Vorschlag werde aktuell in einem Konsultationsverfahren geprüft und könnte im Februar in Kraft treten.

Einzahlungslimit für Online-Casinos noch niedriger

Vor dem Hintergrund der um sich greifenden Omikron-Variante hat Schweden bereits am 23. Dezember COVID-Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen verschärft. Nun sollen auch die erst vor wenigen Wochen fallengelassenen Corona-Vorgaben fürs Online-Glücksspiel wieder aufgenommen werden.

Vom 2. Juli 2020 bis 14. November 2021 hatte unter anderem ein Einzahlungslimit von 5.000 SEK (rund 488 EUR) für Online-Casinos gegolten.

Dieser Betrag solle nun auf 4.000 SEK (rund 380 EUR) gesenkt werden. Zudem solle die Grenze für Bonus-Angebote erneut bei 100 SEK (9,75 EUR) liegen.

Wie bereits zuvor gehe es darum, Menschen, die aufgrund der Pandemie-Maßnahmen vermehrt zum Online-Glücksspiel greifen könnten, vor Schaden zu bewahren. Dies erklärte Minister Shekabari in der gestern veröffentlichten Mitteilung [Seite auf Schwedisch] des schwedischen Regierungsbüros:

In einem wohlhabenden Land wie Schweden sollte es einen starken Schutz für diejenigen geben, die Glücksspiele spielen. Deshalb haben wir die Kontrolle über den Glücksspielmarkt wiedererlangt und führen jetzt, da das Risiko des problematischen Glücksspiels infolge der Pandemie zunimmt, einen verstärkten Verbraucherschutz ein.

Online-Casino-Branche reagiert ablehnend

Wenig erfreut über den Vorstoß zeigt sich derweil die schwedische Online-Glücksspiel-Industrie. So reagierte der Branchenverband Branschföreningen för Onlinespel (BOS) in einer kurz nach Bekanntwerden veröffentlichten Pressemitteilung äußerst kritisch auf die Pläne des Ministers.

Wie bereits in der Diskussion um die vorangegangenen Maßnahmen verwies der BOS darauf, dass die Einzahlungslimits dem Kanalisierungsauftrag zuwiderliefen. So führe das von der Politik angestrebte System dazu, dass Spieler vermehrt verschiedene Konten bei mehreren Anbietern anlegten.

BOS-Generalsekretär Gustaf Hoffstedt erklärte, dass nach der Einführung der Obergrenzen ein starker Anstieg „der Anzahl der Glücksspielanbieter pro einzelnen Spieler“ zu verzeichnen gewesen sei.

Die Limits zögen eine „Zersplitterung des Glücksspiels“ nach sich. Diese mache es den einzelnen Online-Anbietern unmöglich, riskantes Spielverhalten aufzufangen. Auf diese Weise gehe ein „Eckpfeiler des schwedischen Verbraucherschutzes“ verloren.

In einer ersten Einschätzung im August 2020 hatte sich die schwedische Glücksspielaufsicht Spelinspektionen in Bezug auf den Erfolg der Einzahlungs-Obergrenze ebenfalls zurückhaltend gezeigt. In Ermangelung eines Zentralregisters zur anbieterübergreifenden Überwachung der Limits sei es Spielern möglich gewesen, die Vorgabe zu umgehen, indem sie sich bei mehreren Betreibern Konten zugelegt hätten.

Über das aktuell eingebrachte Memorandum soll bis zum 17. Januar beraten werden. Bei Verabschiedung sollen die Vorgaben ab dem 7. Februar und voraussichtlich bis Ende Juni 2022 gelten. Insofern die Notwendigkeit der Maßnahmen zum verantwortungsvollen Spielen früher entfielen, so die Verantwortlichen, sei eine vorzeitige Aufhebung der Verordnung vorgesehen.