, 22.11.2021

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) die sofortige Einführung der allgemeinen Impfpflicht für Erwachsene. Erneute Schulschließungen könnten erneut zu vielen psychosozialen Störungen wie Spielsucht, Adipositas und Lernrückständen führen. Daher müssten sie um jeden Preis verhindert werden, erklärte der BVKJ am Sonntag in einer Pressemitteilung.

 

Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Prof. Dr. med. Jörg Dötsch, plädierte dafür, dass der Schulbetrieb während der gesamten vierten Welle aufrechterhalten werden müsse. Dr. Dötsch begründete seine Forderung damit, dass Ansteckungen von Kindern und Jugendlichen in der Regel nicht in Schulen erfolgten, sondern im familiären Umfeld.

Die Forderung des BVKJ und der DGKJ folgte nach Beschlüssen der Bundesländer Bayern, Sachsen, dem Saarland, Hamburg und Schleswig-Holstein, das öffentliche Leben erneut einzuschränken. Die 2G-Regel gilt bereits in weiten Teilen Deutschlands.

Impfpflicht für Erwachsene

Durch die Einführung einer Impfpflicht für Erwachsene werde der Weg zur Rückkehr zur Normalität geebnet. Insbesondere die Grundrechte der Kinder könnten so wiederhergestellt werden, so der BVKJ. Dazu gehöre das Recht auf Bildung und ein normales Leben.

 

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach führte aus:

Kinder und Jugendliche haben seit Beginn der Pandemie die größten Opfer gebracht, obwohl sie weniger die Intensivstationen belegen, ja oft nicht einmal medizinisch versorgt werden müssen, wenn sie sich mit dem Corona-Virus infiziert haben.

Dr. Fischbach kritisierte in diesem Zusammenhang zudem die vom Gesundheitsministerium beschlossene Deckelung des BioNTech-Impfstoffes. Dies sei der Impfstoff, der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) ausschließlich für Kinder und Jugendliche empfohlen werde.

 

Zudem genieße BioNTech das größte Vertrauen in der Bevölkerung. Viele Menschen könnten daher nicht geimpft werden. Allerdings erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Sonntag in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“, dass die Nachfrage in den letzten zwei Wochen erheblich gestiegen sei und dass daher die BioNTech-Lager leer seien. Dies sei nicht klar kommuniziert worden, so Spahn.

 

Schwere Folgen der Lockdown-Maßnahmen für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche hätten unter den letzten Lockdown-Maßnahmen mehr gelitten als andere Bevölkerungsgruppen, erklärte Dr. Fischbach. Viele hätten psychosoziale Schäden wie Übergewicht und Spielsucht entwickelt. Zudem seien Lernrückstände zu verzeichnen gewesen. Dies betreffe vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien.

Starker Anstieg von Medien- und Spielsucht

 

Das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) hat im Auftrag der Krankenkasse DAK eine Studie in Auftrag gegeben. Diese ergab, dass die pathologische Nutzung digitaler Spiele durch Kinder und Jugendliche seit 2019 von schätzungsweise 144.000 um 51,8 % auf 219.000 angestiegen ist. Bei der Nutzung von Social-Media-Plattformen wie TikTok, Snapchat und Instagram sei die Zahl von 171.000 auf 246.000 angestiegen.

Zwar seien die Schulen derzeit wieder geöffnet, dennoch lägen die Nutzungszeiten bei digitalen Spielen und Social Media immer noch deutlich über dem Vorkrisenniveau, erklärte der Leiter der DAK-Studie Rainer Thomasius vom DZSKJ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

 

Dr. Fischbach resümierte, dass die Lockdowns insbesondere für Kinder und Jugendliche mit bereits davor riskanter Mediennutzung ein erheblicher gesundheitlicher Gefährdungsfaktor gewesen seien.

 

Dieser habe den Übergang in eine pathologische Nutzung quasi katalysiert. Dr. Fischbach habe die Befürchtung, dass sich diese Tendenz auch nach Ende der Pandemie nicht vollständig zurückentwickeln lasse.