, 20.09.2020

Eine Welle der Gewalt erschüttert das US-amerikanische Baltimore. Binnen zehn Tagen wurden 50 Personen bei Schießereien verletzt, über ein Dutzend von ihnen starben. Der Chef der örtlichen Polizei sieht die Taten im direkten Zusammenhang mit dem illegalen Würfelspiel, wie er in dieser Woche auf einer Pressekonferenz bekanntgab.

 

Welle der Gewalt überrollt Baltimore

 

Seit vorvergangenem Wochenende starben in Baltimore 15 Personen infolge ihrer Schussverletzungen. Unter ihnen ein 14-jähriger Teenager. Allein in der Nacht von Sonntag auf Montag musste die Polizei der Stadt im Bundesstaat Maryland viermal wegen Schießereien  ausrücken. Drei Personen überlebten die Angriffe nicht.

Baltimores Kriminalitätsrate ist leicht rückläufig, liegt aber noch immer weit über dem Bundesdurchschnitt. Lokalen Medien zufolge habe es 2020 bislang 238 Tötungsdelikte in der 620.000-Einwohnerstadt im Osten der USA gegeben. Mindestens 519 Personen hätten Schießereien verletzt überlebt.

 

Im Jahr 2019 hatte Baltimore weltweit Schlagzeilen gemacht, als US-Präsident Trump die mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnte Stadt als „widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Loch“ bezeichnet hatte, „in dem kein menschliches Wesen leben wolle“.

Bürgermeister Jack Young und Polizeichef Michael Harrison erklärten in dieser Woche, dass der Auslöser für die gewalttätigen Übergriffe in diversen Fällen im illegalen Glücksspiel gelegen habe. So seien unter anderem die jüngsten Schießereien, die je vier und fünf Verletzte hervorgebracht hätten, eindeutig auf Streitigkeiten im Milieu zurückzuführen.

 

Polizei appelliert an die Bevölkerung

 

Auch der Tod eines Mannes in einem öffentlichen Park stehe aller Wahrscheinlichkeit nach in direktem Zusammenhang mit illegalem Würfelspiel, so Harrison:

Wir glauben, dass das Opfer irgendwas mit Betreibern eines Würfelspiels zu tun hatte, mit Leuten, die am Würfelspiel teilnehmen, was dann zur Schießerei und dem Mord führte.

Der Polizeichef erklärte, seine Behörde setze nun auf die Zusammenarbeit mit staatlichen und bundesweiten Stellen, um die Gewalttaten aufzuklären. Maßgeblich hierfür und für die Prävention weiterer Verbrechen sei jedoch die Mithilfe der Bevölkerung.

 

Ihren Appell verstärkte die Polizei von Baltimore unter anderem mit Postings auf ihren Social-Media-Kanälen und einem Videoaufruf.

 

In dem Video [Seite auf Englisch] sichert die Behörde Hinweisgebern absolute Anonymität zu. Insbesondere Hinweise auf das Würfelspiel aber auch andere Formen des illegalen Glücksspiels sollten umgehend über die Notrufnummer 911 gemeldet werden, so die inständige Bitte der Polizei. Nur wenn staatliche Stellen und Bevölkerung zusammenarbeiteten, könne Baltimore zu einem sichereren Ort gemacht werden.