, 19.10.2020

Die Gaming in Germany Conference 2020 findet am heutigen Montag, den 19. Oktober, im Grand Hyatt Hotel in Berlin statt. Casinoonline.de hat mit Willem van Oort, dem Gründer von Gaming in Germany und Veranstalter der Konferenz, über die bevorstehende Glücksspielregulierung in Deutschland gesprochen.

 

Casinoonline.de: Können Sie sich und Ihre Rolle bitte kurz vorstellen?

 

Willem van Oort: Ich bin Unternehmensberater und habe mich auf regulierte Märkte konzentriert. Ich bin außerdem Gründer mehrerer B2B-Communities, der Gaming in Holland, Gaming in Spain und Gaming in Germany, in deren Rahmen ich Veranstaltungen und Webinare organisiere. Wir veröffentlichen auch regelmäßig elektronische Newsletter und Printmagazine.

 

Casinoonline.de: Seit wann beobachten Sie die Gaming Szene in Deutschland?

 

Willem van Oort: Deutschland ist in jeder Hinsicht ein Schlüsselmarkt in Europa. Da ich in der Vergangenheit in Deutschland gearbeitet und gelebt habe, habe ich mindestens in den letzten zehn Jahren die Entwicklungen im Auge behalten.

 

Die Gaming in Germany Conference 2020 in Berlin

Willem van Oort spricht anschließend über die Gaming in Germany Conference 2020 und führt aus, wer die Konferenz veranstaltet, welcher Intention sie folgt und wer voraussichtlich teilnehmen wird.

 

Casinoonline.de: Wer beauftragt die Konferenzen und gibt es weitere ähnliche Formate in anderen Ländern?

 

Willem van Oort: Das tun wir. Wir haben natürlich Sponsoren, sind aber völlig unabhängig und möchten allen relevanten Interessengruppen eine neutrale Plattform bieten. Wir organisieren ähnliche Konferenzen in Spanien und den Niederlanden. Ich denke, es ist kein Zufall, dass wir bei früheren Veranstaltungen die Direktoren der Regulierungsbehörden in diesen Ländern neben verantwortlichen Glücksspiel-Experten und Branchenvertretern als Redner begrüßen konnten.

 

Willem van Oort

Willem van Oort ist der Veranstalter der Gaming in Germany Conference 2020. (Bild: facebook.com)

Casinoonline.de: Was ist der Hauptauftrag von Gaming in Germany?

 

Willem van Oort: Wir wollen eine Business-Interessengruppe sein. Unser ausdrückliches Ziel ist es, ein führendes Portal für den Informationsaustausch zu sein, der die meist international ausgerichtete Branche mit allen relevanten nationalen Interessengruppen verbindet.

 

Casinoonline.de: An wen richtet sich die Konferenz? Wer sollte teilnehmen?

 

Willem van Oort: Die Gaming in Germany Conference richtet sich hauptsächlich an Entscheidungsträger, um neue Informationen und Erkenntnisse zu gewinnen und Standpunkte mit ihren Kollegen auszutauschen.

 

Casinoonline.de: Wie groß ist der Zuspruch bislang bzgl. der erwarteten Teilnehmerzahlen?

 

Willem van Oort: Es ist offensichtlich, dass die anhaltende Pandemie zu ernsthaften Beeinträchtigungen geführt hat, so dass wir etwa nur die Hälfte der über 100 Teilnehmer begrüßen werden, die wir ursprünglich erwartet hatten. Wir haben auch ein paar Dutzend Teilnehmer, die online an unserem Konferenz-Live-Stream teilnehmen werden, aber das ist leider nicht dasselbe, wie wenn alle anwesend sind, um Meinungen auszutauschen und persönliche Beziehungen aufzubauen.

