, 18.04.2019

Am Mittwoch veröffentlichte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V (DHS) ihr Jahrbuch Sucht 2019, in welchem aktuelle Zahlen zum legalen und illegalen Drogenkonsum sowie zu anderem abhängigen Verhalten dargestellt werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei in diesem Jahr auf dem Thema Glücksspiel und Spielsucht.

 

Goldgrube Spielautomaten

Die rechtliche Lage rund um das Glücksspiel in Deutschland ist kompliziert und verworren. Trotzdem spielen die Deutschen mehr denn je, wie aktuelle Zahlen belegen. Doch was dabei legal und was illegal ist, weiß nicht unbedingt jeder, der dem Glücksspielvergnügen nachgeht.

 

In der Folge erlebte die Glücksspielindustrie über die letzten Jahre auf fast allen Ebenen einen starken Boom, sowohl im weitgehend legalen landbasierten Glücksspiel als auch auf den vielen derzeit in Deutschland illegalen Online Glücksspielportalen.

 

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen seien Spielautomaten in Spielhallen und Gaststätten besonders gewinnbringend für die deutsche Glücksspielindustrie. Allein im Jahr 2017 hätten die Betreiber der Geräte gut 7,1 Mrd. Euro Gewinn gemacht.

 

Diese Summe entspräche einem Marktanteil von 58 %. Insgesamt jedoch setzten die Deutschen im selben Jahr 46,3 Mrd. Euro im legalen landbasierten Glücksspiel, darin eingeschlossen auch die großen legalen Spielbanken des Landes.

Von allen Formen des Glücksspiels in Deutschland werden bei den landbasierten Geldspielgeräten die wenigsten Gewinne zurück an die Spieler ausgeschüttet. Gerade bei älteren Geräten, die in den letzten Jahren landesweit nach und nach ausrangiert werden mussten, sind die Auszahlungsquoten oft recht niedrig, besonders im Vergleich zu Online Casinos, die wiederum in Deutschland derzeit illegal sind.

Seit 2014 gelten in Deutschland neue Spielautomaten-Regelungen, gemäß derer alle Geräte der sechsten Novelle der Spielverordnung (SpielV) entsprechen müssen. Im Rahmen der neuen Verordnung mussten ab November 2018 alle Spielautomaten auf technischer Ebene modernisiert werden.

 

Nicht nur müssen die Automaten seither über Kartenlesegeräte verfügen, sondern es gibt auch niedrigere Einsatzlimits und zeitliche Begrenzungen beim Spielen. Laut der DHS jedoch würde die Automatenindustrie sich noch immer nicht überall an die neuen Standards halten.

 

Suchtgefahr bei illegalen Online Spielen

Obwohl die altbekannten Spielautomaten offensichtlich nicht aus der Mode geraten, boomt auch das in Deutschland gesetzlich verbotene Online Glücksspiel. Besonders attraktiv seien laut Angaben der DHS Online Casinos, in welchen Spielautomaten, Tischspiele, Lotterien und Co. angeboten würden.

 

Spielautomat

Noch immer zu viele veraltete Spielautomaten (Bild: CasinoOnline)

Im Jahr 2017 erwirtschafteten die Online Casinos geschätzte 1,76 Mrd. Euro brutto, was einen Anstieg von 47 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr bedeutete. Damit überträfen die Online Casinos sogar die Online Buchmacher für Sport- und Pferdewetten, die im Jahr 2017 lediglich 1,02 Mrd. Euro brutto erwirtschafteten.

 

Besonders gefährlich seien Spiele, die mit sehr hohen Gewinnen lockten. Die DHS sprach in diesem Zusammenhang von einer „stimulierenden Wirkung“, die „das Abtauchen aus der Alltagsrealität und die Jagd nach einem Verlustausgleich“ fördere.

 

Doch während sich die Organisation dabei hauptsächlich auf die veralteten Spielgeräte bezog, gilt dies heute umso mehr für die vielen Online Automaten, die mit zum Teil gigantischen Jackpots werben.

 

Laut dem aktuellen Jahrbuch Sucht wiesen gut 326.000 Menschen in Deutschland problematisches Spielverhalten auf. Hinzu kämen 180.000 Personen, die bereits an einer ausgeprägten Spielsucht litten.

 

Besonders problematisch daran sei, dass ein sehr großer Teil aller Bruttospielerträge von genau diesen problematischen oder pathologischen Spielern käme.

 

Radikale Gegenmaßnahmen gefordert

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen beklagt, dass in Deutschland auf politischer und rechtlicher Ebene nicht genug gegen die aktuellen Trends getan werde.

 

Vor einer Liberalisierung des Online Glücksspiels, wie sie beispielsweise die Landesregierungen Schleswig-Holsteins und Hessens anstreben, warnt die DHS eindringlich.

 

Die deutschen Glücksspielaufsichten seien der nötigen Kontrolle des Online Glücksspielmarktes derzeit nicht gewachsen. Man solle zunächst abwarten, welche Ergebnisse die Liberalisierung des Sportwettenmarktes im Jahr 2020 bringen werde und diese dann sorgfältig auswerten.

 

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Netzsperren wie diese aus den Niederlanden als Lösung genannt (Bild: Slotsheaven)

Als wichtige Sofortmaßnahme wurde aber ein komplettes Werbeverbot inklusive Dachmarkenwerbung genannt, damit Spieler nicht mehr den Eindruck erhielten, Online Casinos seien legal, da sie im Fernsehen und anderen Medien beworben würden.

 

Auch auf technischer Ebene sollen Hilfsmittel eingesetzt werden, die den Zugang zum illegalen Online Glücksspiel erschweren. Genannt wurden beispielsweise Filtersoftwares, die auf Computern, Smartphones und Co. gezielt Online Casinos blockieren.

 

Zahlungsblockaden seitens der Banken, wie sie in einigen anderen europäischen Ländern bereits eingesetzt werden, stehen ebenfalls zur Diskussion. Die DHS schlägt auch vor, dass es nur ein einziges Zahlungssystem für alle Glücksspielanbieter geben solle, welches die Glücksspielaufsichten effizient kontrollieren könnten.

 

Für die aktuellen politischen Diskussionen um die Legalisierung von Sportwetten und Online Casinos dürften die aktuellen Zahlen ohne Zweifel interessant sein. Inwiefern diese den nächsten Glücksspielstaatsvertrag beeinflussen werden, bleibt abzuwarten.