, 13.09.2021

Finnland ist eines der wenigen Länder Europas, in denen noch heute ein rigides staatliches Glücksspiel-Monopol herrscht. Im Rahmen eines am Freitag vom europäischen Glücksspielverband EGBA organisierten Webinars [Seite und Video auf Englisch] haben fünf Branchenexperten die Situation im Land kritisch analysiert. Ihrer Ansicht nach begünstige das Monopol vor allem das Wachstum des ausländischen Schwarzmarkts.

 

 

Jari Vähänen von dem Beraterkonzern Finnish Gambling Consultants und Ed Birkin von H2 Gambling Capital präsentierten dazu die aktuellen Entwicklungen auf dem finnischen Markt. Seit dem Zusammenschluss der zuvor drei staatlichen Glücksspiel-Anbieter unter der einen Dachmarke Veikkaus im Jahr 2017 seien die Spielerträge von Jahr zu Jahr merklich gesunken, erklärt Vähänen.

 

Während die genauen Ursachen schwer festzumachen seien, sei zu beobachten, dass die Finnen sich verstärkt dem Online-Glücksspiel zuwandten. Offizielle Zahlen gebe es dabei nur für den Monopolisten Veikkaus. 2019 habe dessen Online-Geschäft 40 % der Gesamteinnahmen ausgemacht, dieser Anteil sei dem jüngsten Interimsbericht 2021 zufolge auf 65 % gestiegen.

 

Je strikter die Regulierung, desto größer der Schwarzmarkt?

Die Zahlen von H2 Gambling Revenue hingegen berücksichtigen zudem die Spieleinsätze der Finnen auf dem ausländischen und damit „illegalen“ Markt. So zockten immer mehr Personen auf in Finnland nicht lizenzierten Online-Glücksspiel-Portalen. 2016 habe der Anteil bei 30 % gelegen, 2021 bereits bei 35 %, die Tendenz sei steigend.

Sie können die striktesten Regeln verabschieden, die Sie wollen, aber wenn 35 % Ihrer Spieler ihre Einsätze bei ausländischen Anbietern tätigen, die nicht unter der Kontrolle Ihrer Regulierungsbehörde stehen, dann gibt es keinen Schutz, denn die Regeln werden auf diese Spieler schlicht nicht angewendet.

Die Kanalisierungsrate liege in Finnland mit 65 % damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 75 %. Am erfolgreichsten sei die Kanalisierung hingegen in Großbritannien mit 98 % sowie in Italien mit 83 %. Beide Länder verfügten dabei insgesamt über einen deutlich größeren Online-Glücksspiel-Markt als Finnland oder auch Schweden, wo das Online-Glücksspiel seit 2019 legal ist.

 

Daraus lasse sich schlussfolgern, dass ein liberalisierter Online-Glücksspiel-Markt nicht zwangsläufig eine Gefahr für den landbasierten Sektor darstelle, sofern auch dieser für die Kunden attraktiv bleibe.

 

Diese Attraktivität werde dabei insbesondere durch möglichst wenige Einschränkungen in Bezug auf das Spielangebot oder Spiellimits kreiert. Gleichzeitig sei eine entgegenkommende Steuergesetzgebung wichtig, damit sich das legale Spiel auch seitens der Anbieter lohne.

 

Finnland bleibt auf Kurs: Abschottung statt Liberalisierung

Doch statt dem Beispiel anderer Länder zu folgen, beschließe Finnland immer mehr Restriktionen innerhalb des lizenzierten Glücksspiels, sowohl online als auch im landbasierten Sektor. In diesem Monat beispielweise würden für die landbasierten Spielautomaten von Veikkaus erstmals Einsatzlimits eingeführt.

 

Die Umsätze von Veikkaus dürften durch diese Maßnahme jedoch weiter geschmälert werden, so die Einschätzung des Experten. Zudem gälten fortan striktere Werberichtlinien für den Glücksspiel-Anbieter. So dürfe Veikkaus künftig ausschließlich für seine Sport- und Pferdewett-Angebote werben.

 

Gleichzeitig werde derzeit eine neue Gesetzgebung verabschiedet, die ein verstärktes Vorgehen gegen Anbieter aus dem Ausland ermöglicht. Ähnlich wie in der Schweiz sollen Netzsperren dafür sorgen, dass die Finnen die Webseiten nicht mehr aufrufen können.

 

Auch Banken und Zahlungsdienstleister sollen dabei stärker in die Verantwortung genommen werden und Transaktionen an ausländische Glücksspielfirmen blockieren. Insgesamt plane die Regierung aktuell keineswegs, das Glücksspiel-Monopol aufzuheben. Stattdessen solle dieses gestärkt werden, erklärt Vähänen.

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