, December 5, 2018

Am Montag starb die ehemalige Box-Legende Markus Beyer im Alter von nur 47 Jahren in einem Berliner Krankenhaus. Wie der Presse nun bekannt wurde, erlag das Supermittelgewicht einer aggressiven Form von Nierenkrebs.

 

Den letzten Kampf verloren

Wieder ist ein berühmter deutscher Profi-Boxer zu früh aus dem Leben geschieden. Nach dem tragischen Unfalltod von Graciano Rocchigiani im Oktober starb am 3. Dezember nun auch der dreifache World Boxing Council Titelverteidiger Markus Beyer.

 

WBC

Beyer boxte sehr erfolgreich beim WBC (Bild: Wikipedia)

Beyer hatte zuletzt in einem Berliner Krankenhaus gelegen und die letzten Wochen seines Lebens gegen seine Krebserkrankung gekämpft. Doch diesen letzten Kampf hat der gebürtige Sachse jetzt leider verloren.

 

Seine aktive Karriere hatte Beyer bereits vor zehn Jahren beendet, nachdem ihm seine langjährigen Verletzungsprobleme zu sehr zu schaffen machten. Bereits 2007 hatte er sich mehr auf seine Arbeit als Sportmoderator in der ARD konzentriert, wollte jedoch noch ein letztes Mal für vier Kämpfe antreten.

 

Aus gesundheitlichen Gründen kam es 2008 jedoch nur noch zu einem Kampf mit dem Russen Murad Machmudow. Danach hörte man von ihm einige Jahre nur sehr wenig, bis er schließlich 2015 bei der TV Sendung „Sport im Osten“ als dauerhafter Experte arbeitete.

 

Rückblick auf eine grandiose Karriere

Bereits in seiner Jugend hatte er eine große Leidenschaft für das Boxen entwickelt und holte bei der SG Wismut Gera einige Meistertitel. Mit nur siebzehn Jahren gewann er dann bei den DDR Meisterschaften der Senioren, damals als Fliegengewicht mit 51 Kilogramm.

 

Nachdem er eine Weile als Federgewicht boxte, kämpfte er schon Anfang der 90er Jahre als Halbmittelgewicht und holte dort jeweils 1993 und 1995 den Titel des Deutschen Meisters. Im Jahr 1996 wechselte er schließlich vom Amateur- in den Profisport und boxte im Rahmen des World Boxing Council (WBC) um mehrere Weltmeistertitel.

Der WBC [Seite auf Englisch] ist neben der World Boxing Association (WBA), der World Boxing Organisation (WBO) und der International Boxing Federation (IBF) einer der vier offiziell anerkannten Weltverbände im Boxen. Weltberühmte Boxer wie Mike Tyson, Vitali Klitschko, Muhammad Ali und Lennox Lewis holten bei der WBC schon mehrmals den Weltmeistertitel.

 

In der WBC gibt es wie in den anderen Profiboxer-Verbänden 17 verschiedene Gewichtsklassen, wobei die genauen Bezeichnung etwas variieren. Diese reichen vom Minifliegengewicht (bis zu 47,627 kg) bis hin zum Schwergewicht ( > 90,718 kg). Die Klasse Supermittelgewicht, in welcher Beyer kämpfte, ist dabei, nach Gewicht sortiert, die Vierzehnte.

Am 23. Oktober 1999 holte sich Markus Beyer den ersten WBC Weltmeistertitel in der Kategorie Supermittelgewicht, in welcher er auch den Rest seiner aktiven Karriere blieb. Am 5. April 2003 gelang ihm dieser Erfolg ein zweites Mal, wobei er in diesem Fall zweimal seinen Titel verteidigte.

 

Von seinen insgesamt 39 Profikämpfen gewann er 35, von welchen 13 K.o.-Siege waren. Einmal ging ein Kampf unentschieden aus und dreimal ging er mit einer Niederlage aus dem Ring (2000 gegen Glenn Catley, 2004 gegen Cristian Sanavia und 2006 gegen Mikkel Kessler).

 

Trainer Uli Wegner in tiefer Trauer

Der 47-Jährige konnte auf eine sehr erfolgreiche Karriere zurückblicken. Doch sein dramatischer Tod hat nicht nur die Familie des ehemaligen Boxweltmeisters erschüttert. Auch sein ehemaliger Trainer, Ulli Wegner (76), welcher Beyer über seine gesamte Karriere begleitete, versuchte, seiner Trauer Ausdruck zu verleihen:

Ich kann meine Gefühle mit Worten nicht beschreiben. Jeder weiß, dass er mein Lieblingssportler war – und das hatte vor allem eine menschliche Komponente. Markus Beyer war ein durch und durch feiner Mensch. Im Moment fühle ich mich, als hätte mir jemand in die Magengrube geschlagen. Ich muss das alles erst verarbeiten.

Genau wie Beyer wuchs Ulli Wegner in der DDR auf, wo er den jungen Sportler bereits zu dessen Amateurzeiten trainierte. Nach der Wiedervereinigung verhalf Wegner neben Beyer auch dem Supermittelgewicht-Weltmeister Sven Ottke in den Profisport.

 

Auch nachdem Beyer seine aktive Boxkarriere beendete, blieb sein ehemaliger Trainer ihm nah. Umso schmerzlicher ist ohne Zweifel nun der Verlust seines ehemaligen Schützlings.

 

Wegner selbst ist noch immer in der Branche aktiv und erhielt erst Ende November in Gera den „Mensch Award 2018“. Vor einigen Jahren erhielt er bereits das Bundesverdienstkreuz sowie die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gera. Über das Boxen sagte er:

Boxen ist nicht einfach nur ein Sport, sondern übertragbar auf viele Kämpfe, die Kinder und Familien heute zu bestreiten haben. Nicht aufzugeben, auch nach K.o. wieder aufzustehen und das Leben anzupacken, für Erfolge diszipliniert zu üben und sich mit Menschen zu umgeben, die einen motivieren und Rückenwind geben.

Der 76-Jährige plant derzeit keinen Rückzug aus dem Sport und wird sicherlich selbst noch lange weiterkämpfen. Die Trauer um seinen ehemaligen Schützling teilt die gesamte deutsche Boxerwelt mit ihm. Doch vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass die großen Erfolge von Markus Beyer für immer in der Geschichte des Boxsports verewigt sein werden.