, August 24, 2019

Die Spielsucht entwickelt sich in Irland zu einem immer ernsteren Problem. Wie der irische Krankenhausbetreiber Health Service Executive (HSE) jetzt bekanntgab, wurde im letzten Jahr bei der Behandlung Spielsüchtiger eine neue Rekordzahl erreicht.

 

40 % Anstieg innerhalb von sieben Jahren

Der neuen HSE-Studie zufolge wurden in den Kliniken des Gesundheitsdienstes 2018 257 Personen wegen akuter Probleme mit ihrem Glücksspielverhalten behandelt. Im Vorjahr seien es 219 Fälle gewesen, was einer Steigerung von gut 18 % entspricht. Und auch diesem Jahr sind die Zahlen weiterhin hoch, denn in den ersten vier Monaten suchten 82 Betroffene Einrichtungen der HSE auf.

 

Barry Grant, CEO der Spielschutzorganisation Problem Gambling Ireland bestätigte die Daten anhand eigener Erkenntnisse:

Über den Zeitraum von sieben Jahren sehen wir bei Menschen mit Glücksspielproblemen eine Steigerung um 40 %.

Die Aussage wird von den Ergebnissen der HSE untermauert, demzufolge die Anzahl der von einem problematischen Glücksspielverhalten betroffenen Personen seit zehn Jahren im Anstieg begriffen sei. Demnach sei seit 2010 bei insgesamt 1.750 Untersuchungen die Spielsucht als die Hauptursache für physische und psychische Beschwerden festgestellt worden.

 

Die Parlamentsabgeordnete Louise O’Reilly von der Sinn Fein-Partei sagte zu den Erkenntnissen der aktuellen Studie:

Spielsucht ist nicht unbedingt ein neues Problem, aber es ist komplexer und verbreiteter als jemals zuvor. Wir müssen sicherstellen, dass Gesundheitswesen, Gesellschaft und Politiker darauf entsprechend proaktiv reagieren.

Gleichzeitig warnte die HSE, dass ihre Ergebnisse nicht repräsentativ seien, da die Behandlung der Spielsicht nicht meldepflichtig sei. Tatsächlich dürfte die Dunkelziffer deshalb weitaus höher liegen, als nun veranschlagt. Experten gehen davon aus, dass in Irland zwischen 30.000 bis 40.000 Menschen mit der Spielsucht zu kämpfen hätten.

 

Beliebte Glücksspiele

Dabei sind es nicht nur Wetten auf traditionell beliebte Pferde- und Hunderennen, Fußballspiele oder die irischen Nationalsportarten Hurling und Gaelic Football, die sich auf der grünen Insel enormer Popularität erfreuen. Auch Lotterien, Bingo oder Online Casinos erfahren wachsende Umsätze in Irland, wo Studien zufolge etwa zwei Drittel der Bevölkerung regelmäßig zocken.

Irlands beliebteste Glücksspielarten

  1. Loskauf im Geschäft
  2. Glücksspiele bei Buchmachern
  3. Wetten auf Pferde- und Hunderennen
  4. Spielautomaten
  5. Bingo
  6. Online Glücksspiele
  7. Online Lotterien
  8. Spielcasinos

Quelle: Gesundheitsministerium Irland

Die Einnahmen der Anbieter gehen dabei eindeutig zulasten der Spieler. Wie die britische Tageszeitung The Sun feststellte, verlieren die Iren im Jahr rund 2,2 Milliarden Euro an die Glücksspielunternehmen. Mit durchschnittlichen Pro-Kopf-Verlusten von 470 € [Seite auf Englisch] liegt Irland in dieser Kategorie demnach weltweit auf dem dritten Rang.

 

Die HSE sieht für die Bevölkerung durch die negativen Auswirkungen des Glücksspiels inzwischen eine ähnliche Bedrohung, wie durch Alkohol- und Drogenmissbrauch. Dabei sind es vor allem junge Männer, die von der Spielsucht besonders oft betroffen werden.

 

Fehlende Glücksspielregulierung

Glücksspielbetriebe wie Wettbüros oder Casinos sind online wie offline legal. Es gibt jedoch keinerlei Regulierung in Bezug auf den allgemeinen Schutz aller Spieler und insbesondere den Jugendschutz oder Beschränkungen hinsichtlich der Werbung von Buchmachern und Casinos.

 

Politiker fordern deshalb ein verstärktes Vorgehen gegen die Glücksspielbranche. So kritisierte Louise O’Reilly die aus ihrer Sicht zu laxe Haltung der Regierung:

Die Spielsucht ist zu schwerwiegend für unser Gesundheitswesen, und die Glücksspielindustrie kann nicht unreguliert weitermachen. Das Thema ist zu ernst für die Regierung, als dass sie ihre Verantwortung einfach aufgeben und anderen überlassen kann.

Zwar wird seit vielen Jahren über die Einführung entsprechender rechtlicher Grundlagen diskutiert, die Bemühungen für ein staatliches Glücksspielgesetz, die sogenannte Gambling Control Bill, liegen jedoch seit 2013 mehr oder minder auf Eis.

 

Zudem wurden die Pläne des irischen Finanzministers Paschal Donohoe zur Erhöhung der Steuer auf Sportwetten von 1 % auf zwei 2 % nach starken Protesten der Buchmacher ausgesetzt. Auf diese Weise entgehen dem irischen Staat rund 50 Millionen Euro an Steuereinahmen.

 

Vielleicht tragen die beunruhigenden Zahlen der HSE dazu bei, dass sich die verantwortlichen Politiker des Themas erneut annehmen, damit in Irland künftig die Voraussetzungen für ein verantwortungsvolles Spiel gegeben sind.