, 15.04.2021

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat am Mittwoch das Jahrbuch Sucht 2021 vorgestellt. Diesem zufolge wurde während der Corona-Pandemie hierzulande mehr Alkohol und Tabak konsumiert. Eine Zunahme der Spielsucht habe die DHS nicht feststellen können. Sie warnt jedoch vor einem Anstieg nach der Legalisierung des Online-Glücksspiels in diesem Sommer.

 

In ihrem Jahrbuch untersucht die DHS Trends beim Konsum von Alkohol, Tabak und legalen wie illegalen Suchtstoffen sowie dem Glücksspiel in Deutschland. In ihrem neuen Bericht stellt die Organisation fest, dass vor allem Alkohol in Krisenzeiten als vermeintlicher Stresslöser angesehen werde. Hochrechnungen zufolge seien rund 1,6 Mio. Menschen zwischen 18 und 64 Jahren alkoholabhängig.

Die DHS hebt in ihrer Studie auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Suchtberatung hervor. Da persönliche Gespräche in den Beratungsstellen entfielen, fehle der regelmäßige Austausch mit Suchtkranken. Die verfügbaren digitalen Angebote könnten den persönlichen Kontakt nicht gänzlich ersetzen. Dies, verbunden mit anhaltend hohem Gesprächsbedarf, verstärke nach Ansicht von Fachleuten die Suchtgefahr und das Rückfallrisiko der Betroffenen.

Beim Thema Rauchen stellte die Hauptstelle trotz gesunkenem Pro-Kopf-Verbrauch bei Fertigzigaretten 2020 einen gesteigerten Konsum fest. Verantwortlich dafür sei der gestiegene Absatz bei den preiswerteren selbstgedrehten Zigaretten. Der DHS zufolge habe auch der Medikamentenmissbrauch zugenommen.

 

Andere Entwicklung im Glücksspielbereich?

Im Gegensatz zu den steigenden Zahlen bei Alkohol & Co. verzeichneten die Suchtexperten beim Glücksspiel keine signifikante Zunahme. Dies läge zum einen an der Corona-bedingten Schließung von Wettbüros und Spielhallen, die dem terrestrischen Geschäft im vergangenen Jahr kräftige Einbußen beschert habe.

 

Zugleich hätten sich Befürchtungen, dass sich Spieler aufgrund der Schließungen dem Online-Glücksspiel zuwenden könnten, bisher nicht bestätigt. Teilweise sei sogar das Gegenteil der Fall, so Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht e.V. (FAGS):

Wir beobachten während der Corona-Krise auch positive Effekte auf das Suchtverhalten. Glücksspielende, die bisher in Spielhallen gespielt haben, wandern nicht zwangsläufig ins Internet ab. Es gibt Berichte von Betroffenen, die den Lockdown als Ausstieg aus der Sucht genutzt haben und inzwischen spielfrei sind.

Die Expertin warnt jedoch, dass die mit dem Glücksspielstaatsvertrag einhergehende weitreichende Legalisierung des Online-Spiels einer “Kundenbeschaffungsmaßnahme in diesem gefährlichen Markt” gleiche.

 

Eine weitere Gefahr des Online-Glücksspiels sei, dass es unauffällig vonstatten gehe. So könnten am Smartphone leicht Casino-Games gespielt oder Wetten platziert werden, während es so aussehe, als scrolle der Spieler durch das Internet oder schreibe eine Mail. Es sei somit “sozial verträglich, quasi vor aller Augen zu zocken“, so die FAGS-Vorsitzende.

 

Inwieweit sich der Glücksspielstaatsvertrag auf die Spielsucht auswirkt, wird der kommende Suchtbericht zeigen. Dann dürfte ebenfalls ersichtlich werden, ob die Wiedereröffnung von terrestrischen Spielhallen und Wettbüros zu einem erneuten Anstieg des problematischen Spiels geführt hat.