, April 16, 2019

Filesharing-Webseiten finanzieren sich größtenteils noch immer mit Werbung für Online Casinos und Sportwetten. Dies belegt eine aktuelle Studie aus Spanien, die das Beratungsunternehmen GfK zum Thema Piraterie durchgeführt hat.

 

Anfang des Monats hat die GfK seinen Bericht zur Piraterie und zum Konsum von digitalen Inhalten, den Piracy Observatory and Digital Contents Consumption Habits 2018 Report [Seite auf Englisch] veröffentlicht. Dieser war von der spanischen Vereinigung La Coalición de Creadores e Industrias de Contenidos, die die Branchen Film, Fernsehen, Musik, Verlagswesen und Videospiel vertritt, in Auftrag gegeben worden.

 

Sie untersuchte die Internet-Piraterie in Spanien anhand von Online-Umfragen, die unter mehr als 4047 Internet-Nutzern zwischen 11 und 74 Jahren durchgeführt wurden. Die Befragungen erfolgten im letzten Quartal des Jahres 2018. Dabei wurden die Umfrageteilnehmer auch zur Werbepräsenz auf den Filesharing-Webseiten befragt.

Über Filesharing-Seiten können Nutzer digitale Inhalte, wie Fotos, Filme, Musikdateien oder Videospiele herunterladen werden. Filesharing ist per se nicht illegal, da zunächst einmal Dateien jeder Art geteilt werden können. Problematisch wird es erst, wenn über Filesharing-Seiten urheberrechtlich geschützte Inhalte heruntergeladen werden können. Viele Nutzer können jedoch nur schwer zwischen legalen und illegalen Angeboten unterscheiden.

Glücksspielwerbung bei Filesharing-Angeboten

 

Die Filesharing-Webseiten, so der Bericht, seien zu über 90 Prozent werbefinanziert. Dabei handele es sich bei rund 50 Prozent um Werbung für Wetten und Online Casinos und bei 36 Prozent um Dating-Seiten. Bei beiden sei im Vergleich zum Jahr 2017 ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. So habe der Anteil an Glücksspielwerbung 2017 noch bei 68 Prozent gelegen, der Anteil der Werbung für Dating-Webseiten habe 2017 58 Prozent betragen.

 

Im Jahr 2018 dagegen sei Werbung für Verschlüsselungs-Systeme (VPN-Software) hinzugekommen. Deren Anteil läge nun bei 28 Prozent. Zudem seien Marken wie Parfüms oder Autos zu 24 Prozent beworben worden und 20 Prozent der Werbung habe aus Anzeigen für Online-Shops wie Aliexpress bestanden.

 

Internet-Piraterie ist Spanien rückläufig

 

Laut Bericht sollen die Spanier im Jahr 2018 über Filesharing-Webseiten auf rund 4,35 Milliarden illegal aus dem Netz geladene Inhalte zugegriffen haben. Dies stelle eine Verringerung um 3 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 und einen Rückgang um 12 Prozent gegenüber 2015 dar.

 

Der Wert der illegal heruntergeladenen Inhalte habe laut Angaben der Coalición de Creadores e Industrias de Contenidos bei 24 Billiarden Euro gelegen. Der Schaden für die Unterhaltungsindustrie belaufe sich damit auf fast 2 Milliarden Euro, während die Regierung rund 638 Millionen Euro verloren habe.

 

Nimmt die Glücksspielwerbung bei Filesharing-Angeboten zu?

 

1xBet Logo

Dem Glückspielanbieter 1xBet wird vorgeworfen, Werbung auf illegal geteilten Filminhalten geschaltet zu haben. (Bild: Wikipedia)

Es ist nicht das erste Mal, dass die Glücksspielindustrie die Werbepräsenz auf Filesharing-Webseiten vorgeworfen wird. So wurde in der vergangenen Woche berichtet, dass der russische Online-Glücksspielanbieter 1xBet auf Filesharing-Seiten geworben habe, die illegal Kopien beliebter US-Sendungen, wie American Gods, The 100 und Knightfall im Internet veröffentlicht hätten.

 

Der Experte für Cyber-Security, Andrey Busargin, sagte gegenüber der Nachrichtenseite TorrentFreak, Online Casinos würden zunehmend mit Filesharing-Anbietern zusammenarbeiten, um ihre Einnahmen zu erhöhen:

„Dieses Schema erlaubt es Online Casinos, Leads zu generieren wo auch immer die Nutzer die Raubkopie sehen und unabhängig davon, welche Werbung auf der Webseite mit der Raubkopie gezeigt wird.“

In Großbritannien dagegen hatte die Polizei bereits 2017 einen deutlichen Rückgang von Glücksspielwerbung auf Filesharing-Seiten bekanntgegeben. Im Juli 2016 hatte die UK Gambling Commission ihre Lizenzinhaber darauf hingewiesen, dass eine neue Voraussetzung für die Lizenz sei, dafür zu sorgen, dass keine Werbung auf Seiten mit illegalen Inhalten auftauche.

 

Dies sollte nicht nur für die Online Casinos selbst, sondern auch für Affiliates gelten. Lizenzunternehmen müssten laut Gambling Commission nun…

„(…) die Verantwortung dafür übernehmen, wenn digitale Werbung für ihre Marke auf Websites geschaltet wird, die einen Zugang zu nicht autorisierten Inhalten biete“.

Innerhalb eines Jahres war daraufhin die Glücksspielwerbung auf Seiten, die Raubkopien von Fernsehsendungen, Büchern, Musik oder Spielen anboten, um ganze 87 Prozent zurückgegangen.

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