, 06.04.2021

Der ehemalige Fußball-Kommentator Werner Hansch (82) hat in einem Interview mit Bild am Sonntag über seine Spielsucht berichtet. Etwa eine halbe Million Euro habe er verzockt. Hansch erzählte, wie alles begann und wie er zurück ins Leben gefunden habe.

 

Zum ersten Besuch in einem Wettbüro sei es durch Zufall gekommen. Jemand habe ihn erkannt und ihn hereingerufen. Dort sei ihm angeboten worden, auf ein Pferd zu setzen, das nicht verlieren könne. Er habe 20 Euro gesetzt und eine Auszahlung von 40 Euro erhalten.

 

Zwei Wochen später habe er noch einmal beim Wettbüro vorbeigeschaut. Von diesem Zeitpunkt an sei er bei den Pferdewetten geblieben, berichtet der 82-Jährige. Seine Spielsucht sei in typischen Etappen verlaufen:

Man fängt an, verspielt zuerst sein verfügbares Geld, dann vielleicht noch etwas, das man zur Seite gelegt hat. Wenn das auch weg ist, leiht man sich Geld. Immer mehr und von immer mehr Leuten. Und irgendwann kommt der große Knall. […] Am Ende saß ich von morgens bis abends im Wettbüro […].

Acht Jahre lang sei es ihm gelungen, seine Spielsucht vor seiner Familie zu verbergen, erzählt der ehemalige Moderator. Doch dann seien immer häufiger gelbe Briefe und Anrufe gekommen und es habe keine Ausreden mehr gegeben. Es sei zu häuslichen Konflikten gekommen. [Anm. d. Red.: Bei gelben Briefen handelt es sich um Zustellungen mit Postzustellungsurkunde. Diese Art der Zustellung wird meist vom Finanzamt, vom Zoll oder von Gerichten genutzt.]

 

Der Weg zurück ins Leben für Prominente einfacher?

Alles sei endgültig aufgeflogen, als er ein Darlehen des Politikers Wolfgang Bosbach in Höhe von 5.000 Euro nicht mehr habe zurückzahlen können. Dieser habe ihn angezeigt und so sei die Geschichte an die Öffentlichkeit gelangt.

 

Den Weg aus der Spielsucht habe ihm die Teilnahme an „Promi Big Brother“ geebnet. Dort habe er 100.000 Euro gewonnen, die komplett in die Tilgung der Schulden geflossen seien. Allerdings sei dort auch seine Geschichte bekannt geworden:

Ich konnte keine Ausrede mehr finden, ich musste mich öffnen. Und ich hörte einen dicken, schweren Stein abfallen, als es raus war. Diese Welle an Sympathie, Achtung und Anerkennung dafür, dass ein Mensch in meinem Alter noch mit so einer Lebensbeichte um die Ecke kommt, war natürlich sehr schön. Das hat mich aufgefangen, auch in meinem Selbstbewusstsein auf dem Weg zurück.

Für den Gladbacher Tobias Blümel (35), der ebenfalls eine lange Spielsucht-Karriere hinter sich hat und in einer Video-Dokumentation bei Bild darüber berichtet hatte, sei dies nicht nachvollziehbar, schließlich habe Hansch „genauso viele Leute beschissen“ wie er. Ihm habe allerdings niemand geholfen.

Spieler-Karriere endet im Knast und nicht bei Promi Big Brother

 

Tobias Blümel berichtet in seiner Doku „Verzockt“ über seine Spielsucht-Karriere, die im Alter von 16 Jahren begonnen habe, als er zum ersten Mal eine Wette platziert habe. Er sei immer tiefer in den Sog der Sucht geraten und habe sich sogar wegen Spielschulden monatelang vor der Wettmafia verstecken müssen. Schließlich sei er im Gefängnis gelandet. Jetzt versuche er, sich ein neues Leben aufzubauen.

Hansch und Blümel engagieren sich heute als Botschafter für den Fachverband Glücksspielsucht und machen Aufklärungsarbeit. Zielgruppe seien Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.

 

In dem Video vom Fachverband Glücksspielsucht berichtet Hansch über seine Spielsucht:

 

 

Ein Verbot der Angebote sei nicht sinnvoll und der falsche Ansatz, so Blümel, denn es sei nicht möglich, die Menschen komplett vom Spielen abzuhalten. Doch das Thema Spielsucht müsse präsent sein und Gefahren müssten aufgezeigt werden.