, September 23, 2019

Strafverfolgungsbehörden der US-Casino-Metropole Atlantic City haben am vorigen Donnerstag Anklagen wegen Kreditkartenbetrugs und Identitätsdiebstahls gegen fünf Personen erhoben.

 

Einem der Beschuldigten wird vorgeworfen, in diesem Sommer mit einer gestohlenen Kreditkarte das Borgata Hotel Casino & Spa aufgesucht und 81 Gutscheinkarten im Wert von knapp 12.000 US-Dollar (ca. 10.900 Euro) ergaunert zu haben.

 

Wie das Atlantic City Police Department mitteilte, habe der Mann die Gutscheinkarten anschließend an vier weitere Verdächtige verteilt, die diese zum Einkauf in den Shops und Restaurants des Großcasinos verwendet hätten.

Das Borgata Hotel Casino & Spa in den Polizeinachrichten

Es ist nicht der erste prominente Kriminalitätsfall, der sich im Borgata Hotel Casino & Spa in Atlantic City zugetragen hat. Bereits im Dezember 2007 berichtete der US-Nachrichtensender ABC7 (Link auf Englisch) darüber, dass der Pokerraum des Casinos von organisierten Verbrecherbanden für verbotene Sportwetten genutzt wurde. Im Zuge einer polizeilichen Untersuchung wurden sogar vier Casino-Angestellte festgenommen, die Verbindungen zur kriminellen Unterwelt gehabt haben sollen.

 

Der wohl bekannteste Betrugsfall der jüngeren Vergangenheit brachte das „Borgata“ jedoch im Jahre 2014 in die Schlagzeilen. Das Casino warf dem Poker-Superstar Phil Ivey vor, im Jahre 2012 während vier Baccarat-Session mehr als 9.6 Millionen US-Dollar (ca. 8.75 Millionen Euro) durch illegales „Edge Sorting“ gewonnen zu haben.

 

Ivey, der den Vorwurf des Spielbetrugs vehement bestritt, wurde dennoch zu Strafzahlungen verurteilt. Derzeit versucht die Betreibergesellschaft des Borgata Hotel Casino & Spa Vermögenswerte in Höhe von knapp 10 Millionen US-Dollar (ca. 9.1 Millionen Euro) von Ivey einzutreiben.

Die Spur der Täter

 

Die Anklagen gegen die fünf Verdächtigen sind die Folge dreimonatiger Ermittlungen. Bereits Mitte Juni dieses Jahres vermutete die Sicherheitsabteilung des Borgata Hotel Casino & Spa, dass auf dem Casinogelände gefälschte Kreditkarten im Umlauf sein könnten und informierte die örtlichen Polizeibehörden.

 

Phil Ivey am Pokertisch sitzend

Phil Ivey hat einen Rechtsstreit mit dem Casino verloren. (Quelle: Phil Ivey by www.LasVegasVegas.com licensed under CC BY-SA 3.0)

Diese wiederum gingen dem Anfangsverdacht nach und leiteten den Fall an die Experten der Abteilung für Vermögensstraftaten weiter. Sie überprüfte in Zusammenarbeit mit dem Casino verdächtige Kreditkartentransaktionen und stieß dabei auf eine Kreditkarte, die unter dem Namen eines Mannes aus der US-Kleinstadt Mechanicsburg, Pennsylvania, registriert war.

 

Wie weitere Ermittlungen ergaben, hatte er die Kreditkarte nie beantragt, sondern ein unberechtigter Dritter, der als William Newhart (41) aus Philadelphia identifiziert wurde. Die Behörden kamen zu der Schlussfolgerung, dass Newhart die Informationen über illegale Wege erlangt und die Karte beantragt haben muss.

 

Nun droht dem Mann und seinen vier Mitangeklagten nicht nur eine Verurteilung wegen Kreditkartenbetrugs, sondern wegen Identitätsdiebstahls. Im Falle eines Schuldspruchs könnten sich die verbotenen Casino-Einkäufe als kostspieliger Fehltritt erweisen.

 

Kreditkartenbetrug und Identitätsdiebstahl werden im US-Bundesstaat New Jersey hart geahndet. Je nach Art und Schwere des Rechtsbruchs kommt eine Geld- oder Freiheitsstrafe in Betracht. Bei leichteren Fällen ist eine Geldstrafe bis zu 10.000 US-Dollar (ca. 9.100 Euro) möglich. Bei besonders schweren Delikten können Haftstrafen bis zu 5 Jahren verhängt werden.

 

Das profitable Geschäft mit gestohlenen Karten

 

Obgleich der finanzielle Schaden im „Borgata“-Fall vergleichsweise gering ausfiel, ist der Betrug mit gestohlen Kredit- und Bankkarten weltweit ein Milliardengeschäft.

 

Laut einem Bericht der Europäischen Zentralbank verursachten allein die illegalen Transaktionen in den 33 SEPA-Zonenländern im Jahre 2016 einen Schaden von 1.8 Milliarden Euro.

 

Um sich vor Betrug zu schützen, sollten Kreditkarten-Kunden vor allem Mehrfachverifizierungsverfahren nutzen und ihre Kreditkartenabrechnungen auf nicht autorisierte Abbuchungen kontrollieren.