 

Glücksspielneuregulierung in Deutschland aus Sicht des Experten

Die Übergangsphase für Online-Poker- und Glücksspielanbieter hat am 15. Oktober begonnen. Bis zum Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags im Juli 2021 sollen die Glücksspiel-Unternehmen sich bewähren und sich an die Richtlinien anpassen. Willem van Oort nimmt auch dazu Stellung.

 

Casinoonline.de: Wie sehen Sie die Chancen und Risiken für Unternehmen der Gaming Industrie in Deutschland anhand der geplanten Regulierungsmaßnahmen?

 

Willem van Oort: Für private Sportwetten-Anbieter sehe ich erhebliche Chancen. Derzeit sind sie der große Gewinner. Für Casino-Betreiber scheint es überhaupt keine gleichen Wettbewerbsbedingungen zu geben. Apropos Casino: Wenn man nicht irgendwo anfängt, kann man auch nicht sehen, was funktioniert.

 

Casinoonline.de: Wie sehen Sie die geplante deutsche Glücksspielgesetzgebung im Vergleich zu anderen regulierten europäischen Märkten?

 

Willem van Oort: In den meisten Märkten wurde das Online-Glücksspiel reguliert, da den Gesetzgebern schließlich klar wurde, dass die Maßnahmen die Verbraucher nur sehr begrenzt von illegalen Online-Angeboten fernhalten können, wenn keine attraktive regulierte Alternative vorhanden ist.

 

In Deutschland spiegelt sich diese Erkenntnis deutlich im vorgeschlagenen Sportwetten-System wider, jedoch nicht so sehr in der entsprechenden Casino-Regelung. Diesbezüglich ist Deutschland ziemlich einzigartig.

 

Casinoonline.de: Was können Casinos und Affiliates in Deutschland von vorangegangenen Regulierungen, z. B. in Niederlanden und Schweden, lernen?

 

Willem van Oort: Der regulierte niederländische Online-Markt soll derzeit am 1. September 2021 – einige Monate nach Deutschland – eröffnet werden. Aber für Casinos sind die Aussichten dort zumindest viel besser.

 

In Schweden scheint es privaten Gruppen schwer zu fallen, ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen. Angesichts der Bevölkerungszahlen ist der schwedische Markt relativ klein und die Anzahl der lizenzierten Betreiber vergleichsweise hoch.

 

Eine Sache, die Schweden nicht richtig verstanden hat, ist, dass die lokale Regulierungsbehörde die neuen Vorschriften nicht ausreichend im Voraus geklärt hat. Mehr als einmal hat dies zu Unverständnis und Frustration unter den Betreibern geführt.

 

Partnerunternehmen und der Glücksspielstaatsvertrag

Willem van Oort bezieht ebenfalls Position zu Partnerunternehmen, den sogenannten Affiliates, und deren Optionen, auch künftig auf dem Glücksspielmarkt in Deutschland aktiv sein zu können.

Partnerunternehmen und der Glücksspielstaatsvertrag

 

Für Affiliates ist ein Passus des § 5 des GlüStV interessant:

 

„(6) Für Werbung für Glücksspiele, an denen gesperrte Spieler nach § 8 Absatz 2 nicht teilnehmen dürfen, im Internet, insbesondere in Form von Affiliate-Links, darf keine variable, insbesondere umsatz-, einzahlungs- oder einsatzabhängige, Vergütung vereinbart oder gezahlt werden.“

 

In den Erläuterungen des GlüStV 2021 heißt es, dass derartige variable Vergütungen, […] die sich an der Höhe der Einsätze, der Einzahlungen oder der Verluste des geworbenen Spielers orientierten, die Gefahr bürgen, dass der Dritte, der den Spieler einwerbe [also der Affiliate-Plattform-Betreiber, Anm. der Redaktion], darauf hinwirke, dass der Spieler möglichst hohe Einsätze, Einzahlungen oder Verluste tätige, und ihn so zu übermäßigen Ausgaben für Glücksspiele verleite.

Casinoonline.de: Wie ist Ihre Meinung zum Verbot der Art der Vergütung der Affiliates, die derzeit noch praktiziert wird?

