, 05.04.2019

Die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten hat in dieser Woche einen neuen Report zum Thema Spielverhalten und Spielsucht veröffentlicht.

 

Die Studie (Link auf Schwedisch), die im Jahre 2018 durchgeführt wurde und an der knapp 5000 Personen im Alter zwischen 16 und 87 Jahren teilnahmen, förderte überraschende Ergebnisse zutage. So zeigten 64 % der weiblichen Spielerinnen Symptome eines pathologischen Spielverhaltens.

 

Die Zahl der weiblichen Suchtbetroffenen ist damit erstmals höher als die der Männer und stieg zwischen 2015 und 2018 um insgesamt 18 %.

Problematisches und pathologisches Spielen in Deutschland

Laut einer statistischen Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) lag die Zahl der Problemspieler- und Spielerinnen im Jahre 2018 bei 326.000. Im Untersuchungsspektrum des pathologischen Spielens wurden im selben Zeitraum 180.000 Personen gezählt.

 

Verfolgt man die Studien der BzGA bis ins Jahr 2012 zurück, so lässt sich feststellen, dass die Zahl der pathologischen Spieler in den letzten 6 Jahren sank und die Zahl der Problemspieler stieg.

Zahl der Problemspieler beunruhigt schwedische Behörden

 

Parallel zur Zahl der pathologischen Spielerinnen wuchs laut der Untersuchung auch die Zahl der männlichen und weiblichen Problemspieler.

 

Im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahre 2015 verzeichneten die Behörden im Jahre 2018 50 % mehr Problemspieler. Für die Studienverantwortlichen unter Leitung der Wissenschaftlerin Ulla Romild ist dies ein Grund zur Besorgnis.

 

Da das Problem nicht auf eine demographische Gruppe begrenzt sei, dürften Untersuchungen zu Suchtprävention und Behandlung nicht das große Spektrum des Krankheitsbildes aus den Augen verlieren, wie sie der britischen BBC sagte:

„Unser Fokus richtet sich nicht nur auf Menschen mit Spielsucht, sondern ist weiter gefasst. Wir sind mehr an der größeren Gruppe von Menschen interessiert, die die schädlichen Auswirkungen spüren. Einer Kombination von Personen mit moderatem Risiko und Problemspielern.“

Besonders anfällig für problematisches Spielen seien Personen, die Glücksspiel und Alkohol kombinierten. So lag die Zahl der Problemspieler ohne riskanten Alkoholkonsum laut der Studie bei nur 1 %. Die Zahl der Personen mit problematischem Spiel- und Trinkverhalten lag hingegen bei 2.9 %.

 

Spielstatistiken für Schweden

 

Einige Schlussfolgerungen lässt der Bericht auch über die Spielvorlieben der Schweden zu. So gaben 50 % der Befragten an, zwischen 2017 und 2018 die schwedischen Lotterien genutzt zu haben.

 

16 % der Studienteilnehmer nahmen in dieser Periode außerdem die Angebote von Sportwettenanbietern wahr.

 

Im Vergleich zum Untersuchungsbericht aus dem Jahre 2015 stieg zudem die Zahl der Bingospieler innerhalb von drei Jahren. Während sie 2015 bei 6 % lag, lag sie 2018 schon bei 9 %.

 

Wappen Behörde

Das Wappen der Behörde Folkhälsomyndigheten. (Quelle: https://twitter.com/folkhalsomynd)

Dafür spielten weniger Schweden an den Spielautomaten der landbasierten Casinos. Die Spielerzahl sank von 7 % auf 4 %.

 

Eine ähnliche Negativtendenz erlebte das Pokerspiel in Schweden. Statt 4 % (2015) spielten nur noch 2 % der Befragten im Untersuchungszeitraum Poker.

 

Während Spieler dem landbasierten Glücksspielmarkt in Schweden den Rücken zu kehren scheinen, wuchs die Zahl der Online-Spieler zwischen 2015 und 2018 von 18 % auf 21 %.

 

Trotz der leicht veränderten Verhaltensweisen blieb die Gesamtbeteiligung am Glücksspiel alles in allem konstant und betrug sowohl im Jahr 2015 als auch im Jahr 2018 58 %.

 

So wollen die schwedischen Regulatoren die Spielsucht bekämpfen

 

Die Glücksspielregulatoren des Landes haben in den letzten Monaten immer wieder versucht, Spielsucht und problematisches Spielen durch praktische Maßnahmen zu bekämpfen.

 

Eine Idee bestand darin, ein Werbeverbot für Sportwetten während Live-Übertragungen einzuführen.

 

Boot im Wasser

Glücksspielanbieter haben in Schweden trotz Lizenzen keine leichte Fahrt. (Quelle: Pixabay)

Der Vorschlag der schwedischen Verwaltungsbehörden schien auch bei der Bevölkerung auf offene Ohren zu stoßen.

 

So waren laut einer Umfrage des schwedischen Marktforschungsunternehmens Sifo 53 % der Schweden für ein Verbot von Glücksspielwerbung. 87 % der befragten Personen gaben an, dass bereits jetzt zu viel Glücksspielwerbung im Fernsehen laufe.

 

Dies könnte ein Problem für die Glücksspielindustrie des Landes darstellen. Nach der Legalisierung von Online Casinos und der Einführung der Vergabe von Privatlizenzen dürfte die Glücksspielindustrie ein gesteigertes Interesse an der Präsentation ihrer Produkte haben.

 

Ob die Regulatoren ernst machen und ein Werbeverbot erlassen, um die Suchtprävention zu fördern, könnten schon die nächsten Monate zeigen.