, 01.07.2017

Der Hafen von Limassol

Im südzypriotischen Limassol soll bis 2020 ein riesiger Unterhaltungskomplex entstehen. (Bildquelle)

Seit einiger Zeit ist bereits ein neues Casino für Zypern im Gespräch. Im Südteil der Insel planen der in Hong Kong ansässige Casinogigant Melco International Development Limited und die aus Florida stammende Hard Rock Cafe International Incorporation das größte integrierte Casinoresort Europas zu errichten. Standort soll die Küstenstadt Limassol sein. Im November 2016 waren Melco und Hard Rock erfolgreich aus dem Bewerbungsverfahren um die einzige zypriotische Casinolizenz hervorgegangen. Mittlerweile wurde bekannt, dass Melco mit dem Aufkauf der Anteile der Hard Rock Incorporation Mehrheitseigner geworden ist. Lediglich die zypriotische Regierung muss dem Deal noch zustimmen. Die restlichen Anteile sind im Besitz eines lokalen Unternehmens. Ein Eröffnungstermin wurde noch nicht kommuniziert, es wird jedoch mit einem Zeitpunkt Mitte 2020 gerechnet.

 

558 Millionen US-Dollar Investment

Das Investment der beiden Investoren beläuft sich in der Gesamtsumme auf geschätzte 558 Millionen US-Dollar. Allein für den Bau rechnet Zypern mit 4.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Damit soll es sich laut Präsident Nicos Anastasiades um das bisher größte Investment im Bereich Tourismus handeln. Geschätzte 300.000 bis 500.000 zusätzliche Besucher sollen so jedes Jahr auf die Mittelmeerinsel gelotst werden. Bereits jetzt macht der Tourismus 20 % der Binnenwirtschaft des wirtschaftlich angeschlagenen Landes aus. Mit dem neuen Casino sollen jetzt rund 450 Millionen Tourismuseinnahmen in die Staatskassen gespült werden. So wird Zypern nicht nur um ein Statussymbol reicher, sondern auch mit Blick auf den Landeshaushalt. Die Regierung erhofft sich von dem Projekt neben den Tourismusumsätzen außerdem rund 100 Millionen Euro Steuereinnahmen pro Jahr. Die erteilte Lizenz soll eine Gültigkeit von 30 Jahren haben. 15 Jahre lang soll den Investoren zudem das Monopol für landbasierte Casinos in Zypern garantiert sein.

 

Mammutprojekt mit 1.200 Spielautomaten

Für die gigantische Investitionssumme ist einiges geplant. Melco soll beabsichtigen, 136 Spieltische sowie 1.200 Automaten in dem Resort aufstellen zu lassen. Zum Komplex soll außerdem ein angrenzendes Hotel gehören. Dessen Pläne sind auf 500 Zimmer ausgelegt, inklusive einem Spa und einer Konzerthalle für 1.500 Personen. In einem Werbevideo werden erste Eindrücke des Komplexes vermittelt. Zu erkennen sind eine enorme Innenfläche mit hochwertiger Ausstattung, edle Boutiquen und andere Shoppinggelegenheiten, Konzertübertragungen und Bildschirme, Bars und Restaurants sowie ein beindruckender Außenbereich mit Pool und Palmen. Bis das Resort steht, erlaubt es die Lizenz den Investoren übrigens auch, übergangsweise andere Spielstätten zu errichten, die in der Zeit bis zur Fertigstellung für Einnahmen sorgen sollen. In einer Pressemitteilung beschreibt das Konsortium seine Pläne wie folgt:

„Wir greifen zurück auf Melcos weitreichende Erfahrung in der Errichtung spektakulärer integrierter Resorts in Asien sowie auf Hard Rocks Erfolgsbilanz bei der Bereitstellung durchdachter und gastronomischer Erfahrungen auf der ganzen Welt. Das Konsortium freut sich auf eine Zusammenarbeit mit der zypriotischen Regierung, um ein integriertes Casinoresort von Weltklasse zu etablieren, das der Wirtschaft und dem Tourismus in Zypern zuträglich sein wird.“

Die Zusammenarbeit mit der Regierung lässt sich diese gut entlohnen. So sollen die Investoren für die ersten vier Jahre je 2,5 Millionen Euro für die gewährte Lizenz zu entrichten haben, während dieses Privileg im Anschluss sogar 5 Millionen pro Jahr kosten soll. Der Bruttospielertrag aus dem Casino wird mit 15 % versteuert, was im europäischen Vergleich sehr niedrig ist.

 

Melco kauft Anteile von Hard Rock

Bisher hatten Melco und Hard Rock jeweils 35,37 % der Projektanteile inne. Mit der Übernahme der Hard Rock Anteile besitzt Melco jetzt 70,74 % der Rechte an dem Konsortium der ursprünglich drei Firmen und ist damit Mehrheitseigner. Der Deal muss jedoch noch von der zypriotischen Regierung abgesegnet werden. Die restlichen 29,26 % liegen beim lokalen Unternehmen CPZL (Cyprus Phassouri Zakaki Limited), einem Mitglied der CNS Group. Bei Melco ist man zuversichtlich, schließlich sei man mit der Regierung einer Meinung, dass es Zeit für ein europaweit einzigartiges Projekt sei, das zum Meilenstein der Glücksspielgeschichte auf Zypern und darüber hinaus werden solle. Mit Blick auf die bisherige Bilanz des Casinounternehmens aus Hong Kong dürften die Erfolgsaussichten nicht allzu schlecht sein. Melco ist für den Bau mehrerer erfolgreicher Resorts, Unterhaltungskomplexe und Casinos im asiatischen Raum verantwortlich. Ein Grund für den Ausstieg der Hard Rock Incorporation könnten ihre Pläne in den USA sein. Dort erwarb sie jüngst das leerstehende Trump Taj Mahal Casino in Atlantic City mit der Auflage, dieses zu restaurieren.

 

Geteiltes Zypern

Zypern ist seit 1974 ein geteiltes Land. Mit 270.000 Einwohnern ist Limassol die zweitgrößte Stadt des Inselstaates und Hauptstadt des südlichen Territoriums, der griechischen Republik Zypern. Der Nordteil ist seit den 70er Jahren unter türkischer Besatzung und als Türkische Republik Nordzypern bekannt. Dort ist das Glücksspiel bereits ein blühendes Geschäft mit mehreren Casinos auf türkischer Seite. Touristen vom türkischen Festland sowie Profispieler, die zu den Pokerturnieren im Nordteil anreisen, tragen dazu bei, dass die türkischen Besatzer ein gutes Geschäft mit ihren Casinos machen. Das neue Resort im Süden soll diesen Einrichtungen nun Konkurrenz machen und besonders Besucher aus Russland, Israel und den arabischen Emiraten ansprechen. Selbst China könne laut Experten eine potenzielle Zielgruppe sein.