 

Willem van Oort: Die vorstehende Bestimmung erschwert es lizenzierten Betreibern und verbundenen Unternehmen erheblich, eine angemessene Vergütung für deren Dienstleistungen zu vereinbaren.

 

Partner können Spieler entweder zu regulierten oder zu nicht regulierten Angeboten weiterleiten. Und diese Bestimmung dürfte die Wettbewerbsfähigkeit von Affiliates stärken, die Spieler an Betreiber weiterleiten, die nicht an deutsche Vorschriften gebunden sind.

 

Kurz gesagt, obwohl ich aus einer verantwortungsvollen Spielperspektive das Denken hinter dieser Bestimmung verstehe, bin ich mir ziemlich sicher, dass es kontraproduktiv sein wird und nur dazu führen kann, den Schwarzmarkt zu stärken.

 

Im Allgemeinen sollte das Spielerverhalten auf Spielerebene und nicht auf Marketingebene gesteuert werden. Dies bedeutet nicht, dass Marketing in Bezug auf die potenziellen Risiken, die mit dem Spielen verbunden sind, nicht fair und ehrlich sein sollte.

 

Es ist aber nicht gut, zu früh blinden Alarm zu schlagen, da das Risiko besteht, dass Warnungen ihre Macht verlieren und nicht länger wirken, wenn tatsächlich problematisches Spielverhalten vorliegt.

 

Insbesondere beim Online-Glücksspiel können die Betreiber das Spielverhalten sehr genau überwachen, um frühzeitig Hinweise auf riskantes Verhalten zu erhalten. Dies ermöglicht es einzugreifen, wenn ein tatsächliches Problem vorliegt, ohne das Risiko einzugehen, verantwortungsvolle Freizeitspieler zu desensibilisieren.

 

Casinoonline.de: Könnte das Verbot eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit bedeuten? Hätten Partnerunternehmen Aussichten auf Erfolg, wenn beim EUGH dagegen geklagt wird?

 

Willem van Oort: Dies überlasse ich den Juristen.

 

Casinoonline.de: Wie könnte ein nachhaltiges alternatives Vergütungsmodell für Affiliates aussehen?

 

Willem van Oort: Möglicherweise ein festes Entgelt für jeden Monat, in dem ein Spieler aktiv ist, ähnlich wie bei einem Zeitungsabonnementservice.

 

Casinoonline.de: Die von Affiliates betriebenen Vergleichsplattformen könnten auch dem Spielerschutz zuträglich sind, da bei den Reviews seriöse Anbieter von den unseriösen getrennt werden. Auf welche Weise könnten Affiliates noch zum Spielerschutz beitragen?

 

Willem van Oort: Um einen gut funktionierenden, regulierten Markt zu schaffen, müssen die Verbraucher den Weg zu lizenzierten Betreibern finden können. Es ist offensichtlich, dass Partnerunternehmen in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen können.

 

Affiliates müssen sich verpflichten, das regulierte Angebot auf konforme Weise zu fördern, Boni zu begrenzen und verantwortungsbewusstes Spielen zu fördern, wenn dies erforderlich oder angemessen ist.

 

Ebenfalls wichtig: Beim Vergleich von Betreibern sollten die Partnerunternehmen nicht vergessen, die verantwortungsvollen Glücksspielrichtlinien dieser Betreiber zu beurteilen. Sicherheit verkauft sich hier genauso wie im Autohandel.

 

Eine solche Annäherung an das Affiliate-Geschäft muss jedoch wirtschaftlich rentabel sein. Andernfalls müssen verantwortungsbewusste Partner den Markt verlassen und werden durch Offshore-Wettbewerber ersetzt, denen die Regeln egal sind. Ich denke nicht, dass das in irgendjemandes Interesse ist.

 

Casinoonline.de: Die Redaktion von Casinoonline bedankt sich für die interessanten und wichtigen Informationen.

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