, November 11, 2016

Borgata

Nachdem das Bezirksgericht New Jersey das erste Urteil schon im Sinne des Borgata Casinos gefällt und entschieden hatte, dass der Pokerprofi seine Gewinne zurückzahlen müsse, will das Glücksspielhaus nun noch mehr. Phil Ivey soll 15,5 Mio. Dollar zahlen! (Bildquelle)

Pokersuperstar Phil Ivey musste in den vergangenen Wochen zwei Niederlagen vor Gericht hinnehmen. In beiden Fällen hatte er 2012 mit der Technik des Edge Sorting große Gewinne beim High Stakes Baccarat erzielt. Im ersten Fall forderte das Borgata Casino in Atlantic City vor Gericht die Rückzahlung der Gewinnsumme in Höhe von 9,6 Mio. Dollar. Ende Oktober 2016 war das Urteil gefällt worden, dass er dem Borgata das Geld zurückzahlen müsse. Ivey habe zwar nicht betrogen aber mit seiner Begleiterin in drei Punkten Vertragsbruch begangen. Im Crockfords Casino in London hatte Ivey sogar 12,4 Mio. Dollar gewonnen, die Summe aber nie ausbezahlt bekommen. Hier ging Ivey vor Gericht, um seinen Gewinn einzufordern, scheiterte aber Anfang November in der Revision. Nun folgt die nächste Hiobsbotschaft für Ivey: Das Borgata fordert sogar eine Entschädigung in Millionenhöhe von dem Pokerprofi.

 

Phil Ivey hatte in beiden Casinos die Technik des Edge Sorting angewandt. Dabei kann ein geübter Spieler Druck- oder Herstellungsfehler bei Baccarat-Spielkarten zu seinen Gunsten ausnutzen. Ivey begab sich jeweils mit seiner Begleiterin, der Chinesin Chen Yin Sun, an die Tische und forderte ein spezielles Kartendeck des Herstellers Gemaco sowie eine automatische Mischmaschine. Zudem fragte die beiden den Croupier unter dem Vorwand des Aberglaubens, ob er spezielle Karten im Deck nach dem ersten Aufdecken um 180 Grad drehen könne. Die umgedrehten Karten kamen dann wieder zurück ins Deck und konnten dank der Tatsache, dass das Kartendeck auf der Rückseite kein komplett symmetrisches Muster hat, von Ivey identifiziert werden, als sie erneut gedealt wurden. Edge Sorting verspricht aber keine Gewinngarantie. Mathematiker gehen von einem Vorteil von gerade einmal 4,5 bis 7 Prozent aus.

 

Phil Ivey hat im Crockfords Casino betrogen

 

Im Fall Ivey gegen das Crockfords wurde das erste Urteil schon im Oktober 2014 gefällt. Die Richter kamen zu dem Urteil, dass Phil Ivey doch betrogen habe. Das Casino müsse Ivey die Gewinne nicht ausbezahlen. Laut der Begründung habe sich Ivey einen irregulären Vorteil verschafft, welcher durch das Spiel nicht vorgesehen sei. Das sei Betrug. Richterin Mary Arden berief sich dabei auf den Gambling Act 2005 und erklärte, dass eine Partei im Sinne des Gesetzes betrügen könne, ohne unehrlich zu handeln oder zu täuschen. Der Rechtsvertreter der Genting Casinos, dem Konzern hinter dem Crockfords, lobte das Urteil aus London:

„Das Crockfords hat fair und ehrlich gehandelt und daher sind wir erfreut, dass das Revisionsgericht das ursprüngliche Urteil bestätigte.“

 

Der Bundesrichter am Bezirksgericht New Jersey fällte in der Klage des Pokerprofis gegen das Borgata ein etwas anderes Urteil. Die beiden hätten die Gewinnchancen beim Baccarat zu ihrem Vorteil verändert und damit „nur“ einen Vertragsbruch begangen, aber nicht betrogen. Trotzdem müsse Ivey dem Casino das Geld zurückzahlen. Doch ein Vertragsbruch sei kein Betrug. Die grundsätzlichen Regeln des Baccarat-Spiels seien nicht verletzt worden.

 

Ohne die Edge hätte Ivey an den Abenden über 5 Mio. Dollar verloren

 

Nachdem das Urteil im Sinne des Borgata gefällt wurde, will das Casino nun noch mehr. Man fordert eine Summe von 15,5 Mio. Dollar von Ivey. Laut dem Borgata setze sich die Summe aus Gewinnen von 10,1 Mio. Dollar und 249.000 Dollar an Vergütungen zusammen, die man für die beiden Gäste ausgegeben habe. Bisher ging es aber in dem Streitfall immer nur um eine Gewinnsumme in Höhe von 9,6 Mio. Dollar. Zudem behauptet das Casino, dass Ivey ohne seine unerlaubte Edge an den vier Abenden eigentlich 5,4 Mio. Dollar verloren hätte.

 

Auf die 5,4 Mio. Dollar kam das Borgata durch einen eigenen Rechenweg. Bei seinem ersten Besuch im Casino im April 2012 habe Ivey 1.180 Hände gespielt mit einem durchschnittlichen Einsatz von 25.000 Dollar. Im darauffolgenden Monat spielte er dann 4.215 Hände mit durchschnittlich 36.000 Dollar. Im Juli waren es 1.373 Hände mit durchschnittlich $93.000 sowie 1.850 Hände mit durchschnittlich 96.000 Dollar im Oktober. Hätte Ivey also ohne Edge 8.618 Hände mit durchschnittlichen Einsätzen von 56.000 Dollar gespielt, hätte er 5,4 Mio. Dollar verloren.

 

Hätte Ivey ohne das Egde Sorting überhaupt Baccarat im Borgata gespielt?

 

Diese Forderungen des Borgata kann das Gericht natürlich ablehnen. Fraglich, ob Ivey ohne die Edge überhaupt so viele Hände um so viel Geld gespielt hätte. Hätte er sich überhaupt zum Baccarat ins Borgata begeben? Auf jeden Fall sind die Rechtsanwälte von Ivey nun gefordert. Gegen das Urteil im Fall „Crockfords Casino“ war der Pokerprofi schon Anfang November 2016 mit der Revision gescheitert. Hier könnte es aber noch bis zum Obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs in der Middlesex Guildhall in London gehen, da Ivey das Urteil nicht akzeptieren will. Nach der Rechtssprechung des Bezirksgerichts New Jersey bekam Ivey 20 Tage Zeit, um Einspruch einzulegen. Zudem muss er nun die überzogenen Forderungen des Borgata wiederlegen.