, 04.09.2020

Glücksspielern im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh könnte künftig eine Gefängnisstrafe für die Teilnahme am Online-Glücksspiel drohen. Die Regierung des Staates hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass insbesondere die Online-Glücksspiele Rummy und Poker stärker bekämpft werden sollen.

 

Wie die indische Zeitung Bangalore Mirror am Donnerstag berichtet hat [Seite auf Englisch], seien zur Durchsetzung des Verbotes maßgebliche Änderungen am Glücksspielgesetz von 1974 vorgenommen worden. Erstmals drohe sowohl den Betreibern des Online-Glücksspiels als auch den Teilnehmern eine Haftstrafe für ihre Aktivitäten.

Das Glücksspiel ist in ganz Indien grundsätzlich nur begrenzt legal. Je nach Bundesstaat gelten jedoch andere Gesetze und andere Konsequenzen für die Teilnahme am illegalen Glücksspiel. Die einzigen landesweit legalen Glücksspiele sind Lotteriespiele und Pferdewetten. Lediglich in den Bundesstaaten Goa und Sikkim gibt es auch Casinos.

Auf die Betreiber könne bei erstmaligem Verstoß eine Gefängnisstrafe von einem Jahr zukommen. Bei Wiederholung werde diese auf zwei Jahre erhöht. Glücksspieler hingegen hätten für die Teilnahme an den verbotenen Spielen mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten zu rechnen.

 

Ministerpräsident Y S Jagan Mohan Reddy und sein Kabinett hätten diese Änderungen bereits abgesegnet. Als Grund dafür hätten sie den Jugendschutz genannt. So stellten in den Augen des Gesetzgebers die Online-Spiele ein besonders hohes Risiko für junge Menschen dar.

 

Der Informationsminister des Bundesstaates, Perni Venkataramaiah habe das Glücksspiel in dem Zusammenhang als ein „Laster“ bezeichnet, welches die Jugend „irreleite“.

 

Online-Glücksspiel leicht verfügbar

Inwiefern die Regierung die Beteiligung am Online-Glücksspiel jedoch kontrollieren wolle, scheint nicht präzisiert worden zu sein. So könnten insbesondere Glücksspielunternehmen mit Sitz im Ausland auch weiterhin fast ungehindert auf dem indischen Markt präsent sein.

 

Laut dem indischen Investmentunternehmen Maple Capital Advisors generiere der indische Online-Glücksspielmarkt heute umgerechnet mehr als 785,4 Mio. Euro pro Jahr. Die Zahl der Spieler wachse seit Jahren mit der Verbreitung und Verbesserung des Internets in Indien.

 

Daher wurde auch in Indien bereits viel darüber diskutiert, ob eine Legalisierung des Glücksspiels eine sinnvolle Lösung darstellen könnte. Erst im März erklärte die indische Anwältin Ranjana Adhikari gegenüber der Presse.

Man muss den Kopf in den Sand stecken um nicht zu erkennen, dass es [das Glücksspiel, Anm. d. Verf.] schon existiert. Der Schwarzmarkt ist in den letzten sieben Jahren massiv gewachsen. Die Steuern gehen verloren und die vielen Personen, die bereits teilnehmen und den Verlust ihres Geldes riskieren, können nicht geschützt werden.

Eine Legalisierung könne daher sowohl den Spielern als auch dem Staat helfen. Angesichts der neuesten Entwicklung in Andhra Pradesh dürfte sich Indien jedoch erneut von diesem Ziel entfernt haben.