, 23.10.2019

Am Dienstag präsentierte der Stadtrat von Barcelona ein neues Gesetzesprojekt, welches fortan die Eröffnung neuer Spielhallen und Wettbüros innerhalb der Stadt gänzlich unterbinden soll.

 

Barcelona ist damit die erste Stadt Spaniens, die im Kampf gegen die landesweit steigenden Zahlen Spielsüchtiger eine derartige Maßnahme einführt. Wie der Stadtrat erklärte, wolle man die Regierung „wachrütteln“ und besser für die Risiken des landbasierten Glücksspiels sensibilisieren.

 

Mit gutem Beispiel voran

Spielautomaten in Barcelona

Zu viele Spielhallen und Spielautomaten in Barcelona (Bild: CasinoOnline)

In Spanien gelten die meisten Formen des Glücksspiels als legal. Während der Staat dabei die Regulierung des gesamten Online Glücksspiels sowie der Nationallotterie und den staatlichen Sportwetten übernimmt, sind die siebzehn Regionen des Landes für die Organisation des landbasierten Glücksspiels zuständig.

 

Demnach lassen sich aktuell große regionale Unterschiede bezüglich der Gesamtzahl von Casinos, Bingohallen, Spielhallen und Wettbüros sowie deren jeweiligen Mindestabständen finden.

 

In vielen Regionen allerdings steigt das Problem der Spielsucht seit Jahren rapide an, so auch in Katalonien und dessen Hauptstadt Barcelona. Als neue Maßnahme will der Stadtrat ab sofort die Eröffnung neuer Spielhallen, Wettbüros und Co. verbieten.

 

Dies soll auch dann gelten, wenn bereits existierende Spielstätten schließen, damit die Gesamtzahl nach und nach reduziert werden kann. Derzeit gibt es in der Stadt 35 Spielhallen, 17 Bingohallen und ein Casino. Hinzu kommen zahlreiche Wettbüros sowie an öffentlichen Orten aufgestellte Spielautomaten.

Laut Studien des Gesundheitsministeriums (EDADES 2017-2018) zählten 0,4 % der Personen zwischen 15 und 64 Jahren zu den Problemspielern. Im Durchschnitt spielten diese erstmals im Alter von 19 Jahren Glücksspiele. 44,8 % der Spielsüchtigen jedoch hätten bereits im minderjährigen Alter mit dem Spielen begonnen. Schätzungen zufolge litten allein in der Region Katalonien insgesamt 20.000 Personen an Spielsucht.

Gleichzeitig will die Stadt auch ihr Mögliches tun, um das Online Glücksspiel einzudämmen. Dazu zählt in erster Linie die Reduzierung der Glücksspiel-Werbung, beispielsweise auf Anzeigetafeln innerhalb des Transportwesens (Transportes Metropolitanos de Barcelona, TMB).

 

Zu weiteren geplanten Maßnahmen zählt auch die Aufklärung über die Gefahren des Glücksspiels an den Schulen der Stadt sowie die finanzielle Förderung von Einrichtungen und Unternehmen, die sich mit dem Blockieren illegaler Online Glücksspiel-Webseiten beschäftigen.

 

Schlechter reguliert als Online Glücksspiele

Auch andere Städte und Regionen des Landes haben in den letzten Jahren ihre Glücksspielgesetze verschärft. In erster Linie jedoch geht es dabei um angezogene Mindestabstände von Glücksspieleinrichtungen zu Schulen und anderen Einrichtungen, in welchen Minderjährige verkehren.

 

Während dieser Mindestabstand in der Hauptstadt Madrid beispielsweise bei lediglich 100 Metern liegt, legt die Valencianische Gemeinschaft deutlich strengere Abstände von 700 Metern fest.

 

Gerade aufgrund dieser scheinbaren Willkürlichkeit kritisieren Spielsuchtexperten seit langem, dass die Regulierung des landbasierten Glücksspiels deutlich schlechter sei als jene des staatlich kontrollierten Online Glücksspiels.

 

José Abad, Leiter der andalusischen Spielsuchtvereinigung (Federaciòn Andaluza de Adictos al Juego de Azar), erklärt dazu:

Bei Glücksspielen im Internet werden Identifikationsdokumente und Kreditkartendaten verlangt und es gibt ein maximales Einzahlungslimit. In einer Spielhalle ist das nicht der Fall.

Auch der Verbund ehemaliger Spielsüchtiger (Federaciòn de Jugadores de Azar Rehabilitados, FEJAR, Seite auf Spanisch) beklagt, dass die regionale Regulierung des landbasierten Glücksspiels unzureichend sei.

 

Laut FEJAR-Präsident Juan Lamas bringe der Mindestabstand nur wenig, solang im Bereich der Prävention nichts getan werde. Dazu zähle vor allem auch das Begrenzen der Werbeanzeigen sowohl für das Online als auch das landbasierte Glücksspiel.

 

Madrid gehe hier als gutes Beispiel voran, da in der Hauptstadt sämtliche Glücksspielwerbung über regionale Medien untersagt ist. Barcelona könnte mit seinem neuen Gesetzesprojekt in dieser Hinsicht nachziehen.

 

Proteste in verschiedenen spanischen Städten

Eine Verschärfung der Glücksspielgesetzgebung im gesamten Land scheint auch der breiten Bevölkerung ein Anliegen zu sein. So kam es in den vergangenen Wochen vermehrt zu Protesten vor Spielhallen und Wettbüros.

 

Alicante Strand und Stadt Luftbild

Proteste vor Wettbüros in Alicante (Bild: Pixabay)

Erst gestern kam es beispielsweise in Alicante zu einem Protest, an welchem sich knapp 70 Personen beteiligten. Die Demonstranten forderten dabei von der Stadtverwaltung, dass Mindestabstände von mindestens einem Kilometer zwischen Glücksspielorten und Schulen eingeführt werden.

 

Laut Alvaro Castaños, dem Leiter der Anti-Glücksspiel Vereinigung der Stadt, könnten sogar Minderjährige die Spielstätten oft ungehindert betreten. Erst kürzlich habe eine Mutter beklagt, dass ihr 14-jähriger Sohn in einem Wettbüro gewesen sei.

 

Allem Anschein nach bedarf es aktuell im ganzen Land einiger Verbesserungen in der Kontrolle des Glücksspiels. Ob Barcelona hier eine Vorbildfunktion einnehmen wird, bleibt abzuwarten.

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