, 10.01.2019

Gestern wurde bekanntgegeben, dass der englische Rugby-Spieler Thomas Minns wegen Kokain-Missbrauchs gesperrt wurde. In der vergangenen Woche machte die englische Premier League Schlagzeilen, weil ein Fußballer wegen Kokain-Konsums aus einem Nachtclub geworfen wurde. Nach Ansicht von Experten handelt es sich keinesfalls um Einzelfälle, sondern vielmehr um ein im Sport weitverbreitetes und bekanntes Problem.

 

Thomas Minns

Rugby-Spieler Thomas Minns wurde wegen Drogen-Missbrauch gesperrt. (Bild: Wikipedia)

Kokain-Missbrauch in der Premier League

 

Zunächst hatte die Zeitung The Sun (Seite auf Englisch) berichtet, dass ein Spieler der Premier League in einem Nachtclub erwischt wurde, als er auf einer Toilette Kokain konsumierte. Ein Teamkamerad des englischen Fußballers erzählte der Sun, dass er im Club gesehen habe, wie sein Mitspieler eine Koks-Linie gezogen habe.

 

Andere Mitspieler sollen beobachtet haben, wie der Fußball-Star kraftlos aus der Toilette gekommen sei. Der Manager des ungenannt gebliebenen Clubs forderte den betreffenden Spieler auf, die Einrichtung durch die Hintertür zu verlassen. Er habe angenommen, er sei betrunken.

Kokain und seine Einstufung in Großbritannien

 

In Großbritannien werden Drogen in die Drogenklassen A bis C eingestuft. Die Drogenklasse A gilt dabei als hochgefährlich, die Drogenklasse C als weniger gefährlich. Je nach Drogenklasse kann sich die mit Besitz und Weitergabe sowie Veräußerung verknüpfte Strafe unterscheiden. Kokain, aber auch Ecstasy und LSD werden als Drogen der Klasse A eingestuft, Amphetamine werden der Klasse B und Anabolika der Klasse C zugerechnet.

 

Der Besitz von Kokain wird in Großbritannien mit bis zu sieben Jahren Haft und/oder einer Geldbuße bestraft. Wer mit der Droge handelt, muss mit einer Haftstrafe rechnen, die bis zu lebenslang ausfallen kann. Wird jemand von der Polizei in einem Club oder in einer Bar bei der Weitergabe oder beim Verkauf von Drogen erwischt, kann auch der Besitzer des Etablissements strafrechtlich belangt werden.

 

Wie die Medien berichten, soll der betreffende Fußballspieler erst am Vortag saubere Proben für Drogentests abgegeben haben. So wusste er, dass er Kokain nehmen konnte, ohne dabei erwischt zu werden. Die Droge kann bei einem Test bis zu 24 Stunden lang in der Blutprobe nachgewiesen werden. Da die Tester erst am Vortag da gewesen waren, wusste der Erstligist, dass er unbescholten davonkäme.

 

Wenige Tage nach diesem Vorfall wurde ein weiterer Fußballer der Premier League auf einer Party beim Konsum von Kokain gesehen. Eine Frau berichtete der Sun, dass auf der Party viel Kokain im Umlauf gewesen sei und der Fußballspieler immer wieder auf der Toilette verschwunden sei, um die Droge zu sich zu nehmen.

 

Football Association FA

Der englische Fußball-Verband (The FA) will eine Untersuchung einleiten. (Bild: Wikipedia)

Der englische Fußballverband, die Football Association (The FA), gab an, eine Untersuchung einzuleiten. Fußballer können von der Football Association mit einer Sperre von bis zu zwei Jahren belegt werden, wenn sie positiv auf eine Klasse-A-Droge getestet werden.

 

Aktuellen Zahlen zufolge hat die Anti-Doping-Organisation UK Anti-Doping in der Saison 2017/18 mehr als 5.000 Proben von Spielern genommen. Diese schließen 1.923 Proben von Spielern der Premier League ein, 752 mehr als in der Vorsaison.

 

Kokain kann im Blut 48 Stunden lang, im Urin bis zu vier Tage lang nachgewiesen werden. Im Haar kann man die Droge noch bis zu 90 Tage lang nachweisen. In der vergangenen Saison wurden sechs Fußballspieler, deren Identität nicht bekannt gegeben wurde, positiv auf Drogen getestet.

 

Drogenmissbrauch als weitverbreitetes Problem im Sport

 

Professor Ivan Waddington untersucht an der University of Chester bereits seit Jahren den Konsum von Drogen im Sport. Schon im Jahr 2005 führte er Umfragen unter Fußballspielern durch, die ergaben, dass die Nutzung von Drogen weitverbreitet ist. In einem Exklusivinterview mit der Zeitung The Independent unterstrich Waddington 2018 seine Befürchtungen, dass die Football Association Drogen nicht so ernst nehme, wie sie sollte:

„Ich denke nicht, dass die FA Drogentests so ernst nimmt wie sie sollte. Das wird sie natürlich bestreiten. Und ich denke nicht, dass die Fußballclubs Drogentests so ernst nehmen, wie sie sollten. Auch die einzelnen Clubs werden dies bestreiten.“

Diese Befürchtung gewinnt nach den jüngsten Vorfällen an besonderer Bedeutung, denn der Fußballverband meldet sich eher zurückhaltend mit der Bitte, Augenzeugen mögen sich melden.

 

Für Waddington besteht dagegen kein Zweifel, dass der Drogenmissbrauch unter Fußballspielern weit verbreitet ist. Die am meisten konsumierten Drogen seien dabei Kokain und Marihuana. Waddington betont, dass die Spieler selbst angegeben hätten, die Drogen zu konsumieren. Er stelle sich die Frage, warum ihr Drogenkonsum nicht festgestellt werde.

 

Die FA dagegen gab an, dass ein Spieler zwar von einem Mitspieler beim Konsum von Kokain erwischt worden sei, es sich dabei jedoch um einen Einzelfall im englischen Fußball handele.