, 22.06.2021

Glücksspielwerbung wird von Spielerschützern und Politikern oft kritisiert. Wie effektiv die Marketingbemühungen der Anbieter sind, zeigt nun eine Studie [Seite auf Englisch], die die UK Gambling Commission (UKGC) am Montag veröffentlicht hat und weiteren Anlass für Diskussion geben dürfte. Auch in Deutschland steigt der Druck auf die Unternehmen, ihre Werbung einzuschränken.

 

Laut UKGC sind die Werbemaßnahmen der Branche außerordentlich wirksam. Etwa 34 % der Personen, die in den letzten 12 Monaten spielten, hätten angegeben, aufgrund der Werbung dazu verleitet worden zu sein, bei den Glücksspielanbietern Geld zu setzen.

 

In 26 % der Fälle seien kostenlose Freispiele und weitere Bonusaktionen die wichtigsten Auslöser für das Spiel gewesen. Anzeigen und Posts in sozialen Netzwerken hätten bei 21 % der Betroffenen zur Teilnahme am Glücksspiel geführt.

 

Hohe Werbepräsenz der Glücksspielanbieter

Die Studie zeigt überdies, wie präsent die Glücksspielwerbung in britischen Medien ist. So erklärten 60 % der Befragten, mindestens einmal pro Woche Werbung oder Sponsoring von Glücksspielanbietern zu sehen. 80 % hätten sogar angegeben, in der Vergangenheit Werbung in irgendeiner Medienform registriert zu haben.

 

Mit 76 % liege der Werbekontakt im TV vorne, gefolgt von Sponsoring-Aktivitäten im TV (67 %) sowie Onlinewerbung (56 %). Nach Angaben der UKGC erstrecke sich die Wahrnehmung bei Erwachsenen über sämtliche Altersschichten, wobei Jüngere die Marketingaktivitäten überdurchschnittlich oft auf Onlinekanälen sähen.

Knapp 17 % aller Erwachsenen folgten der Studie zufolge einem oder mehreren Glücksspielunternehmen auf deren Social-Media-Kanälen. Sie seien meist männlich, zwischen 18 und 44 Jahre alt und hätten im vergangenen Monat mindestens einmal gespielt.

Dass die Werbung für Menschen mit problematischem Spielverhalten eine gefährliche Wirkung haben kann, wird ebenfalls in der Umfrage deutlich. 14,7 % hätten demnach erklärt, durch die Werbung mit dem Spielen wieder begonnen zu haben, nachdem sie eine Pause eingelegt hätten.

 

Bevorstehende Werbebeschränkungen in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es Kritik am Glücksspielmarketing. Mit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages wird sich für die Branche einiges ändern. Dies betrifft neben der Besteuerung auch die Werbung von Online-Casinos und Buchmachern.

 

Wie in Großbritannien wird es auch hierzulande Einschränkungen bei der zeitlichen Ausstrahlung von Glücksspielwerbung geben. So gilt ab 1. Juli für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casinos, dass zwischen 6 Uhr und 21 Uhr die Werbung im Rundfunk und Internet verboten ist.

 

In einer Stellungnahme kritisierte der Deutsche Sportwettenverband die mangelnde Umsetzbarkeit dieser Regelung:

Sperrzeiten für Glücksspielwerbung im Internet (Abs. 3) scheitern an der Funktionalität sozialer Medien, in denen sich Werbepostings nicht ausblenden bzw. zeitlich begrenzen lassen.

Für Buchmacher gilt außerdem, dass sie unmittelbar vor und während der Live-Übertragung von Sportereignissen auf dem übertragenden Sender keine Werbung für ihr Angebot schalten dürfen.

 

Zudem ist es den Anbietern künftig untersagt, aktive und ehemalige Sportler für sich werben zu lassen. Die Zeiten, in denen Ex-Stars wie Oliver Kahn oder Sebastian Schweinsteiger als Werbeträger auftraten, dürften damit der Vergangenheit angehören.

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