, 27.11.2020

Im Rahmen der 32. Jahrestagung des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V. hat Prof. Dr. Andrea Kleeberg-Niepage von der Universität Flensburg am Donnerstag in ihrem Vortrag die Nutzung digitaler Medien aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen beleuchtet.

 

Studie: Nutzungsverhalten digitaler Medien

Anlässlich eines Forschungsprojekts führte die Uni Flensburg zu den Zeiten der Schulschließung aufgrund der Corona-Pandemie eine Umfrage mit 500 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 12 und 20 Jahren durch.

Zentrale Aspekte der Studie zur Digitalisierung seien gewesen, die Perspektive von Jugendlichen sichtbar zu machen und Anregungen zu entwickeln, wie Erwachsene als Teil der Non-Digital-Generation diese Sichtweise besser verstehen könnten.

Gefragt worden sei unter anderem nach den Gefühlen, die mit der Mediennutzung verbunden seien und welche Rolle die Medien insbesondere in der Corona-Zeit gespielt hätten.

 

Die Umfrage habe ergeben, dass 92,5 % der Jugendlichen über ein Smartphone verfügten. 98 % hätten zudem Zugang zu PCs, Tablets, Laptops oder Notebooks. Die Nutzungszeiten des Smartphones lägen im Schnitt bei 3,3 Stunden täglich und bei 2,3 Stunden bei Geräten wie PC oder Laptop.

 

Zeiten des Fernsehkonsums und der Nutzung von Spielekonsolen seien nicht mitberechnet. Mädchen verbrächten mehr Zeit mit dem Smartphone, während die Jungen länger mit dem PC beschäftigt seien.

 

Vorwiegend werde das Smartphone zur Kommunikation verwendet. Doch es werde auch für die Recherche genutzt, um die Hausaufgaben anzufertigen, um sich mit Mitschülern über den Lernstoff auszutauschen und zur Unterhaltung.

 

Bei der Frage nach Gründen für die Internetnutzung am PC habe der größte Teil der Befragten schulische Aufgaben angegeben. Es folgten die Beschäftigung mit sozialen Netzwerken, Unterhaltung, Kommunikation und Nachrichten.

 

Interessant, so Prof. Dr. Kleeberg-Niepage, sei der Aspekt, dass Jugendliche aus potenziell sozial benachteiligten Milieus deutlich längere Nutzungszeiten am Smartphone angegeben hätten.

 

Smartphones und Computer in der Zukunft

Die meisten Jugendlichen glaubten, dass digitale Medien das Leben in der Zukunft stark beeinflussen würden. Viele seien der Meinung, dass das Smartphone vieles im Leben vereinfachen werde, zum Beispiel Bezahlvorgänge oder die Aufrechterhaltung von Kontakten.

 

Allerdings habe es auch pessimistische Stimmen gegeben. So zitiert Prof. Dr. Kleeberg-Niepage einen 18-jährigen Jugendlichen:

Ja, [die Zukunft stark beeinflussen, Anm. d. Verf.] werden sie aufgrund der Tatsache, dass Staat und Wirtschaft mich in eine Abhängigkeit zu diesen stellen. Ich werde mich damit befassen müssen, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

Ein 15-jähriger Jugendlicher habe angegeben, dass man verlerne, mit Menschen in der Realität zu kommunizieren. Außerdem werde man mit vielen Dingen konfrontiert, die unnötig seien. So befasse man sich mit den falschen Dingen.

 

Prof. Dr. Kleeberg-Niepage kommentiert:

Meines Erachtens klingt damit eine Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen durch, die davon zeugen, dass Jugendliche recht gut die Widersprüche und Ambivalenzen der Digitalisierung wahrnehmen.

Dies spiegle zudem auch ein Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins wider, erklärt die Wissenschaftlerin. Jugendliche, die die moderne Technik eher pragmatisch betrachteten, seien auch entgegen weit verbreiteter Meinungen in der Lage, die Gefahren eines Zeit- und Kontrollverlusts zu erkennen.

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