Montag, 03. Oktober 2022

Französische Glücksspiel-Aufsicht will Selbstausschluss erleichtern

Die französische Glücksspiel-Aufsicht Autorité nationale des jeux (ANJ) hat angekündigt, das Verfahren zu erleichtern, mit dem sich Problemspieler selbst vom Glücksspiel ausschließen lassen können. Dies hat die Zeitung Le Parisien [Seite auf Französisch] am Dienstag berichtet.

Bisheriges Verfahren sei abschreckend

Das bisherige Verfahren erfordert einen Antrag beim Innenministerium. Nach dessen Stellung wird der Spieler zur Identitätsfeststellung von der örtlichen Polizei vorgeladen.

Künftig soll sich ein Spieler direkt auf der Webseite der im Juni neu gegründeten ANJ registrieren können. Auf diese Weise soll die Identitätsprüfung aus der Ferne durchgeführt werden können. Das neue Verfahren habe das Ziel, den „schuldbehafteten“ Schritt zur Polizei abzuschaffen, so die Präsidentin der ANJ, Isabelle Falque-Pierrotin:

Wir werden einen echten Dienst anbieten, anstatt daraus eine schuldbehaftete Angelegenheit zu machen. Es gibt Spieler, die Angst hatten, zur Polizei zu gehen, weil sie befürchteten, dass ihnen Vorträge gehalten werden.

Die Direktorin des Vereins SOS joueurs, Armelle Achour, begrüßt den Schritt. Von der Polizei vorgeladen zu werden, sei abschreckend. Mit dem neuen System werde der Ablauf vereinfacht und beschleunigt, so die Psychologin.

Tatsächlich solle die Bearbeitungszeit, die aktuell mehrere Monate in Anspruch nehmen könne, um mindestens die Hälfte reduziert werden, so die ANJ.

Der Selbstausschluss gilt für den Zugang zu allen Casinos und Clubs, die Glücksspiel anbieten, sowie für alle legalen Online-Glücksspiel-Seiten. Es liegt jedoch im Ermessen des Spielers, ob er sich für einen bestimmten Anbieter oder generell ausschließen lassen möchte.

Vom Register ausgenommen sind Sport- und Pferdewetten, die direkt an der Rennstrecke oder in den landbasierten Wettannahmestellen platziert werden, sowie die Teilnahme am Lotto.

Laut eines Berichtes der französischen Beobachtungsstelle für Glücksspiel vom Juni habe sich der Anteil der Problemspieler in Frankreich im vergangenen Jahr auf etwa 340.000 Betroffene verdoppelt. Es bleibt nun abzuwarten, ob das neue Selbstausschlussverfahren dazu beitragen kann, diese Entwicklung umzukehren.

In den kommenden Wochen wolle die ANJ die Verwaltung der aktuell 38.500 beim Innenministerium registrierten Spieler übernehmen. Die Übernahme solle im November abgeschlossen werden.