Dienstag, 17. Mai 2022

Glücksspiel in Österreich: Nicht-lizenzierte Anbieter fürchten Einschränkungen

Flagge Österreich

Die österreichische Regierung debattiert derzeit über ein neues Glücksspielgesetz. Insbesondere ausländische Anbieter ohne Glücksspiellizenz fürchten, durch die Neuformulierung massiv benachteiligt zu werden. Nun regt sich Protest.

Nach Angaben der Zeitung Kurier hat die Österreichische Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG) in den vergangenen Tagen eine Kampagne gestartet, mit der Parlamentarier und Entscheidungsträger auf die Problematik aufmerksam gemacht werden sollen. Begleitet werde die Aktion durch Anzeigen in österreichischen Medien.

Unter dem Titel „Kontrollierter Wettbewerb statt tschechisches Monopol“ wiesen die Interessenvertreter darauf hin, dass die Reform lediglich das bestehende Monopol des in Österreich lizenzierten Glücksspielanbieters Casinos Austria AG (Casag) schütze. Anbieter mit einer EU-Lizenz für Wett- und Glücksspiel blieben außen vor, so die Kritik.

Die Casag widersprach vor wenigen Tagen:

Es gibt keine europaweite Gültigkeit von Glücksspiellizenzen, das Glücksspielwesen ist europarechtlich nicht harmonisiert.

Es gebe somit „auch keine EU-Lizenzen“, auf die sich die OVWG berufe, zitiert der Kurier. Der Verband stelle deshalb „irreführende oder gar falsche Behauptungen“ auf.

Zudem warf die Casag den Initiatoren der Kampagne durch die Wahl ihres Slogans „xenophobe Untertöne“ vor. Auf diese Weise werde die tschechiche Sazka Group als Mehrheitsanteilseigner an der Casag diffamiert.

Gefürchtete Web-Blockade

Zu einem wichtigen Werkzeug bei der Beschränkung des Zugangs ungewollter Betreiber könnte das Domain Name System Blocking (DNS-Blocking) werden. Bei diesem, auch Geoblocking genannten Verfahren, werden die Domains der Anbieter nach Aufforderung durch die Regierungsstellen von den Internet-Serviceprovidern für den Besuch von Spielern in dem betreffenden Land gesperrt.

Auf diese Weise würde es Spielern in Österreich fast unmöglich gemacht, die Online-Angebote nicht-lizenzierter Glücksspielunternehmen zu besuchen.

Bereits längere Erfahrung in diesem Bereich hat das Nachbarland Schweiz. Dort wurden nach dem aktualisierten Glücksspielgesetz seit Anfang 2019 Hunderte Webseiten von Online-Casinos und Online-Wettanbietern gesperrt. Der Erfolg der Maßnahme ist jedoch umstritten. Untersuchungen zufolge können noch immer viele der illegalen Seiten von Spielern in der Schweiz angesteuert werden.

Mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrages könnte das Geoblocking von nicht-lizenzierten Unternehmen auch in Deutschland ein Thema für Anbieter und Spieler werden. Inwieweit diese Sperren allerdings effektiv durchgesetzt werden, wird von der Arbeit der erst 2023 umfassend einsatzfähigen Glücksspielbehörde abhängen.