, 28.12.2020

Die Glücksspielmärkte auf den britischen Inseln könnten kurz vor einer umfangreichen Reformierung stehen. Sowohl in Großbritannien und Nordirland als auch in Irland haben Politik und Wirtschaft im Jahr 2020 intensiv über neue Glücksspielgesetze diskutiert. Einige davon könnten bereits im nächsten Jahr umgesetzt werden.

 

Großbritannien zwischen Brexit-Sorgen und Coronakrise

Vordergründig hatte die Glücksspielbranche Großbritanniens in diesem Jahr vor allem mit mehreren wochen- oder monatelangen Schließungen von Casinos, Wettbüros und Co. zu kämpfen. Die einzelnen Länder, England, Wales und Schottland waren dabei zum Teil sehr unterschiedlich von Lockdowns und Restriktionen betroffen.

 

Im Hintergrund der Coronakrise beschäftigten sich Politiker, Glücksspielexperten sowie Glücksspielkritiker vor allem mit der geplanten Neuregulierung des Online-Glücksspiels. Ihrem Urteil nach decke das geltende Glücksspielgesetz von 2005 diesen Bereich nicht ausreichend ab.

Im Laufe des Jahres wurden so verschiedene Forderungen laut, die das künftige Glücksspielgesetz berücksichtigen sollte:

 

  • Das Mindestalter für Lottospiele solle von 16 auf 18 Jahre angehoben werden (bereits fest beschlossen).
  • Online-Spielautomaten sollten ebenso wie Fixed-Odds-Betting-Terminals (FOBTs) ein Einsatzlimit von 2 GBP pro Spielrunde erhalten.
  • Das Online-Glücksspiel solle insgesamt verlangsamt werden (bspw. längere Spielrunden, Pausen zwischen Spielrunden).
  • Sponsorenpartnerschaften zwischen Glücksspielanbietern und Sportligen oder Clubs sollten eingeschränkt oder gänzlich verboten werden.
  • TV- und Internet-Werbung für Glücksspiele solle maßgeblich eingeschränkt oder verboten werden.
  • Die UK Gambling Comm-ission solle weitere Kompetenzen erhalten und insgesamt effizienter gegen illegales Glücksspiel durchgreifen können.
  • Glücksspielanbieter sollten weniger oder keine Lockangebote bereitstellen dürfen.
  • Glücksspielanbieter sollten Pflichtabgaben leisten, um Spielsuchtbehandlungen mitzufinanzieren.

 

Wie viele dieser Forderungen tatsächlich Gesetz werden könnten, bleibt noch immer ungewiss. Die britische Regierung betonte jedoch mehrmals, dass ein neues Glücksspielgesetz möglichst schnell auf den Weg gebracht werden solle.

 

Nordirlands Glücksspiel noch immer in den 80er Jahren

Auch in Nordirland wurde in diesem Jahr wieder viel über die Glücksspielregulierung diskutiert. Fortschritte hat es dabei kaum gegeben.

Da Nordirland zwar Teil des Vereinigten Königreiches ist, aber nicht zu Großbritannien gehört, gilt das britische Glücksspielgesetz in Nordirland nicht. Stattdessen ruht der Glücksspielsektor noch immer auf der 1985 verabschiedeten Betting, Gaming, Lotteries & Amusements Order.

Politiker des Landes fordern schon seit Jahren ein neues Glücksspielgesetz, bislang jedoch ohne Erfolg. Aus der Bevölkerung hingegen kommen zum Teil widersprüchliche Meinungsäußerung. So ergab eine Umfrage der Wohltätigkeitsorganisation CARE NI im Juli, dass ein Großteil der Nordiren sich eine striktere Glücksspielgesetzgebung wünsche.

 

Eine Erhebung des nordirischen Departement for Communities (DfC) im November hingegen ergab, dass sich ein Großteil der Bevölkerung für eine Lockerung der Gesetze ausspreche und sich Casinos, legale Poker-Turniere und höhere Einsatzlimits wünsche.

 

Irland: Ein weiteres Jahr in der Schwebe zugebracht

Die Republik Irland befindet sich in einer ähnlichen Situation wie sein Inselgefährte Nordirland. Bereits zum Jahreswechsel 2019/20 hatte die Politik sich fest vorgenommen, die seit langem geplante Glücksspielreform voranzubringen. Im Januar wurde das Glücksspiel ins Wahlprogramm mehrerer Parteien aufgenommen.

 

Das Ziel ist nach wie vor, die 2013 verfasste Gambling Control Bill auszuarbeiten und zu verabschieden. Das Gesetz würde erstmals auch das Online-Glücksspiel in Irland berücksichtigen.

 

Im Dezember dieses Jahres kündigte die irische Regierung schließlich an, ein neues Glücksspielgesetz verabschiedet zu haben. Aus den Gesetzestexten geht jedoch hervor, dass es sich hierbei ausschließlich um neue Regeln für den landbasierten Glücksspielsektor handelt.

 

Ob die Regierung der grünen Insel im nächsten Jahr auch ein Gesetz für das Online-Glücksspiel verabschiedet, bleibt zunächst weiterhin fraglich.

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