, July 29, 2019

Am Sonntag veröffentlichten drei australische Zeitungen The Age, The Sydney Morning Herald und 60 Minutes die Ergebnisse ihrer einjährigen gemeinsamen Recherchearbeit, in deren Mittelpunkt das australische Casinounternehmen Crown Resorts Limited stand.

 

Den Berichten zufolge deuten Tausende geheimer E-Mails sowie die Aussagen einer ehemaligen Casino Angestellten daraufhin, dass das Casino mit kriminellen Vereinigungen zusammenarbeitet und auf illegale Weise VIP Spieler in China wirbt.

 

Ein illegales Geschäftsmodell?

Die australischen Medien werfen dem Crown Casino Melbourne, bzw. dessen Inhaber Crown Resorts Limited schwerwiegende kriminelle Handlungen vor, für die es dank Insider-Informationen genügend Beweise gäbe.

 

In der Hauptsache geht es darum, dass Crown mit einem höchst fragwürdigen Geschäftsmodell reiche VIP Spieler aus China geworben haben soll, die zum Teil innerhalb kurzer Zeit Millionen von Dollar im Casino gesetzt haben sollen.

 

In einer vom australischen TV-Sender ABC veröffentlichen Reportage wurde bereits 2017 behauptet, dass Crown mithilfe von Mittelmännern (sogenannter Junket Operators) seit langem ein solches Geschäftsmodell verfolge.

Junket Operators werden von Casinos dazu beauftragt, wohlhabende potentielle Casinokunden zu werben. Sie begleiten die Spieler im Rahmen speziell organisierter Glücksspielreisen zu australischen Casinos und betreuen dort deren Gelder.

Aus australischer Perspektive ist diese Tätigkeit an sich legal. Werben die Junket Operators jedoch Kunden in Ländern an, in denen das Glücksspiel streng verboten ist, handeln sie wie im Beispiel von China illegal.

Viele der chinesischen Junket Operators scheinen jedoch mit kriminellen Vereinigungen (Triaden) zusammenzuarbeiten. Dies treffe den Berichten zufolge auch auf die Junket Operators zu, mit denen Crown zusammenarbeite

Tür für Kriminelle weit geöffnet

Auch das Crown Casino soll in diesem Zusammenhang mit einer kriminellen Vereinigung zusammengearbeitet haben. Anhand Tausender geheimer E-Mails hätten die Journalisten eindeutige Beweise gefunden, dass eine kriminelle Vereinigung namens „The Company“ sich über das Geschäftsmodell der Kundenwerbung in das Crown Casino eingeschleust hätte.

 

Zwei Chinesische Reisepässe

Bevorzugung bei der Vergabe von Visa an chinesische Casinospieler (Bild: Flickr)

Die Kriminellen hätten über das Crown Casino Geldwäsche in großem Stil betrieben. Dafür seien Bankkonten des Casinos sowie die High-Roller-Räumlichkeiten innerhalb der Spielbank genutzt worden. Crown hätte diese Risiken in Kauf genommen und keine Skrupel gehabt, mit einer als kriminell bekannten Vereinigung zusammenzuarbeiten.

 

Doch die Vorwürfe gehen noch einen Schritt weiter. Auch das australische Konsulat, zuständig für die Ausstellung von Visas, soll in das Geschäftsmodell des Crown Casinos involviert sein.

 

Das Konsulat habe den Prozess der Visumsausstellung für wohlhabende Casinospieler aus China „deutlich erleichtert“ und dabei offensichtlich Kriminelle an den normalen Sicherheitsprozeduren „vorbeigeschleust“.

 

Whistleblowerin packt aus

Einen tiefen Einblick in die angeblichen kriminellen Praktiken des Crown Casinos habe auch die ehemalige Crown Angestellte Jenny Jiang im Interview mit den Journalisten gegeben.

 

Frau mit Handschellen Arme überm Kopf

Liang wurde wegen illegaler Glücksspielwerbung festgenommen (Bild: PxHere)

Nachdem die chinesischen Behörden die Arbeit von Crown Resorts Limited über Monate beobachtet hätten, sei Jiang im Oktober 2016 schließlich zusammen mit 18 weiteren Angestellten in Shanghai verhaftet worden.

 

Sie und ihre Kollegen seien wegen illegaler Glücksspielwerbung angeklagt und für einen Monat inhaftiert worden. In China bedeute dies, dass sie nun für immer vorbestraft sei, was gravierende soziale und berufliche Folgen nach sich ziehe.

 

Das Unternehmen habe ihr damals versichert, dass ihre Arbeit keinerlei illegale Aktivitäten involvierte. Schließlich werbe man nach außen hin lediglich für Luxusaufenthalte in Australiens Crown Hotels.

 

Liang habe jedoch schnell bemerkt, dass es sich dabei um mehr als einen Luxusurlaub gehandelt habe:

Kunden verloren innerhalb von 15 bis 20 Minuten gut 10 Mio. Dollar. Da habe ich gemerkt, auf was für einen Job ich mich wirklich eingelassen habe […] Sie haben keine Lizenz in Australien verdient. Sie haben ihre Angestellten benutzt und uns dann wie gebrauchte Papierservietten weggeworfen.

Nach ihrer Freilassung aus dem Gefängnis habe ihr das Unternehmen angeblich 60.000 Dollar angeboten, um sich ihr Schweigen zu erkaufen. Da sie das Angebot ausgeschlagen und der Presse gegenüber alles offengelegt habe, fürchte sie nun um ihre Sicherheit.

 

Kein Kommentar von Crown

Crown Limited äußerte sich zu den Vorwürfen bisher nur knapp. James Packer, der mehrheitliche Aktieninhaber des Unternehmens, habe ein Interview mit 60 Minutes verweigert. Durch seinen Anwalt habe er jedoch verlauten lassen, nichts von derartigen Aktivitäten zu wissen.

 

Gegenüber Daily Mail Australia hingegen äußerte sich ein Sprecher von Crown Resorts zum Vorwurf der Geldwäsche:

Es gibt derzeit eine Sammelklage, gegen die sich Crown verteidigt. Aus diesem Grund können wir keine Kommentare zu bestimmten Punkten machen. Was jedoch Junket Operators betrifft, wird Crown sich nicht zu seinen Geschäftstätigkeiten äußern. Crown führt umfangreiche Anti-Geldwäsche Maßnahmen durch, welche von der Regulierungsaufsicht AUSTRAC überwacht werden.

Wie sich die Vorwürfe auf die milliardenschwere Luxushotel- und Casino-Kette auswirken wird, bleibt abzuwarten.