, 25.10.2020

Die Bundesanwaltschaft der USA hat in dieser Woche Anklage gegen den ehemaligen Finanzchef der renommierten US-Studentenverbindung Kappa Alpha Psi erhoben. Curtis D. Anderson (58) soll die Organisation um rund 3 Mio. US-Dollar gebracht haben, um damit seine Spielsucht zu finanzieren.

 

Stammgast im Casino

 

Medienberichten zufolge hatte Anderson im Dezember 2018 nach über zwei Jahrzehnten seinen Posten als Finanzchef von Kappa Alpha Psi räumen müssen. Ermittlungen hatten ergeben, dass der 58-Jährige mithilfe diverser von ihm ausgestellter Schecks auf die Konten der Studentenverbindung zugegriffen hatte. Insgesamt soll er so einen Schaden von rund 3 Mio. USD verursacht haben.

Kappa Alpha Psi wurde 1911 an der Universität von Indiana gegründet und gilt als erste Afro-Amerikanische Studentenverbindung der USA. Die über 160.000 Mitglieder sind in allen US-Bundesstaaten organisiert. Internationale Ableger finden sich unter anderem in Großbritannien, Japan und Deutschland [Seite auf Englisch]. Der Hauptsitz der Organisation befindet sich in Philadelphia.

Zuerst aufgefallen waren die ungewöhnlichen Kontobewegungen Mitarbeitern der Santander Bank. Das Finanzinstitut hatte daraufhin den Vorstand von Kappa Alpha Psi über die „verdächtigen Aktivitäten“ informiert. Danach, so lokale Medien, sei alles ganz schnell gegangen.

 

So hätten sich der Kappa-Vorstandsvorsitzende und der damalige Präsident der Verbindung zur Klärung des Sachverhalts in die Bank begeben. Bei der Besprechung hätten sie zufällig Finanzchef Anderson beim Verlassen des Gebäudes beobachtet und ihn kurzerhand zurückbeordert.

 

Auf die Schecks angesprochen, habe Anderson seine Taten umgehend eingeräumt. Noch vor Ort habe er erklärt, unter schweren Glücksspiel- und Alkoholproblemen zu leiden. Der größte Teil des Geldes sei in das Harrah`s Casino in Philadelphia geflossen, in dem Anderson Stammgast gewesen sei.

 

„Vertrauen missbraucht“

 

Spätere Ermittlungen hatten ergeben, dass nicht nur die Santander-Konten von Kappa Alpha Psi von dem Diebstahl betroffen waren, sondern auch die Gelder der Studentenverbindung bei der Wells Fargo Bank. Allein von diesen soll Anderson von Juni 2017 bis zu seinem Auffliegen im Dezember 2018 rund 978.000 USD abgezweigt haben.

 

Der zuständige Bundesstaatsanwalt William M. McSwain verurteilte Andersons Vorgehen in einem Statement:

Anderson hatte bei seinem Arbeitgeber eine auf Vertrauen beruhende Leitungsposition inne und nutzte diesen Zugang mutmaßlich, um (…) Millionen von Dollar zu stehlen. Mein Büro wird weiterhin mit unseren Strafverfolgungspartnern zusammenarbeiten, um unschuldige Organisationen davor zu schützen, Opfer dieser Art von Betrug zu werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft Anderson unter anderem Identitätsdiebstahl, Untreue und Computerbetrug vor. Bei Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.