Sonntag, 02. Oktober 2022

UKE erhält 4,8 Mio. Euro für Projekt gegen Internetsucht bei Kindern

Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf

Untersuchungen zufolge nimmt der Konsum von Onlinemedien bei Heranwachsenden seit Jahren zu. Damit wächst aus Sicht von Medizinern des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) die Gefahr einer Ausbreitung der Internetsucht. Um dieser zu begegnen, haben die Forscher das digitale Behandlungsprogramm Res@t gestartet, für das sie vom Bund nun einen millionenschweren Zuschuss erhalten.

Wie das Universitätsklinikum am Dienstag bekanntgab, werde das auf dem UKE-Campus beheimatete Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss 4,79 Millionen Euro erhalten. Das Geld fließe in die Entwicklung einer digitalen Anwendung, mit der den jungen Konsumenten aus der Abhängigkeit geholfen werden solle.

Das UKE erforscht seit Längerem die wachsende Internetsucht bei Jugendlichen. In diesem Zusammenhang veröffentlichte es im vergangenen August in Zusammenarbeit mit der DAK Gesundheit die Studie Mediensucht 2020 zum Konsum digitaler Medien. In der Untersuchung wurde bei Minderjährigen im Zuge des ersten Corona-Lockdowns eine erheblich gesteigerte Nutzung von Videospielen festgestellt.

Die Forscher schätzen, dass bundesweit etwa 15 % der Jugendlichen in Bezug auf das Internet ein riskantes Konsumverhalten zeigten. Zwischen 3 und 5 % litten an einer online-bezogenen Abhängigkeit, wofür neben sozialen Medien hauptsächlich Computerspiele verantwortlich seien.

App für die gezielte Behandlung

Die nun geförderte Res@t-App solle helfen, „medienbezogene Störungen“ individuell und ortsunabhängig zu behandeln. Ihr Ziel sei es, der Mediensucht sowie den häufig damit einhergehenden Verhaltensauffälligkeiten zu begegnen.

Dies geschehe nach Auskunft von Prof. Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE, gegenüber der Zeitung Hamburger Abendblatt, indem das Interesse der Jugendlichen „auf Räume außerhalb des Internets“ gelenkt werde.

Prof. Thomasius betonte in der Zeitung:

Die App ist ein Zwölf-Wochen-Programm und die digitalisierte Version des Behandlungsmodells, das wir unter dem Titel „Lebenslust statt Onlinefrust“ auch bei unseren Patienten anwenden.

Neben den Heranwachsenden sollten deren Eltern ebenfalls von dem Projekt profitieren. Diese würden nach Auskunft der Mediziner in erheblichem Ausmaß durch die Sucht ihrer Schutzbefohlenen belastet.

Zusätzlich zur App solle nach Willen des UKE eine sektorenübergreifende Versorgung der Betroffenen erfolgen. Deshalb setzten sich die Mediziner in Kooperation mit den Krankenkassen für eine Vernetzung der ambulanten, stationären und rehabilitativen Behandlung ein.