Freitag, 30. September 2022

Nach Rekord-Geldstrafe: Glücksspiel-Konzern Entain nimmt Stellung

Symbolbild Justiz, Entain-Logo Entain hat die Geldstrafe akzeptiert (Bilder: Pixabay, Entain)

Am Mittwoch ist die Glücksspiel-Branche in Großbritannien von einem drakonischen Urteil aufgeschreckt worden. Die britische Glücksspiel-Behörde UK Gambling Commission (UKGC) hatte den Glücksspiel-Konzern Entain zuvor wegen Verfehlungen beim Spielerschutz und den Anti-Geldwäsche-Maßnahmen mit einer Geldstrafe in Höhe von 17 Mio. GBP (20,2 Mio. Euro) belegt. Kurz nach Bekanntgabe der Rekordstrafe nahm das Unternehmen Stellung [Seite auf Englisch] zu dem Fall.

Kooperation statt Konfrontation

Das Glücksspiel-Unternehmen betonte seinen Willen zur Zusammenarbeit mit der Behörde. Es sei mit dieser die Übereinkunft getroffen worden, den Fall kooperativ zu lösen, und nicht juristisch gegen die Geldstrafe vorzugehen.

Gleichzeitig erkannte Entain seine Schuld an. In dem Statement erklärte der Konzern, zu dem bekannte Marken wie bwin und Partypoker gehören:

Entain räumt ein, dass bestimmte Altsysteme und -prozesse, die die Geschäftstätigkeit des britischen Unternehmens in den Jahren 2019 und 2020 unterstützten, nicht mit den sich entwickelnden regulatorischen Erwartungen der Kommission in Bezug auf Aspekte der sozialen Verantwortung und der Geldwäsche-Bekämpfung übereinstimmten.

Als Reaktion auf die Geldstrafe gelobte Entain Besserung. So werde das Unternehmen in seinem Aufsichtsrat eine Kontrollstelle installieren, die die Behebung der monierten Prozesse und Praktiken überwache. Zudem solle von unabhängiger Seite eine Prüfung der angewandten Strategien und Verfahren im Umgang mit Kunden implementiert werden.

Verbesserungen bereits umgesetzt

Der Glücksspiel-Konzern führte zudem an, dass sich die von der Kommission bemängelten Verstöße zwischen Dezember 2019 und Oktober 2020 ereignet hätten. Seitdem habe Entain zahlreiche Änderungen in den Bereichen Spielerschutz und Bekämpfung von Geldwäsche vorgenommen.

So habe der Glücksspiel-Anbieter im Jahr 2021 das Spielerschutz-Programm Advanced Responsibility and Care (ARC) eingeführt. Dieses überprüfe mit Hilfe von künstlicher Intelligenz das Verhalten der Spieler in Echtzeit. Auf diese Weise könnten Auffälligkeiten umgehend identifiziert werden.

Die UKGC wirft Entain unter anderem vor, den Spielerschutz sowohl in seinen terrestrischen als auch den Online-Angeboten nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. So sei es Spielern mehrfach möglich gewesen, fünf- oder sogar sechsstellige Summen zu verlieren, obwohl es deutliche Anzeichen in Bezug auf ihr problematisches Glücksspiel-Verhalten gegeben habe. Trotzdem seien Entain-Mitarbeiter nicht eingeschritten. Eine ähnliche Tatenlosigkeit beklagt die Glücksspiel-Aufsicht in Bezug auf den Kampf gegen Geldwäsche. Demnach hätten Kunden der Entain-Marken immer wieder hohe Geldsummen auf ihre Konten einzahlen können, ohne dass deren Herkunft durch das Unternehmen überprüft worden sei.

Tools wie ARC hätten Entain zufolge dazu geführt, das problematische Spielverhalten erheblich einzugrenzen. Dieses sei seit Einführung um rund 30 % gesunken. Aufgrund von Maßnahmen wie diesen habe das Unternehmen von der Spielerschutz-Organisation GamCare das Advanced Safer Gambling-Prädikat verliehen bekommen.

Das Entain-Management dürfte nun hoffen, mit dem gezeigten Kooperationswillen die Kommission zufriedenzustellen. Andernfalls könnten die Konsequenzen fatal sein. So hat UKGC-Chef Rhodes Entain im Wiederholungsfall bereits weitere Sanktion angedroht, die bis zum Entzug der Glücksspiel-Lizenz reichen könnten.