, 01.10.2020

Die Besitzer einer Luxusvilla im Norden der kanadischen Millionenstadt Toronto haben über viele Monate lang ein illegales Casino in ihrem Keller betrieben. Die Polizei konnte die professionelle Spielstätte im Juli dieses Jahres ausheben. Der verantwortliche Polizeichef Brian Bigras hat gestern eine Pressekonferenz vor der 1.585 Quadratmeter großen Villa gegeben.

 

In der Pressekonferenz, die vom kanadischen Nachrichtensender CBC übertragen wurde [Seite und Video auf Englisch], hat Bigras erstmals öffentlich über das sogenannte „Project Endgame“ berichtet. Die Polizei habe dieses bereits 2019 gestartet, als erste Informationen zu den illegalen Aktivitäten in der Villa vorgelegen hätten.

Die Polizei habe die Villa seit Monaten observiert. Der erste Versuch einer Razzia sei unterbrochen worden, weil Polizeihubschrauber entdeckt hätten, dass sich Kinder im Gebäude aufgehalten hätten. Obwohl unzählige bewaffnete Offiziere das Gebäude bereits umstellt gehabt hätten, sei die Lage aufgrund der Kinder als zu riskant bezeichnet worden.

Der große Schlag sei jedoch erst am 23. Juli gelungen. Im Rahmen ihrer Razzia mit 124 Einsatzkräften habe die Polizei Bargeld im Wert von 1 Mio. CAD, Alkohol im Wert von 1,5 Mio. CAD-Dollar sowie 11 Schusswaffen und Tausende Schuss Munition sichergestellt.

 

Im Untergeschoss des Gebäudes sei eine riesige Spielstätte entdeckt worden. Darin seien zahlreiche voll funktionsfähige Spielautomaten und mehrere Tische für Baccarat und Mahjongg aufgestellt gewesen. Auch habe es einen professionellen Kassenbereich gegeben.

 

Dutzende Spieler sowie der vermeintliche Betreiber, ein 32-jähriger Mann chinesischer Abstammung, seien zu dem Zeitpunkt der Razzia im Spielbereich anwesend gewesen.

 

Waffenbesitzt, Prostitution und Sexhandel

Im oberen Stockwerk hingegen seien Gästen luxuriöse Schlafzimmer und ein Spa-Bereich angeboten worden. Dieser Bereich sei offiziell als Bed & Breakfast betrieben worden. Für das Betreiben von Glücksspiel und den Ausschank von Alkohol habe aber nie eine Lizenz vorgelegen.

 

Die Polizei gehe davon aus, dass innerhalb des Gebäudes auch Prostitution und Sexhandel stattgefunden haben könnten. Die Ermittlungen hierzu dauerten an. Bigras erklärt:

Dies ist organisiertes Verbrechen. Hier werden finanzielle Vorteile ausgenutzt sowie gesellschaftliche Stellung und Reichtum. Sie scheinen zu glauben, vom Gesetz nicht belangt werden zu können.

Nach der erfolgreichen Razzia im Juli habe die Polizei noch einen weiteren Standort entdeckt, der mit den Verbrechen in der Villa in Verbindung stünde. 29 Personen seien im Zusammenhang mit „Project Endgame“ bisher verhaftet worden. Gegen diese lägen bislang 74 Anklagepunkte vor.

 

Die Polizei habe noch andere Verdächtige im Visier und plane daher weitere Razzien, um dem illegalen Glücksspiel und dem organisierten Verbrechen in der Region den Garaus zu machen.