Mittwoch, 28. September 2022

Irland: Sportverbände fordern Werbe­verbot für Glücks­spielanbieter

Hurling-Spieler

In Irland erhält der Widerstand gegen die Ausstrahlung von Glücksspielwerbung während der Übertragung von Sportveranstaltungen neue Unterstützung. Die beiden Verbände Gaelic Athletics Association (GAA) und Gaelic Players Association (GPA) haben sich für eine schärfere gesetzliche Regelung des Sport-Sponsorings in Irland ausgesprochen. Dazu zähle nach Ansicht der Verbände ein Verbot der Werbung von Sportwettenanbietern während Live-Spielen.

Die Gaelic Athletic Association tritt für die Interessen von gälischen Sportarten wie Hurling, Camogie, Gaelic Football und Gaelic Handball ein. Für die Vertretung der in den gälischen Sportarten Aktiven ist die Gaelic Players Association zuständig. Hurling und Co. erfreuen sich in Irland sehr großer Popularität. So wird das Finale der All-Ireland Senior Hurling Championship alljährlich vor über 82.000 Zuschauern im Croke Park-Stadion von Dublin ausgetragen.

Bei ihrer Forderung nach einem Werberückzug verweisen die Verbände auf Großbritannien. Dort wurden der Glücksspielbranche bereits in der Vergangenheit umfangreiche Grenzen für Werbung bei Sportübertragungen gesetzt.

Während im Nachbarland im Zuge der anstehenden Neuformulierung des Glücksspielgesetzes über weitere Maßnahmen, wie z. B. einem Verbot des Trikot-Sponsorings diskutiert werde, verschleppe die irische Regierung eine vergleichbare Entscheidung, so Vertreter der Verbände. Deshalb werde man sich weiter für eine Einschränkung einsetzen.

Jennifer Roger, Welfare-Manager der GPA, erklärte gegenüber der Zeitung Irish News:

Das werden wir weiterhin nachdrücklich befürworten, wenn es darum geht, Werbung während der Übertragung von Live-Spielen zu verbieten.

Sobald der Sport die Corona-Krise hinter sich gelassen habe, werde der Verband „jede Möglichkeit nutzen“, um einen überfälligen Wandel herbeizuführen.

Kein vergleichbares Engagement in Deutschland

GPA und GAA bekämpfen die Werbung der Buchmacher bereits seit Jahren. Schon 2018 forderte die GAA ein komplettes Sponsoring-Verbot für Glücksspielunternehmen. Ein entsprechender Beschluss war damals von 93 % der Mitglieder unterstützt worden.

Im Vergleich dazu halten sich die Sportverbände in Deutschland auffällig zurück. Obwohl sich Glücksspielanbieter das Sport-Sponsoring nach Recherchen des Branchenmagazins Sponsors jährlich über 43 Millionen Euro kosten lassen, wird selten Kritik an dieser Praxis laut.

Grund dafür gäbe es genug, schließlich operiert der Glücksspielbereich hierzulande vielfach noch immer in einer rechtlichen Grauzone. Eine von bedeutenden Vertretern des Sports getragene Initiative zur Beendigung des Glücksspiel-Sponsorings gab es in Deutschland bisher allerdings nicht.